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Skepsis gegenüber Feedback © APA (dpa)
Skepsis gegenüber Feedback © APA (dpa)

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OECD-Studie sieht "Entwicklungsbedarf" bei Beurteilung von Lehrern

02.04.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 13/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

In Österreich erhalten Lehrer deutlich seltener Feedback und eine Beurteilung ihrer Arbeit als in anderen EU-Ländern. Die Autoren der eben veröffentlichten OECD-Lehrerstudie TALIS (Teaching and Learning International Survey; Band 2) orten hier "Entwicklungsbedarf". Österreichs Lehrer sehen zudem deutlich weniger positive Auswirkungen von Feedback auf ihren Unterricht als Lehrer anderer EU-Länder.

Nur jeder vierte Schulleiter in Österreich schafft es, jeden Lehrer mindestens ein Mal pro Jahr formell zu beurteilen - gegenüber 61 Prozent im EU-Schnitt. Sieben Prozent der Lehrer haben laut der Befragung sogar noch nie Feedback an ihrer Schule erhalten.

Unter den Schulleitern geben 18 Prozent an, dass an ihrer Schule nie jeder Lehrer eine formelle Beurteilung erhält, bei weiteren 38 Prozent kommt das nicht einmal alle zwei Jahre vor (EU-Schnitt: 13 bzw. 14 Prozent). Lehrer an AHS-Unterstufen bekommen dabei insgesamt seltener eine formelle Beurteilung als ihre Kollegen an den Neuen Mittelschulen.

Hospitationen dienen als Informationsquellen

Als Informationsquellen für Feedback nutzen Schulleiter vor allem Hospitationen, also die Beobachtung des Unterrichts. Außerdem setzen sie auf schul- und klasseninterne Vergleiche sowie Ergebnisse aus externen Schülerüberprüfungen wie den Bildungsstandards, auch wenn letztere eigentlich dafür laut Rechtslage gar nicht herangezogen werden dürften. Von gut der Hälfte der Schulleitungen werden auch Schülerumfragen zur Lehrerbeurteilung verwendet, Selbstbeurteilung der Arbeit durch die Lehrer (z.B. Videoanalyse des Unterrichts) wird im Vergleich zum EU-Schnitt nur selten eingesetzt (31 Prozent gegenüber 65 Prozent im EU-Schnitt).

Nach einer Lehrerbeurteilung kommt es in Österreich am häufigsten zu "Diskussionen bezüglich Maßnahmen zur Behebung von Schwächen im Unterricht" oder "Ausarbeitungen eines Entwicklungs- oder Trainingsplans". Im EU-Vergleich selten werden Mentoren eingesetzt, die Lehrer bei der Verbesserung des Unterrichts unterstützen. Auch Gehaltserhöhungen oder -reduzierungen kommen seltener vor als in anderen EU-Ländern, weil in Österreich die Bezahlung nicht leistungsorientiert erfolgt.

Zwei Drittel der Lehrer, die in den vergangenen zwölf Monaten Feedback erhalten haben, sagen, dass dieses positive Auswirkungen auf ihren Unterricht hatte - vor allem bei den pädagogischen Kompetenzen, Klassenführung und der "Verwendung der Schüler-Beurteilungen zur Verbesserung des Lernens". Es sehen allerdings trotzdem signifikant weniger Lehrer einen Sinn in Feedback als im EU-Schnitt (70 Prozent), besonders skeptisch zeigen sich Lehrer an NMS und ältere Pädagogen.

Service: http://go.apa.at/uiYyuo3Z

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