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Tockner verwies auf die Bedeutung der Grundlagenforschung in der Krise © APA (Fohringer)
Tockner verwies auf die Bedeutung der Grundlagenforschung in der Krise © APA (Fohringer)

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FWF: Investition in Wissenschaft ist Vorsorge für künftige Krisen

14.05.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 19/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Der Wissenschaftsfonds FWF hat im Vorjahr mehr als 700 Projekte primär im Bereich Grundlagenforschung mit 237 Mio. Euro gefördert. Investitionen in diesen Bereich seien eine "Vorsorge, um mit den Folgen der aktuellen Krise zurechtzukommen und um auf künftige Krisen reagieren zu können", sagte FWF-Präsident Klement Tockner anlässlich der Veröffentlichung der Bilanz des Fonds zur APA.

Bei der letztjährigen Bilanzpressekonferenz hatte Tockner den "Ball am Elf-Meter-Punkt liegen" gesehen, nachdem ein im Mai 2019 geplanter Forschungsgipfel der Bundesregierung verschoben wurde, bei dem lange erwartete und geforderte Maßnahmen wie eine Exzellenzinitiative oder ein Forschungsfinanzierungsgesetz vorgelegt werden sollten. Ein Jahr - und eine Nationalratswahl sowie eine Krise - später, liegt der Ball noch immer dort, die Forderungen seien aber "akuter als je zuvor", so Tockner.

Bedeutung der Grundlagenforschung in der Krise

Sowohl Tockner als auch Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) verwiesen in einer Aussendung auf die Bedeutung der Grundlagenforschung, speziell in der Krise: "Investitionen in die Wissenschaft sind Investitionen in eine bessere Zukunft", erklärte der FWF-Chef. Und für Faßmann zeigt die Krise, "wie wichtig es ist, dass sich die Menschen auf die Grundlagenforschung verlassen können". Forscher würden dazu beitragen, Wege aus der Krise zu finden und künftige Bedrohungen abzuwenden".

Dass angesichts horrender Staatsausgaben das Wissenschaftsbudget zu kurz kommt, glaubt Tockner nicht: "Ich kann mir keine verantwortungsvolle Politik vorstellen, die nicht in diese Basis hineininvestiert. Würde man dort beginnen, hätte das einen negativen Spiraleffekt", sagte der FWF-Chef. Um die Wirtschaft nicht nur kurz- sondern wirklich mittel- und langfristig wieder in Fahrt zu bekommen und den Innovationsstandort zu stärken, komme man gar nicht um Investitionen in den Grundlagenforschungsbereich herum.

Auch IHS-Chef Martin Kocher betont in der FWF-Aussendung, dass zur Stärkung der Wirtschaft nach der Krise insbesondere die Grundlagenforschung nicht vergessen werden darf. Andere Länder würden das ebenso machen und der Wettbewerb um Talente und Ideen werde stärker sein als je zuvor. Die im Regierungsprogramm geplanten Maßnahmen wie Exzellenzinitiative, Forschungsfinanzierungsgesetz mit Wachstumspfad und solide Ausstattung des FWF-Förderungsbudgets würden die konjunkturelle Entwicklung Österreichs stärken, ist Tockner überzeugt.

Wissenschaftliche Qualität hochhalten

Die Krise zeige, dass man noch stärker darauf achten müsse, dass die Qualität der Wissenschaft hochgehalten werde, da dies Entscheidungen auf Basis des bestverfügbaren Wissens ermögliche. "Eine ganz klare Lehre ist auch, dass wir die Vielfalt in der Forschung aufrechterhalten und fördern müssen und dass es jetzt nicht zu einer Einengung im Forschungsbereich kommt", so Tockner. Auch internationale Kooperationen müssten erhalten und ausgebaut werden. Kooperationen müsse es auch zwischen den Fächern geben, "denn die jetzige Gesundheitskrise ist nicht entkoppelt von der Klima und der Biodiversitätskrise", die man auch nicht gegeneinander ausspielen dürfe - "das wäre fatal, dann hätten wir nichts gelernt aus dieser Krise".

Im Vorjahr hat der FWF 707 Projekte mit einem Volumen von 237 Mio. Euro genehmigt, das sind um 23 Projekte mehr als 2018 und ein Plus von knapp drei Prozent bei der Bewilligungssumme. Nach der Rekord-Antragssumme von 949 Mio. Euro im Jahr 2018 ging die beim FWF für Forschungsprojekte beantragte Summe um rund vier Prozent auf 908,7 Mio. Euro im Vorjahr zurück. Grund dafür waren vor allem die Zukunftskollegs, die nur alle zwei Jahre ausgeschrieben werden. Von den nach internationaler Begutachtung durch Experten bewilligten 237 Mio. Euro gingen 95,4 Mio. Euro in den Bereich Naturwissenschaften und Technik, 86,6 Mio. Euro in den Bereich Biologie und Medizin und 55,4 Mio. Euro in Projekte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften.

Begehrtes Zukunftspotenzial

Derzeit arbeiten in rund 2.400 vom FWF geförderten Projekten rund 4.200 Wissenschafter. Zwei Drittel (2.981) davon sind jünger als 35 Jahre - für Tockner "allesamt wissenschaftliche Zukunftshoffnungen, die in aller Welt begehrt sind und um die wir uns besonders bemühen". In diesem Zusammenhang verwies Tockner darauf, dass 2019 exzellente Forschungsprojekte im Umfang von 60 Mio. Euro ausschließlich mangels Budget abgelehnt werden mussten. Speziell für junge Wissenschafter sei dies frustrierend, "wir sehen, wieviel Potenzial wir hier liegen lassen, großartige junge Leute, die dem Land und dem Wissenschaftssystem verloren gehen, obwohl es gerade jetzt und in Zukunft auf diese Leute ankommen wird".

Von den heimischen Forschungsstätten profitierte 2019 die Universität Wien mit 53 Mio. Euro eingeworbenen Förderungen am meisten vom FWF, gefolgt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Uni Innsbruck mit jeweils 24 Mio. Euro, der Medizinischen Universität Wien (22 Mio. Euro), der Technischen Universität Wien (21) und der Universität Graz (16).

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