Natur & Technik

Gigantische Mengen von Wasser werden über weite Strecken transportiert © APA (AFP/Barukcic)
Gigantische Mengen von Wasser werden über weite Strecken transportiert © APA (AFP/Barukcic)

APA

Biologen zeigen den Einfluss von Meeresströmung auf Fischausbreitung

24.08.2020

Genfluss - der Austausch von genetischem Material zwischen verschiedenen Populationen einer Art - ist wichtig für eine Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen. Inwieweit die Ausbreitung von Fischarten durch Meeresströmungen beeinflusst wird, haben Forscher der Universität Graz in den vergangenen Jahren an der kroatischen Küste untersucht, teilte die Universität Graz mit.

In den Ozeanen werden gigantische Mengen von Wasser - und vieles was in ihm enthalten ist - über weite Strecken transportiert. "Man würde meinen, dass sich Organismen in den Weiten des Meeres ungehindert ausbreiten können. Tatsächlich gibt es aber im Wasser strukturelle Barrieren, vor allem in Form von Strömungen", beschrieb Kristina Sefc vom Institut für Biologie. An der kroatischen Küste hat die Grazer Evolutionsbiologin gemeinsam mit ihrem Kollegen Stephan Koblmüller sowie mit Studierenden Populationen einer kleinen, im seichten Felshabitat lebenden Fischart untersucht und mithilfe von genetische Analysen und Simulationen ihre Ausbreitungswege rekonstruiert. Ihre Ergebnisse haben sie im "Journal of Biogeography" publiziert.

Fokus auf Rotem Spitzkopfschleimfisch

Besonderes Augenmerk haben sie auf den sogenannten Roten Spitzkopfschleimfisch (Tripterygion tripteronotum) gelegt. Er zählt zu jenen bodenbewohnenden Fischarten, die in nur wenigen Metern Entfernung zur Küste substratgebunden leben, daher auch nicht sehr weit schwimmen können und somit außerordentlich standorttreu sind. Dennoch tritt auch hier eine genetische Vielfalt auf. Das hängt damit zusammen, dass vor allem ihre Larven im Wasser zu neuen Lebensräumen driften können.

"Die Durchmischung von genetischem Material ist wichtig für die Erhaltung der genetischen Diversität und der Anpassungsfähigkeit. Sonst werden die Tiere empfindlich für Umweltveränderungen", erklärte die Biologin. Die Wissenschafter haben in den vergangenen 14 Jahren entlang der rund 800 Kilometer langen Küste an 25 Orten Proben des Spitzkopfschleimfisches entnommen - in so dichten Abständen wie noch nie bei einer marinen Populationsstudie. Dabei haben sie herausgefunden, dass jeweils innerhalb der vier großen Adria-Strömungskreise ähnliches Erbgut vorhanden ist. Das Aufeinandertreffen zweier großer Meeresströmungen vor Sibenik bildet eine besonders starke genetische Barriere. Hier scheint es laut Sefc überhaupt keinen Austausch zu geben.

Da sich die Fische vor allem im Larvenstadium ausbreiten, haben die Forscher auch Simulationen vom passiven Larven-Drift durchgeführt, die weitgehend mit der festgelegten Populationsstruktur der Fische übereinstimmten. Allerdings zeigte sich, dass sogar mehr Durchmischung möglich ist, als die Biologen in den Fischpopulationen nachweisen konnten.

"Für die klare genetische Grenze bei Sibenik, die sich auch in einer Studie mit Korallen gezeigt hat, muss es also noch weitere Ursachen geben", vermutet die Wissenschafterin. So könnte es laut den Grazer Experten durchaus sein, dass die Spitzkopfschleimfische aus der südlicheren Region schlechter an die Lebensbedingungen im Norden angepasst sind und deshalb dort nicht Fuß fassen können. Außerdem könnten möglicherweise die kleinräumigen geografischen Verhältnisse eine Rolle spielen: "In dieser Küstenregion gibt es keine vorgelagerten Inseln, und das Meer wird sofort tief, vielleicht ist das eine zusätzliche Barriere", erklärte die Forscherin.

Service: K. M. Sefc, M. Wagner, L. Zangl, S. Koblmüller et al. "Phylogeographic structure and population connectivity of a small benthic fish (Tripterygion tripteronotum) in the Adriatic Sea", Journal of Biogeography, August 2020

STICHWÖRTER
Zoologie  | Genetik  | Meereskunde  | Steiermark  | Kroatien  | Bez. Graz  | Graz  | Wissenschaft  | Naturwissenschaften  | Biologie  | Umwelt  | Ressourcen  | Wasser  | Ozeane  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung