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Verlust von tropischen Wäldern trägt wesentlich zum Treibhauseffekt bei © Peter Hietz
Verlust von tropischen Wäldern trägt wesentlich zum Treibhauseffekt bei © Peter Hietz

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Die gute Nachricht: Regenwälder können sich schnell regenerieren

21.09.2020

Eine Studie der Universität für Bodenkultur und Universität Wien zeigt, wie schnell sich Regenwälder in Costa Rica regenerieren können. Damit lässt sich auch deren Fähigkeit, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden, berechnen.

Global trägt der Verlust von tropischen Wäldern durch das Freisetzen des in den Bäumen gebundenen Kohlendioxids wesentlichen zum Treibhauseffekt und damit zum Klimawandel bei. Es geht aber auch anders: Blätter sind zur Aufnahme von Kohlendioxid optimiert und Bäume speichern dieses im Holz. In einem alten Wald hält sich allerdings die Aufnahme von CO2 und die Abgabe durch den Abbau toter Pflanzen etwa die Waage. Wenn die Biomasse der Bäume nicht mehr zunimmt, ist der Nettoeffekt eines Waldes auf die CO2-Bilanz daher gering.

Anders in jungen Wäldern, deren Bäume rasch wachsen und Biomasse über Jahrzehnte akkumulieren. Ganz besonders dort, wo hohe Temperaturen und Feuchtigkeit das Baumwachstum fördern, also in tropischen Regenwäldern. Dies konnte in eine Studie in Costa Rica bestätigen. Florian Oberleitner hat im Rahmen seiner Masterarbeit an der Uni Wien das Alter von Wäldern in der Nähe der Tropenstation La Gamba im "Regenwald der Österreicher" in Costa Rica anhand von Luftbildern bestimmt. In zwölf Wäldern, die zwischen 5 und 55 Jahre alt waren, wurden alle Bäume bestimmt und vermessen, woraus sich der gespeicherte Kohlenstoff berechnen lässt. Vier Jahre später wiederholte Carola Egger in ihrer Masterarbeit an der BOKU die Messungen und analysierte die Veränderungen.

Junge Wälder nehmen CO2 schneller auf

Peter Hietz vom Institut für Botanik der Universität für Bodenkultur Wien, der die Arbeiten betreute, erklärt: "Die Studie bestätigt, dass tropische Sekundärwälder sehr schnell nachwachsen können. In der Umgebung von La Gamba geht es auch im Vergleich zu anderen Regenwäldern besonders schnell, da es hier mit über 6000 mm pro Jahr wirklich viel regnet." Immerhin erreicht die Biomasse in den jungen Wäldern nach bereits 20 Jahren etwa die Hälfte der in alten Wäldern gemessenen. Das bedeutet, dass jeder Hektar jungen Waldes in den ersten Jahrzehnten etwa 14 Tonnen CO2 pro Jahr aufnimmt und langfristig im Holz der Bäume speichert. Anton Weissenhofer von der Universität Wien, der das Wiederbewaldungsprojekt der Tropenstation der Universität Wien in La Gamba leitet, freut sich: "Es ist toll, dass die jungen Wälder, die als Korridor zur Erhaltung der Biodiversität geschützt werden, auch eine wichtige Kohlenstoffsenke darstellen. Eine Win-Win Situation für unser Projekt". Auch die Zahl der Baumarten nimmt zu, allerdings weniger schnell als die Biomasse und die Zusammensetzung entspricht auch nach 50 Jahren noch lange nicht der eines Urwaldes.

Regeneration hängt von vorheriger Nutzung ab

Die Studie konnte zeigen, dass die Regeneration des Waldes vom Boden und auch der Vornutzung abhängt: Wurde die Fläche nach einem Kahlschlag nicht landwirtschaftlich genutzt, regeneriert sich die Biomasse anfangs schneller als auf Flächen, die eine Zeitlang als Weide genutzt wurden. Allerdings nahm die Zahl der Baumarten schneller nach einer Beweidung zu. Hietz meint dazu: "Das hängt wohl von den lokalen Bedingungen ab und mag anderswo auch unterschiedlich verlaufen, aber solche Daten fehlen noch weitgehend. Regenwälder können sich zwar schnell regenerieren, aber nicht unter allen Umständen." In La Gamba ist zum Beispiel auf manchen Flächen auch in zwanzig Jahren kein Baum nachgewachsen, weil ein aggressiver Farn die Keimlinge der Bäume unterdrückt. "Wenn wir verstehen, wovon der Verlauf abhängt, kann man zum Beispiel besonders vielversprechende Flächen bevorzugt schützen oder in schwierigeren Lagen durch gezieltes Pflanzen von Bäumen die Regeneration fördern". Beides wird vom Wiederbewaldungsprojekt der Tropenstation mit Beteiligung der BOKU angewandt. Die neue Studie liefert dafür Daten, um die längerfristige CO2-Bindung der Wälder zu berechnen.

Allerdings können tropische und andere Wälder auch unter den optimistischsten Szenarien nur einen geringen Teil der CO2-Emissionen aufnehmen. An einer massiven Reduktion der Verbrennung fossiler Brennstoffe führt daher kein Weg vorbei.

Die Studie online: Oberleitner Florian, Egger Carola, Oberdorfer Sarah, Dullinger Stefan, Wanek Wolfgang, Hietz* Peter (2020), Recovery of aboveground biomass, species richness and composition in tropical secondary forests in SW Costa Rica. Forest Ecology and Management.

Link: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0378112720313499?via%3Dihub

Kontakt / Rückfragen:
Univ. Prof. Dr. Peter Hietz
Universität für Bodenkultur Wien
Institut für Botanik
peter.hietz@boku.ac.at
Tel.: 01-47654/83110
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Bettina Fernsebner-Kokert, BA
Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations
Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) /
University of Natural Resources and Life Sciences, Vienna
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