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Der Nobelpreis kam für den 68-Jährigen überraschend © APA (AFP)
Der Nobelpreis kam für den 68-Jährigen überraschend © APA (AFP)

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Reinhard Genzel - Vom Speerwerfer zum Nobelpreisträger für Physik

06.10.2020

Schwarze Löcher gehörten lange zu den größten Rätseln der Astronomie. Der Astrophysiker Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei München hat entscheidend dazu beigetragen, Licht in dieses Dunkel zu bringen. Er beschäftigt sich mit dem gigantischen Schwarzen Loch im Zentrum unserer Galaxie. Es dauerte mehr als ein Vierteljahrhundert, bis er dort ein gigantisches, supermassereiches, kompaktes Objekt nachwies.

Dafür wurde dem 68-Jährigen nun der Nobelpreis für Physik zuerkannt. Eine Ehre, die den Astrophysiker überraschte, als er am selben Tag in seinem Büro in Garching in einer Videokonferenz war - und das Telefon klingelte. "Da sprach diese Stimme und sagte, "This is Stockholm"", erzählte der 68-Jährige. Was für eine Situation. "Viele Nobelpreisträger erzählen einem diese Geschichte und man glaubt es nicht, wenn es kommt." Seine Gefühlslage in dem Moment: sehr emotional. "Ein paar Tränen waren auch dabei."

Genzel wurde am 24. März 1952 in Bad Homburg geboren. Dass er Physiker wurde, kam nicht überraschend - sein Vater war experimenteller Festkörperphysiker, "und ich habe den größten Teil meiner frühen Physik von ihm gelernt". Intensiv trieb Genzel auch Sport - und war richtig gut. "Bis heute bin ich stolz darauf, einer der besten jungen Speerwerfer Deutschlands gewesen zu sein", schreibt er.

Nach dem Physik-Studium in Freiburg und Bonn promovierte Genzel 1978 am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. Viele Jahre arbeitet er in den USA. Seit 1986 ist er Direktor und wissenschaftliches Mitglied am MPE, arbeitet aber auch an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seine Arbeit erregt Aufmerksamkeit und beschert ihm viele Preise, darunter den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (1990) und das Große Verdienstkreuz (mit Stern) der Bundesrepublik Deutschland (2014).

Von der Wissenschaft besessen

Dieter Breitschwerdt, Astrophysiker von der Technischen Universität (TU) Berlin, beschreibt Genzel als jemanden, der von der Wissenschaft besessen ist, "im positiven Sinne". Das habe er auch von seinen Mitarbeitern erwartet. "Die waren vielleicht nicht immer glücklich darüber. Aber all seine Leute in der Gruppe haben eine gute Karriere gemacht und haben sehr viel gelernt." Zudem habe Genzel immer Fragen gestellt, die an den Kern der Sache gehen. "Er hat weniger Wert darauf gelegt, immer nett und höflich zu sein, sondern war eher wissenschaftlich direkt."

Nun hat Genzel guten Grund, zu lachen, was er am Dienstag auch ausgiebig tut. Während er vor der versammelten Presse über seine Forschung redet, stiehlt sich immer wieder ein Grinsen in sein Gesicht. Wissenschaft ist Teamarbeit, darauf weist er immer wieder hin. Und man dürfe sich jetzt nicht ausruhen und einschlafen. "Von nix kommt nix". Die junge Generation müsse am Ball bleiben, hart arbeiten und dann könne es auch weitergehen. Auch auf ihn selbst warten unruhige Zeiten, "dass ich auf allen Dinners erscheinen soll". Aber da gebe es ja noch diese Pandemie. "Da kann ich auch mal sagen, ich komme nicht".

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