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Wissenschaftsforscherin mit beachtenswerter internationaler Karriere © APA (Pfarrhofer)
Wissenschaftsforscherin mit beachtenswerter internationaler Karriere © APA (Pfarrhofer)

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Grande Dame der Wissenschaft: Helga Nowotny ist 80

10.08.2017

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 28/2017 und nicht zwingend tagesaktuell

Lange wahrte Helga Nowotny eine gewisse Distanz zu "zu österreichischen" Einrichtungen, was ihr angesichts des "eher mühsamen Weges" durch das heimische Uni-System nicht zu verdenken war. Mittlerweile ist die "Grande Dame der österreichischen Wissenschaft" in Österreich aber ebenso präsent wie am internationalen Parkett. Am 9. August beging die Wissenschaftsforscherin ihren 80. Geburtstag.

Wissenschaftsforschung betreibt Nowotny aus dem Blickwinkel einer Soziologin. Dabei hatte sich die am 9. August 1937 in Wien Geborene ursprünglich den Rechtswissenschaften zugewandt. Die Soziologie schreckte sie noch ab, als sie im letzten Jahr des Gymnasiums zur Studienorientierung Vorlesungen an der Universität Wien besuchte. So absolvierte sie ein Jus-Studium und wurde nach dem Doktorat 1959 und der Gerichtspraxis Assistentin am Institut für Kriminologie.

Umzug nach New York

Doch dann ging Nowotny mit ihrem damaligen Mann und ihrer kleinen Tochter nach New York und suchte eine neue berufliche Betätigung. Als sie den aus Österreich vertriebenen Soziologen Paul Lazarsfeld traf, der Professor an der Columbia University war, beschloss sie über Nacht, bei ihm ein Ph.D.-Studium in Soziologie zu absolvieren, das sie 1969 abschloss. Einer ihrer Lehrer an der Columbia University, Robert K. Merton, der die Wissenschaftssoziologie entscheidend mitprägte, brachte sie dazu, die Forschung zu ihrem Forschungsgegenstand zu machen - sie wandte sich den Bereichen Wissenschaftsforschung und -theorie zu. Diese boten mit heißen Themen wie dem Vietnam-Krieg oder dem Sputnik-Schock ein brisantes Betätigungsfeld.

Zurück in Wien arbeitete Nowotny am Institut für Höhere Studien (IHS), wo sie von 1970 bis 1972 die Soziologie-Abteilung leitete. Nach einem Gastaufenthalt am King's College in Cambridge (Großbritannien) wurde die Wissenschafterin 1974 Gründungsdirektorin des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung in Wien, eine Funktion, die sie bis 1987 innehatte.

Wie mühsam österreichische Hochschuleinrichtungen sein können, zeigt Nowotnys Weg zur Lehrbefugnis: Zuerst musste sie sich mangels Unterstützung in Österreich an der Universität Bielefeld habilitieren (1980). Doch dies wurde in Österreich nicht anerkannt und so musste sie sich in Wien 1982 ein zweites Mal habilitieren, "unter Bedingungen, die eine durchaus komische Seite hatten", wie sie sich einmal erinnert hat. In den folgenden Jahren war die Soziologin als Dozentin an der Uni Wien tätig, ehe sie 1987 zur Ordinaria für Wissenschaftstheorie und -forschung sowie Vorstand des neu gegründeten gleichnamigen Instituts an der Uni Wien wurde.

Ruf an die ETH Zürich

1996 folgte der Ruf der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, wo man Nowotny als Professorin für Wissenschaftsphilosophie und -forschung wollte. Diesen Lehrstuhl hatte sie bis zu ihrer Emeritierung 2002 inne, sie leitete von 1998 an auch das "Collegium Helveticum" der ETH Zürich.

Nowotny hat zahlreiche Gastprofessuren und Fellowships erhalten, wurde im ersten Jahr des Wissenschaftskollegs zu Berlin als Fellow berufen und war als Permanent Fellow am Aufbau des Collegium Budapest beteiligt. Darüber hinaus hat sie in ihrer akademischen Karriere zahlreiche Funktionen bekleidet. So war sie u.a. sieben Jahre lang Vorsitzende des sozialwissenschaftlichen Komitees der European Science Foundation und von 2001 bis 2005 Vorsitzende des European Research Advisory Board (EURAB), dem höchsten Beratungsgremium der EU-Kommission in Sachen Forschung.

Ende 2005 wurde sie Vizepräsidentin des neu geschaffenen Europäischen Forschungsrats (ERC), den sie von 2010 bis 2013 als Präsidentin leitete. Kein Wunder, dass sie die britische Tageszeitung "Financial Times" 2011 zu einer der einflussreichsten Frauen im Bereich "Wissenschaft" gekürt hat.

Zahlreiche Funktionen auch im Inland

Auch in Österreich hatte und hat Nowotny zahlreiche Funktionen: Sie war Präsident des Wiener Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), leitet seit 2014 das vom Wissenschaftsministerium eingerichtete Beratungsgremium ERA-Council Forum Austria und ist seit 2015 Mitglied des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT). Zudem ist sie Vizepräsidentin des Kuratoriums der Lindauer Nobelpreisträgertagungen.

Ein zentrales Thema Nowotnys war immer das Verhältnis von Gesellschaft und Wissenschaft. Von der Zwentendorf-Diskussion an beobachtete und analysierte sie in zahlreichen Büchern und noch viel mehr Fachartikeln Konflikte, Fronten und Entwicklungen in diesem Bereich, untersuchte, wie Wissen an die Öffentlichkeit kommt, wie Politik und Geld das Wissenschaftssystem beeinflussen und sich neue Entwicklungen ihren Weg bahnen. So plädierte sie in ihrem Buch "The Cunning of Uncertainty" ("Die List der Ungewissheit", 2015) für einen entspannteren Umgang mit den Grenzen der Planbarkeit. Auf transdisziplinäre Arbeit legte sie dabei immer großen Wert und kooperierte eng mit Wissenschaftern der jeweiligen Fachgebiete.

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