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Sprache und Gene bestreiten bei urtümlichen Völkern gleiche Pfade

20.11.2017

Bei traditionellen Gesellschaften breiten sich die Sprache und manche Gene auf den selben Kanälen aus, fand ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung heraus. Je nach den lokalen Stammesriten, ob die Männer nach der Heirat zur Familie der Frauen ziehen oder umgekehrt, folgt die Sprache gleichsam einem mütterlichen oder väterlichen Erbgang. Die Studie erschien im Fachmagzin "Pnas".

Ein Team um Stephen Lansing vom Santa Fe Institute (USA) untersuchte die Verwandtschaftsverhältnisse und Weitergabe der Sprache bei knapp tausend Menschen in 25 Dörfern auf zwei indonesischen Inseln. Dort gibt es heute noch 17 unterschiedliche Sprachen und traditionelle Gesellschaftsstrukturen.

Auf der Insel "Timor" gibt es eine Reihe von Orten, wo frisch gebackene Ehemänner zu den Familien ihrer Frauen ziehen (Matrilokalität). Ihre Kinder lernen daher von Geburt an die im mütterlichen Dorf verwendete Sprache. Sie "erben" sie also genau so wie die Gene in den "Kraftwerken der Zellen" (Mitochondrien), die nur von den Frauen an ihre Nachkommen weitergegeben werden, berichten die Forscher, zu denen auch Stefan Thurner vom Complexity Science Hub Vienna und dem Institut für Wissenschaft komplexer Systeme der Medizinischen Universität Wien gehört.

Auf der Insel "Sumba" ziehen hingegen die Frauen nach der Heirat zum Klan der Männer (Patrilokalität). Dort folgt die Sprache der väterlichen Erblinie, genau so wie das männliche Geschlechtschromosom "Y". In beiden Fällen würden die Verwandtschaftsverhältnisse und gesellschaftlichen Regeln die Sprache in Kanälen leiten, die über viele Generationen hinweg intakt sind, erklären die Forscher.

Service: http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1706416114

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