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Fakten, Anekdoten und Hintergründe: Das Wetter machte immer Ärger © S. Fischer Verlag
Fakten, Anekdoten und Hintergründe: Das Wetter machte immer Ärger © S. Fischer Verlag

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Olympia - Kulturgeschichte der Winterspiele: Sport, Geld und Politik

05.02.2018

Rechtzeitig vor Eröffnung der XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (9. bis 25. Februar) gibt es nun die Kulturgeschichte der Winterspiele zum Nachlesen - von den "Internationalen Wintersportwochen" unter der "hohen Patronanz des Olympischen Komitees" 1924 in Chamonix bis zum Zuschlag für Südkorea. Viele Fakten und Anekdoten sowie eine Konstante: Das Wetter machte nahezu immer Ärger.

Vier Jahre nach seiner Kulturgeschichte des Fußballs und zwei Jahre nach der Kulturgeschichte der Olympischen Sommerspiele legt der österreichische Germanist und Literaturkritiker Klaus Zeyringer nun seine Untersuchungen zu den Winterspielen vor. Von Anfang an war Tourismusförderung und Geschäftemacherei ein Teil der Sportpolitik, das wird rasch deutlich. Während jene adeligen Herren, die sich die Wiedererweckung des antiken olympischen Gedankens zur Aufgabe gemacht hatten, mit Skisport zunächst wenig anfangen konnten, fürchteten die Veranstalter der 1901 erstmals abgehaltenen Nordischen Spiele um ihre Alleinstellung.

Eiskunstlauf war Teil der Sommerspiele

Zunächst wurde Eiskunstlauf als Anhängsel der Sommerspiele geführt: 1908 in London wurden Monate nach den Sommerspielen im Prince's Skating Club Rink Medaillen vergeben, 1920 in Antwerpen gab's neben Eiskunstlauf erstmals auch Eishockey. Waren die Winterspiele erst einmal etabliert, konnte zunächst jenes Land, das die Sommerspiele austrug, auch über den Ort der Winterspiele entscheiden - was den Nazis ermöglichte, 1936 nicht nur in Berlin, sondern auch in Garmisch-Partenkirchen eine Demonstration ihrer sehr spezifischen Vorstellungen von Völkerverbundenheit zu organisieren. Zu einem radikalen Bruch mit der olympischen Tradition kam es in den 1990er-Jahren: Bis 1992 wurden die Winterspiele im selben Jahr wie die Sommerbewerbe abgehalten, seit 1994 finden sie im zweijährigen Wechsel mit den Olympischen Sommerspielen statt.

Viele interessante und teils kuriose Details erfährt man aus Zeyringers Darstellung, die grundsätzlich chronologisch aufgebaut ist, gelegentlich jedoch hin und her springt und einzelnen sportlichen Ereignissen erstaunlich breiten Raum gibt. So wurde etwa bereits 1924 Nachhaltigkeit zumindest auf dem Papier Priorität eingeräumt und war 1924-36 "Militärpatrouillenlauf" (aus dem 1960 Biathlon wurde) Militärs in Uniform vorbehalten, während Skilehrern die Teilnahme verboten war. Das führte dazu, dass 1936 der Tiroler Skilehrer und vierfache Weltmeister Toni Seelos als Vorläufer um fünf Sekunden schneller als der Olympiasieger unterwegs war (noch wurde nur die Kombination aus Abfahrt und Slalom gewertet).

Triumphe und Tragödien

Die Frage des Amateurstatus von Sportlern zieht sich wie ein Roter Faden durch die Geschichte der Olympischen Winterspiele - kulminierend natürlich im berühmten Ausschluss von Karl Schranz, der 1972 bei seiner Rückkehr aus Sapporo von Menschenmassen auf dem Ballhausplatz als Nationalheld gefeiert wurde. Auch die drei Goldmedaillen des damals 20-jährigen Superstars Toni Sailer 1956 in Cortina d'Ampezzo (erstmals was das Fernsehen mit dabei) wertet Zeyringer als "gewichtigen sportlichen Beitrag zur österreichischen Nationsbildung". Dass 1968 in Grenoble Jean-Claude Killy dasselbe Kunststück nur dank nachträglicher Disqualifikation des Slalomsiegers Karl Schranz gelang, der im dichten Nebel nach Behinderung durch einen Pistenarbeiter ein zweites Mal antreten durfte, ist eine der vielen sportlichen Triumphe und Tragödien, die das Buch nachzeichnet.

Zeyringers "Kulturgeschichte der Winterspiele" ist hochinteressant, doch man würde sich eine klarere Struktur und einen Tabellen- bzw. Nachschlageteil wünschen. Relativ spät, dann aber umso ausführlicher, widmet er sich der Sportpolitik, den Machenschaften innerhalb des abgeschlossenen und elitären Zirkels des IOC, Nepotismus und Korruption. Er zeigt aber auch auf, wie selten sich die Spiele für die ausrichtenden Städte und Regionen tatsächlich in ökonomischen Nutzen verwandeln ließen, berichtet von finanziellen Desastern und von zunehmenden Bedenken breiter Bevölkerungsteile gegen super-teure Großveranstaltungen.

Als München 2011 mit seiner Bewerbung für 2018 gegen Pyeongchang scheiterte, wollte man für 2022 erneut einreichen. Nach einer negativ ausgegangenen Volksabstimmung musste man die angelaufene Bewerbungsprozedur jedoch wieder abbrechen. Auch Barcelona, Krakau, Lwiw, Graubünden, Oslo und Stockholm zogen einer nach dem anderen zurück. Die Olympischen Winterspiele 2022 werden nun in der Wintersportmetropole Peking stattfinden.

Service: Klaus Zeyringer: "Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte von 1896 bis heute. Winter", S. Fischer Wissenschaft, 448 Seiten, 25,70 Euro

Von Wolfgang Huber-Lang/APA

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