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Russen und Österreicher verfassten gemeinsam Geschichtsbuch

28.05.2018

Die russisch-österreichische Historikerkommission hat kürzlich ihr Buch "Österreich - Russland. Stationen gemeinsamer Geschichte" vorgestellt. Stefan Karner, Vorsitzender der Kommission und Herausgeber des Bandes, berichtete am russischen Kulturinstitut in Wien, dass die gemeinsame Arbeit nicht immer einfach gewesen sei.

Laut Karner, der 1991 als erster westlicher Forscher Zugang zu den bis dahin geheimen Archiven der früheren sowjetischen Geheimdienste NKWD bzw. KGB erhielt, war die Herausgabe des Bandes im Jahr 2014 als "Lehrbehelf" angeregt worden. An dem 228-seitigen Buch seien 26 Autoren beteiligt gewesen, jedes der elf Kapitel sei von russischen und österreichischen Autoren gemeinsam verfasst worden. "Ohne Kompromisse ging es nicht", sagte Karner und verwies damit auf die unterschiedliche Geschichtsrezeption der beiden Staaten. Es habe viele Diskussionen gegeben, bei denen teils über "Beistriche" debattiert worden sei.

Das Buch, das die russisch-österreichische Geschichte seit dem 16. Jahrhundert beleuchte, erscheine auch in russischer Sprache. "Der Umschlag ist anders, der Inhalt derselbe", sagte Karner. Besonders bei der Übersetzung des Bandes ins Russische sei es schwierig gewesen, einen Konsens mit den russischen Kollegen zu finden.

"Meilenstein der Zusammenarbeit"

Die 2008 gegründete russisch-österreichische Historikerkommission habe die Aufgabe, die "Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten". Karner betonte, dass man, selbst wenn die "Sichtweisen nicht immer deckungsgleich" gewesen seien, sowohl "wissenschaftlich" als auch "menschlich" gut zueinander gefunden habe. Der Vertreter des russischen Kulturinstitutes, Jurij Saitschew, nannte das Buch ein "schönes Geschenk" zum zehnjährigen Bestehen der Historikerkommission.

Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des von Karner 1993 gegründeten Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, nannte das Buch einen "Meilenstein der Zusammenarbeit". Denise Quistorp-Rejc vom Außenministerium sprach von einem "erfreulichen und bedeutenden" Anlass. Die Wissenschaft sei in allen Belangen auch für die Außenpolitik und die Diplomatie wichtig, denn diese brauchten "wissenschaftlichen Input und Verständnis". Das Buch, das sie als "Geschichtsbuch für die Zukunft" bezeichnete, stelle darum einen "substanziellen und fundierten Beitrag" dar.

Service: Stefan Karner: "Österreich - Russland. Stationen gemeinsamer Geschichte", Leykam Buchverlag, 228 Seiten, 29,90 Euro

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