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Großes Meteoriten-Bombardement endete 700 Millionen Jahre früher als vermutet © APA (dpa/ESA)
Großes Meteoriten-Bombardement endete 700 Millionen Jahre früher als vermutet © APA (dpa/ESA)

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Leben auf dem Mars hätte schon früher entstehen können

24.06.2019

Der Rote Planet könnte neuen Erkenntnissen zufolge länger lebensfreundlichere Bedingungen geboten haben. Ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung zeigte nun im Fachjournal "Nature Geoscience", dass das Bombardement des Mars mit großen Meteoriten offenbar vor rund 4,5 Milliarden Jahren endete. Das wären rund 700 Millionen Jahre früher als vermutet.

Für die Planetenbildung sind massive Einschläge großer Körper aus dem All unumgänglich, damit es aber auf einem Himmelskörper irgendwann einigermaßen lebensfreundlich werden kann, muss das kosmische Bombardement abnehmen. In bisherigen Annahmen gingen Forscher davon aus, dass es sowohl auf der Erde als auch auf dem Mars vor rund 3,8 Milliarden Jahren etwas ruhiger wurde und die späte Phase der häufigen Einschläge (Impakte) ausklang.

Ein internationales Forschungsteam um Desmond Moser von der University of Western Ontario (Kanada) nahm nun im Rahmen der neuen Studie, an der mit Julia Walter-Roszjar vom Naturhistorischen Museum (NHM) Wien auch eine Wissenschafterin aus Österreich beteiligt war, Fragmente von Meteoriten, die vom Roten Planeten stammen, genau unter die Lupe. Diese "ganz besondere Gruppe von Marsmeteoriten" schlug im Jahr 2012 in Marokko auf. Die Gesteinsbrocken entpuppten sich in ersten Analysen als die bisher einzigen, die höchstwahrscheinlich von der Regolit-Oberfläche der südlichen Halbkugel des Mars stammen, wie Walter-Roszjar im Gespräch mit der APA erklärte. Alle anderen Marsmeteoriten - von bisher insgesamt rund 69.000 dokumentierten auf die Erde gefallenen Himmelskörper stammen nur rund 235 vom Mars - sind magmatischen Ursprungs.

Zusammensetzung von Zirkonen und Baddeleyiten untersucht

Die Wissenschafter untersuchten die einzigartigen Funde in mehreren Laboratorien auf ihre Zusammensetzung. Am NHM machte sich Walter-Roszjar in der Leihgabe des Naturkundemuseums Bern an die Analyse kleiner Mineral-Körner - nämlich rund 100 Zirkone und ungefähr 60 Baddeleyiten. "Die sind besonders robust und lassen die Rekonstruktion der Druck- und Temperaturbedingungen zur Zeit ihrer Bildung am besten zu", sagte die Wissenschafterin.

Dabei zeigte sich, "dass die Körner erstaunlich ursprünglich geblieben sind". Anhand ihrer Mikrostruktur und der Umgebung im Gestein sei davon auszugehen, dass sie seit rund 4,5 Milliarden Jahren wenig Veränderung erfuhren. "Das ist sehr besonders, da so alte Zirkone, die von der Erde oder dem Mond bekannt sind, alle 'hoch geschockt' sind", also durch Impakte noch verändert wurden, so Walter-Roszjar.

Dem Befund nach, scheint also der Mars von jenem späten Meteorit-Bombardement, das Erde und Mond zwischen rund vier und dreieinhalb Milliarden Jahren stark getroffen hat, weitgehend verschont gewesen zu sein. Das könnte wiederum bedeuten, dass das Fenster für die Entwicklung von Mikroorganismen am Mars deutlich früher aufging als vermutet: Druck und Temperatur könnten demnach bereits vor rund 4,2 Milliarden Jahren, als der Mars warm und feucht war, prinzipiell lebensfreundliche Bedingungen erlaubt haben, schreiben die Forscher in der Arbeit.

Erde war rund eine halbe Milliarden Jahre später dran

"Das heißt, das Leben auf dem Mars hätte eventuell schon früher gezündet werden können und dann in etwa 700 Millionen Jahre ausharren können, bis dann der Mars lebensfeindlich geworden ist", sagte Walter-Roszjar. Die Erde wiederum bot solche Bedingungen aufgrund des Bombardements erst rund eine halbe Milliarden Jahre später, wurde dann aber - gegenläufig zum Roten Planeten - immer lebensfreundlicher.

Das mögliche Ausbleiben verheerender Impakte am Mars könnte u.a. darin begründet sein, dass er damals womöglich noch weiter vom stark betroffenen inneren Sonnensystem entfernt um die Sonne kreiste. Derart große Interpretationen aufgrund nur so weniger Proben vorzunehmen, sei jedoch schwierig - für weitere Untersuchungen fehle das benötigte Material, das zwar vom Himmel fällt, aber eben nur unglaublich selten, so Walter-Roszjar.

Service: https://doi.org/10.1038/s41561-019-0380-0

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