Natur & Technik

APA

Nationalrat: Mit ÖVP/FPÖ-Stimmen gegen Sexualkunde-Vereine

11.07.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 26/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Der Nationalrat hat mit den Stimmen von ÖVP und FPÖ an die Unterrichtsministerin plädiert, externe Vereine ganz aus dem Sexualkundeunterricht zu verbannen. Ein SPÖ-Antrag, externe Anbieter und Beratungsstellen eingehend zu prüfen und zu akkreditieren, bevor sie zum sexualpädagogischen Schulunterricht zugelassen werden, scheiterte hingegen.

Die Kritik von SPÖ und NEOS an diesem "Quatsch" (SPÖ-Mandatar Philip Kucher) und auch der Hinweis auf das Plädoyer aus den Ländern, den externen Sexualkundeunterricht aufrechtzuerhalten, änderte nichts daran, auch ein Rückverweisungsantrag an den Ausschuss blieb in der Minderheit. JETZT-Mandatarin Stephanie Cox versuchte es sogar mit einem Aufklärungsquiz samt Klitoris-Schautafel, konnte ÖVP und FPÖ aber nicht zu einer Meinungsänderung bewegen.

TeenSTAR-Turbulenzen

Anlass für den Beschluss sind die Turbulenzen um den christlichen Verein TeenSTAR. Ende vergangenen Jahres waren von diesem Schulungsmaterialien öffentlich geworden, in denen u.a. Homosexualität als heilbares Identitätsproblem und Selbstbefriedigung als schädlich dargestellt wurden. Weiters wurden kein Sex vor der Ehe und natürliche Empfängnisverhütung propagiert. Nach längerer Diskussion empfahl der damalige Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) den Schulen deshalb, nicht mehr mit TeenSTAR zusammenzuarbeiten. Außerdem sollten sich sexualpädagogische Vereine ab 2020/21 für den Einsatz an Schulen akkreditieren müssen.

ÖVP und FPÖ zielen in ihrem (unverbindlichen) Entschließungsantrag jetzt noch viel weiter: "Eine eingehende Prüfung der Sachlage zeigt, dass die vom Staat vorgegebene Neutralität ('Indoktrinationsverbot') in diesem Unterrichtssegment oft nicht gewährleistet ist", heißt es. "Ein staatlicher Sexualkundeunterricht muss in sachlicher, kritischer und pluralistischer Weise erfolgen." Daher soll dieser "ohne Beiziehung von schulfremden Personen oder Vereinen, sondern durch an der Schule wirkenden Pädagoginnen und Pädagogen sichergestellt" werden, appelliert man ans Bildungsministerium.

Mehr zum Thema:
Sexualpädagogik: Bildungsdirektoren zu Vereinsverbot eher skeptisch
Sexualpädagogik: Steirische Bildungslandesrätin warnt vor Rückschritt

STICHWÖRTER
Nationalrat  | Schule  | Sexualität  | Österreich  | Österreichweit  | Politik  | Politisches System  | Parlament  | Bildung  | Gesellschaft  | Werte  | Lehren und Lernen  | Lehrende  |
Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung