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Ein Wald im Stadion © APA (Walter Longauer/whl/wm/wax)
Ein Wald im Stadion © APA (Walter Longauer/whl/wm/wax)

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"For Forest": In einem Monat spielt der Wald im Wörthersee-Stadion

05.08.2019

Wer in einem 30.000 Zuschauer fassenden Fußballstadion einen Wald pflanzen möchte, der geizt nicht mit Superlativen. Nichts anderes als "Österreichs größte Kunstinstallation" soll das Projekt "For Forest" werden, das am 8. September im Klagenfurter Wörthersee-Stadion eröffnet wird. Bis 27. Oktober steht dann ein Mischwald aus 299 rund 14 Metern hohen Bäumen auf dem Spielfeld.

Umgesetzt wird das Projekt von dem Schweizer Klaus Littmann, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Zeichnung "Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur" des österreichischen Künstlers Max Peintner umzusetzen. Auf dieser Zeichnung ist ein ausverkauftes Stadion zu sehen, dessen Besucher einen Wald am Spielfeld bewundern. Nach langer Suche nach einem geeigneten Stadion wurde Littmann in Klagenfurt fündig. Denn während ähnlich große Fußballstadien quer durch Europa durchwegs durch den Spielplan von Spitzenklubs belegt sind, ist die Heimmannschaft des für die Europameisterschaft 2008 errichteten Stadions der Zweitligist SK Austria Klagenfurt - mit durchschnittlichen Zuschauerzahlen im dreistelligen Bereich.

Bühne für die Bäume

Jahrelang wurde getüftelt - denn Littmann hatte die Parole ausgegeben: "Ich bin zufrieden, wenn man nicht den Eindruck hat, dass ein Wald in einem Stadion steht, sondern dass ein Stadion um ein Stück Wald herumgebaut wurde." Landschaftsarchitekt Enzo Enea wurde gewonnen, um genau für diesen Effekt zu sorgen. Bei den Bäumen handelt es sich um die verschiedensten europäischen Laub- und Nadelbäume. Das Projekt kann im Ausstellungszeitraum täglich bei freiem Eintritt besichtigt werden - allerdings nur von den Zuschauerrängen aus, Waldspaziergang wird man keinen machen können.

Ziel von "For Forest" ist es laut Littmann, die "Wahrnehmung der Natur" herauszufordern und den Blick "auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung" zu schärfen. Und das Projekt lässt sich durchaus auch als Mahnmal im Bezug auf den Klimawandel verstehen - dass wir die Natur, die für uns so selbstverständlich ist, vielleicht bald nur mehr in "speziell zugewiesenen Gefäßen" bewundern können, wie heute zum Beispiel Tiere im Zoo.

Kritik am Projekt

Finanziert wird das Projekt - so betonte der Initiator - ohne Steuergeld, sondern lediglich durch die Beiträge von Mäzenen, durch Sachspenden und Sponsorbeiträge. Trotzdem hält sich hartnäckige Kritik an dem Projekt, die sich im Laufe der Zeit auch gewandelt hat. War es anfangs die Befürchtung, die schweren Bäume könnten die Rasenheizung ruinieren, so schwang immer wieder die Befürchtung mit, es könnte doch öffentliches Geld für "For Forest" verwendet werden. Neue Nahrung erhielt die Kritik, als klar wurde, dass es in Kärnten keine speziell verschulten, rund 30 Jahre alten Bäume für das Projekt gibt und sie aus Italien, Norddeutschland und Belgien nach Kärnten gebracht werden mussten.

Die Debatte eskalierte mit der guten Leistung des Lavanttaler Bundesligaklubs WAC in der abgelaufenen Saison, die den Einzug in die Europa League bedeutet hatte. Da man daheim in Wolfsberg kein für die europäische Ebene taugliches Stadion hat, wäre man gerne nach Klagenfurt ausgewichen - aber hier wachsen zum Zeitpunkt der Gruppenspiele im Herbst die Bäume in den Himmel. Der WAC bestreitet die internationalen Spiele deshalb in Graz.

Doch nicht nur Fußballfans machten ihrem Ärger zu dieser Zeit Luft. Seit der ersten Präsentation des Projekts schießt vor allem die FPÖ scharf gegen "For Forest", Littmann und die Klagenfurter Stadtregierung. Seit Jahresbeginn schickte die FPÖ nicht weniger als 28 Aussendungen zum Thema aus, auf Facebook gab es unzählige kritische Postings. Wer sich - vor allem im FPÖ-Umfeld - auf Facebook auf die Suche nach Kommentaren zu "For Forest" macht, stößt nicht wirklich auf eine kunstfreundliche Stimmung. Von Vorschlägen "den Schweizer" zu verjagen über Aufrufe, Demonstrationen zu organisieren, bis hin zu Leuten, die den Stadionwald am liebsten zusammengehäckselt sähen, reicht die Bandbreite.

Wie groß Ablehnung und Zustimmung zum Projekt sind, lässt sich aufgrund der ausgeprägten Filterblasenbildungen bei diesem Thema schwer sagen. Wo sich die Ablehnung eventuell in Zahlen gießen lässt, ist eine Unterschriftensammlung auf openpetition, die fordert, dass der WAC doch anstatt "For Forest" im Wörthersee-Stadion spielen soll. Von Anfang Juni bis Anfang August unterschrieben knapp 3.700 Personen. Das Stadion wäre mit ihnen zu etwas mehr als zehn Prozent voll.

Seltener Mischwald

16 verschiedene Baumarten listet das Team um Landschaftsarchitekt Enzo Enea auf. Zahlenmäßig am stärksten vertreten ist die Birke, gefolgt von Zitterpappel, Lärche und Stieleiche, dargestellt werden soll nämlich ein Mischwald, wie er in freier Natur nur mehr selten zu finden ist. Die Wurzelballen sind eingepackt, die Bäume werden bewässert, gehegt und gepflegt. Mit Spanngurten sind die Bäume am Boden fixiert. Doch noch in dieser Woche geht es an den neuen Standort: Dann übersiedeln sie ins Wörthersee-Stadion.

Die Arbeiten laufen seit Ende des Andrea Berg-Konzertes am vergangenen Wochenende: Zuerst werden Lastenverteilungsplatten am Rasen verlegt, dann werden die Bäume nach einem genauen Plan ins Stadion "gepflanzt", rundherum wird ein Waldboden modelliert. Wobei der Boden etwas ist, das den Machern Kopfzerbrechen bereitet: "Momentan ist es so trocken, dass kein Rasen geschält, also geerntet, werden kann", sagte Klaus Littmann im Gespräch mit der APA. Was für das Projekt aber kein Hindernis sein sollte: "Ich habe schon gesagt, wir werden dann das abbilden, was Realität ist."

Sensibilität für Klimathemen

Dieser Umstand ist auch gleichzeitig ein Verweis auf den Klimawandel, der in der Betrachtung des Projekts "For Forest" stark in den Vordergrund rückt: "Den kann man ja auch nicht verschieben und nicht schönen - auch wenn das von manchen Leuten noch immer versucht wird." Littmann merkt jedenfalls, dass die Sensibilität für Klimathemen steigt: "Vor allem bei jungen Menschen, die eine große Rolle spielen und den Verantwortlichen den Spiegel vorhalten."

Dass der Klimawandel ein großes Thema bei seinem Projekt ist, stört Littmann "überhaupt nicht", wie er sagt. Eine der Betrachtungsweisen sei ja die, dass ein gesunder Mischwald wie der im Stadion vielleicht einmal so selten ist wie Tiere, die man in einem Zoo bewundert. Andere Betrachtungsweisen dürfe man zwar nicht herauslassen: "Aber Kunst hat ja immer etwas mit Leben zu tun, da treten natürlich aktuellere Themen in den Vordergrund. Da geht es nicht einfach um ein paar Spinner, die zusammensitzen und sich etwas ausdenken."

Nach Ende der Installation soll der Wald erhalten bleiben, die Bäume sollen so, wie sie im Stadion gestanden sind, fix auf einem Grundstück eingepflanzt werden. Wo genau das sein wird, stand vorerst nicht fest, laut Littmann werde in den kommenden zwei Wochen eine Entscheidung fallen.

Ob "For Forest" ein Erfolg ist, hängt für Littmann übrigens nicht von den Besucherzahlen ab, wie er sagt: "Ein Erfolg ist es dann, wenn die Installation ein Bild ergibt, das um die Welt geht und in den Köpfen bleibt." Die Chancen dafür stehen zumindest im Vorfeld des Projektes nicht schlecht: In 38 Ländern wurde bereits über das Projekt berichtet. Und bisher haben sich allein für das Eröffnungswochenende rund um den 8. September mehr als 60 internationale Journalisten angemeldet.

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