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Genom durch Vermischung mit europäischen Wildschweinen verändert © APA (dpa)
Genom durch Vermischung mit europäischen Wildschweinen verändert © APA (dpa)

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Europas Hausschweine durchlebten vor Jahrtausenden genetischen Wandel

12.08.2019

Nachdem Schweine vermutlich vor rund 10.500 Jahren im Nahen Osten domestiziert wurden, gelangten sie mit einwandernden Bauern vor ungefähr 8.500 Jahren auch nach Europa. Dort verschwand das Erbgut, das sie aus dem Nahen Osten mitbrachten, aber schon rund 3.000 Jahre später fast vollständig, wie ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung aus Österreich im Fachblatt "PNAS" berichtet.

Dass sich die ersten Hausschweine einst mit jenen Menschen Richtung Europa auf den Weg machten, die auch den Ackerbau mitbrachten, war bereits bekannt. Genetische Analysen moderner europäischer Schweine zeigten allerdings, dass diese von europäischen Wildschweinen abstammen mussten. Anhand der DNA-Sequenzen von mehr als 2.000 Tieren aus längst vergangener Zeit und ihren heutigen Nachfahren zeichnete das Wissenschafterteam, dem auch Ron Pinhasi vom Department für Anthropologie der Universität Wien angehörte, nun die genetische Entwicklung der Nutztiere nach.

Dabei zeigte sich, dass die europäischen Hausschweine vor 7.100 und 6.000 Jahren noch viel Genmaterial von Vorfahren aus dem Nahen Osten und Europa aufwiesen. Bei den untersuchten Tieren, die nicht älter als 6.000 Jahre alt waren, fanden die Forscher allerdings nur noch maximal vier Prozent DNA, die sie einst aus Vorderasien mitbrachten.

Das zeige, dass Schweine nicht - wie manchmal vermutet - ein zweites Mal in Europa neu domestiziert wurden, sondern sich ihr Genom durch Vermischung mit europäischen Wildschweinen veränderte. Das fast komplette Verschwinden der ursprünglicheren Erbgut-Teile sei darauf zurückzuführen, dass Schweinehalter in den vergangenen 5.000 Jahren offenbar eher Tiere zur Zucht auswählten, bei denen die Merkmale europäischer Wildschweine vorherrschten, wie die Wissenschafter in der Arbeit schreiben.

Service: www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1901169116

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