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Schon zu Lebzeiten galt er als berühmtester Wissenschafter seiner Zeit © APA (dpa)
Schon zu Lebzeiten galt er als berühmtester Wissenschafter seiner Zeit © APA (dpa)

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Vor 250 Jahren wurde Alexander von Humboldt geboren

09.09.2019

Vor 250 Jahren, am 14. September 1769, wurde der deutsche Wissenschafter, Weltreisende, Geograf, Naturforscher, Schriftsteller und Humanist Alexander von Humboldt in Berlin geboren. Er und sein Bruder Wilhelm (1767-1835) haben auf ihren jeweiligen Gebieten Geschichte geschrieben. Alexander, nach Kolumbus der "zweite Entdecker Amerikas", hat als erster die Neue Welt wissenschaftlich erforscht.

Alexander von Humboldt galt als führender Tropenkenner des 19. Jhdts. Er war - durch seine wertvollen Informationen für den späteren Freiheitshelden Simon Bolivar - Wegbereiter für die Unabhängigkeit lateinamerikanischer Länder von Spanien, ferner beriet er US-Präsident Thomas Jefferson und Außenminister (und Jeffersons Nachfolger als US-Präsident) James Madison beim Aufbau des Staatswesens.

Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 auf Schloss Tegel bei Berlin geboren. Die reizvolle Umgebung des Schlosses, wo die Brüder ihre nicht allzu glückliche Kindheit und Jugend verbrachten, trug viel zur geistigen Entwicklung Alexanders bei und weckte sein Interesse an der Natur. Nach dem Unterricht durch Hauslehrer folgte die Studienzeit, zunächst in Frankfurt/Oder, dann in Göttingen. Alexander studierte dann noch kurz in Hamburg und an der sächsischen Bergakademie in Freiberg.

Umgang mit Naturforschern und Dichtern

Bedeutend für Alexanders wachsendes Interesse an der Naturforschung sollte sein Umgang mit dem Naturforscher Georg Forster (der James Cook auf seiner Weltreise begleitet hatte und Humboldts Reiselust ein für alle Mal wecken sollte), dem Geologen Abraham Gotthold Werner und dem Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenberg werden. Auch die Begegnungen mit Goethe und Schiller, der beide Brüder zur Mitarbeit an seiner Zeitschrift "Horen" einlud, sind nicht zu unterschätzen.

Erste Reisen führten Alexander an den Rhein, in die damals österreichischen Niederlande, das heutige Belgien, nach England und Frankreich. In Paris begeisterte den jungen Alexander der Freiheitsgedanke der Französischen Revolution, die ihn zu einem bedeutenden Humanisten und scharfen Kritiker des Kolonialsystems und der Sklavenwirtschaft in außereuropäischen Kolonien werden ließen. Immer standen auf diesen Reisen Naturbeobachtungen und naturkundliche Untersuchungen im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Zweimal (1792 und 1797) weilte Alexander in Wien, 1797 auch in Salzburg und den österreichischen Alpen.

Reisen durch die ganze Welt

Der Tod der Mutter 1796 verstärkte die Reiselust beider Brüder. Alexander plante eine große wissenschaftliche Reise, bei einem Aufenthalt in Paris 1797 hatte er den französischen Botaniker Aime Alexandre Goujaud-Bonpland kennengelernt, der bei der Reise in die Neue Welt sein Begleiter werden sollte.

Fünf Jahre und zwei Monate zwischen 1799 und 1804 waren beide Gelehrten in der Neuen Welt unterwegs - in den heutigen Staaten Venezuela, Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko, dann nochmals in Kuba. Über die USA ging es dann nach Europa zurück. Im Verlauf der Reise wurde der Lauf des Flusses Cassiquiare vom Orinoco zum Amazonas-Nebenfluss Rio Negro genau bestimmt, der (damals für den höchsten Berg der Welt gehaltene) 6.310 Meter hohe Chimborazo bis 400 Meter unter dem Gipfel bestiegen und immer wieder Vulkane und Bergwerke erforscht, sowie ein Profil von Mexiko angefertigt. Ununterbrochen und teilweise unter unglaublichen Strapazen wurden von beiden Reisenden wissenschaftliche und astronomische Beobachtungen und Messungen vorgenommen.

Begründer der Pflanzengeografie

Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde Alexander von Humboldt am 28. Oktober 1804 in Paris Napoleon vorgestellt, er war auch bei dessen Kaiserkrönung in Notre-Dame am 2. Dezember des gleichen Jahres anwesend. Fast 30 Jahre (1805-1834) arbeitete Humboldt, der nun meist in Paris lebte, an dem 36-bändigen Werk "Voyage aux regions equinoxiales du Nouveau Continent", dem größten privaten Reisewerk der Geschichte. Diesem opferte er alle Kraft und den Rest seines Vermögens und begründete die Pflanzengeografie und die moderne Landeskunde am Beispiel Mexikos. Seit 1805 war Humboldt auch ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Seine auf großes Interesse stoßenden Berliner Vorlesungen 1827/28 eröffneten eine neue Blütezeit der Naturwissenschaften in Deutschland.

1829 reiste er im Verlauf von achteinhalb Monaten über das Baltikum und Moskau in den Ural, erreichte über Westsibirien im Altai-Gebirge die chinesische Grenze und befuhr auf dem Rückweg auch das Kaspische Meer. Das Ergebnis dieser Reise waren die 1843 erschienenen drei Bücher über "Asie centrale. Recherche sur les chaines de montagnes et la climatologie".

Humboldts volkstümlichstes Buch wurden die "Ansichten der Natur" (zwei Bände 1808, 1826, auch neuere Ausgaben). Sein bekanntestes Werk ist der 1834 begonnene "Kosmos" (fünf Bände 1845-62), in dem er den Geist der deutschen Klassik und der modernen Naturforschung vereinte. Darin versteht sich Humboldt als ein Erfahrungswissenschafter, der die Gesetze der Natur entdecken will, welche unter der Decke der vielfältigen Erscheinungen verborgen liegen.

Geschwächt von einer Grippe

Ab 1842 lebte Humboldt in seiner Berliner Wohnung, Oranienburger Str. 67. Von einer Grippe im Oktober 1858 erholte er sich, blieb aber geschwächt. Ab 21. April 1859 konnte er das Bett nicht mehr verlassen. Der letzte Besucher war Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere deutsche Kaiser Wilhelm I., Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859. Fünf Tage später wurde er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der wissenschaftlichen Welt an der Seite seines 1835 verstorbenen Bruders Wilhelm und dessen Gemahlin Caroline in Tegel beigesetzt.

Als Mensch und Forschungsreisender genießt Alexander von Humboldt bis heute weltweites Ansehen. Von der Arktis bis zur Antarktis, von Kanada bis Neuseeland, von Innerasien bis nach Südamerika taucht sein Name auf - in der Topographie, aber auch Orte, Pflanzen, Tiere und Mineralien sind nach ihm benannt, sogar ein "Meer" und ein Krater auf dem Mond. Überdies sind ihm zahlreiche Denkmäler gewidmet.

Expedition der "Novara"

Humboldt hatte großen Einfluss auf ein Prestigeprojekt der Österreichisch-ungarischen Monarchie: die Expedition der "Novara", die vor 160 Jahren - im Todesjahr Humboldts - von ihrer Weltumsegelung zurückkehrte. Das Naturhistorische Museum Wien (NHM) veranstaltet anlässlich der Jahrestage am 11. September ein Symposium.

Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der größten Machtentfaltung Europas in anderen Kontinenten, war Österreich ein Land ohne Kolonien. Um sich dennoch als Großmacht zu präsentieren, startete sie die erste wissenschaftliche Mission der Kriegsmarine. Am 30. April 1857 stach die österreichische Fregatte "S.M. Novara" von Triest aus in See. Mehr als zwei Jahre später lief sie am 26. August 1859 wieder in Triest ein. In 551 Tagen hatte sie fast 52.000 Seemeilen zurückgelegt und über die Stationen Südamerika, Afrika, Indien, China und Australien den Erdball umrundet.

Humboldt beriet Expeditionsmitglieder

Im Vorfeld der Mission hatte der Oberkommandierende der Marine, Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, Kontakt zu Humboldt aufgenommen, um sich Tipps für die Expedition zu holen. In der Folge reisten zwei der wissenschaftlichen Expeditionsmitglieder, Carl von Scherzer und Ferdinand von Hochstetter, zu Humboldt, um sich beraten zu lassen, erklärte die Organisatorin des Symposiums und Leiterin des Archivs für Wissenschaftsgeschichte im NHM, Christa Riedl-Dorn, gegenüber der APA.

Drei Wochen bevor das Schiff zur Expedition aufbrach, sandte der damals schon 88-jährige Humboldt "Mit der innigsten Verehrung und den heißesten Wünschen für den Erfolg eines so schön vorbereiteten Unternehmens" seine Einschätzung zu den Gegebenheiten auf der Expedition und legte mehrseitige Instruktionen bei, die sich heute im Archiv des NHM befinden. Dabei zeigte sich Humboldt sehr an der Erforschung des Vulkanismus interessiert und wies dabei auf die Inselgruppe St. Paul und Amsterdam im südlichen Indischen Ozean hin.

Ergebnisse erreichten Humboldt nicht mehr

"Humboldt hatte angeregt, dieses Eiland wissenschaftlich genauer zu erforschen, speziell da 1792 auf der Expedition von Joseph Bruny d'Entrecasteaux die Insel Amsterdam zwei Tage lang in Feuer und Rauch gehüllt zu sehen war", so Riedl-Dorn. Nachdem die "Novara" St. Paul am 18. November 1857 erreichte, untersuchte der Geologe Hochstetter die Insel erstmals geologisch und fertigte eine genaue Karte an. Seine Ergebnisse sandte er an Humboldt, doch sie erreichten nie ihr Ziel, da das Postschiff unterging. Die höchste Erhebung der Insel St. Paul heißt übrigens bis heute Crete Novara.

In dem Brief, den Humboldt seinen wissenschaftlichen Instruktionen für die "Novara" beilegte, schrieb er, offensichtlich mit Vorahnung: "Da ich längst nicht mehr unter den Lebenden sein werde wenn die Fregatte Novara nach Triest mit wissenschaftlichen Schätzen, neuen Erkenntnissen über die todte und organische Natur, über Menschen Racen, über Sitten und Sprachen zurückkehrt, so flehe ich zu Gott dem Allmächtigen, daß sein Segen dies große edle Unternehmen zur Ehre des gemeinsamen Deutschen Vaterlandes begleite ..." Tatsächlich starb Humboldt am 6. Mai 1859, rund drei Monate vor der Rückkehr der "Novara".

Bei dem Symposium werden die Handschriften Humboldts an die "Novara" sowie Tiere, Pflanzen und Mineralien, die zu seinen Ehren benannt wurden, im Vortragssaal des NHM ausgestellt.

Service: Jubiläumstagung: "250 Jahre Humboldt - 160 Jahre Weltumsegelung 'Novara'", 11. September, 16.00 bis 21.00 Uhr, Naturhistorisches Museum Wien. Der Besuch des Symposiums ist frei, gültige Eintrittskarte erforderlich. Programm im Internet: http://go.apa.at/NmGO7eeO

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