Natur & Technik

Viele Menschen schätzen "Produkte mit besonderer Geschichte" © APA (dpa)
Viele Menschen schätzen "Produkte mit besonderer Geschichte" © APA (dpa)

APA

"Upcycling"-Trend - Geschichte hinter Produkt steigert dessen Absatz

17.09.2019

Der Ansatz, aus alten Materialien oder Müll neue wertvolle Produkte zu machen, nennt sich "Upcycling". Forscher der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien zeigten im Rahmen einer Studie im Fachblatt "Journal of Marketing", dass sich solche Produkte deutlich besser verkaufen, wenn auf ihre Vorgeschichte hingewiesen wird. Ein Hinweis auf den Umweltschutzaspekt bringt dagegen weniger.

Im Marketing wird das "Storytelling" - sprich "Geschichtenerzählen" - bereits seit geraumer Zeit extensiv betrieben, wenn es etwa um die Bewerbung von Marken geht, wie es in einer Aussendung der WU heißt. Das Forschungsteam um Bernadette Kamleitner vom Institut für Marketing und Konsumentenforschung stellte sich die Frage, wie der Ansatz bei Produkten mit Vorgeschichte als andere Produkte wirkt. "Wiederverwertung bedeutet, dass zum Beispiel alte Fallschirme zu Taschen, Plastikflaschen zu Yoga-Hosen oder alte Kaffeesäcke zu Hüten werden", so die Studienleiterin.

Erwähnung der Historie erhöht Nachfrage

In einer Vielzahl an Untersuchungen, Feldversuchen, Experimenten und Replikationsstudien gingen die Forscher den Auswirkungen des Bewusstmachens der nicht immer attraktiven Herkunft der Rohstoffe für die Re- oder Upcycling-Produkte nach. Das zentrale Ergebnis war, dass die Erwähnung der Historie die Nachfrage bei einer Vielzahl an untersuchten Produkte mitunter deutlich erhöhte.

Als Grund dafür identifizierte das Team, dass viele Menschen "Produkte mit besonderer Geschichte" schätzen, "weil sie sich dann auch selbst besonders fühlen können. Dabei ist es gar nicht notwendig, hier mit intensivem Marketing auf die biografische Geschichte eines Produktes hinzuweisen. Unsere Studien zeigen, dass selbst ein Bild der alten Identität, sogar ein Bild von Plastikmüll, den entscheidenden Hinweis geben kann", so Kamleitner.

War den Produkten ihr Vorleben schon von Grund auf anzusehen, brachte ein erneuter Hinweis hingegen weniger. Auch das Hervorheben des Arguments, dass man mit dem Kauf eines solchen Produktes mitunter auch Umweltschutz betreibt, hatte kaum einen Effekt auf dessen Absatz. "Immer war es die Besonderheit der Produkte durch deren Geschichte, die die Nachfrage erhöhte", so die Studien-Koautorin Carina Thürridl. "Unsere Studienergebnisse liefern detaillierte Anleitungen für den immer wichtiger werdenden Markt für Upcycling- und Recyclingprodukte und sie zeigen, dass Geschichten und ein Hinweis auf das Besondere schaffen, was Umweltargumente oft nicht schaffen", sagte Kamleitner.

Service: https://doi.org/10.1177/0022242919872156

Weitere Meldungen aus Natur & Technik
APA
Partnermeldung