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Therapie mit Insulin ist nicht ohne Risiken © APA (dpa)
Therapie mit Insulin ist nicht ohne Risiken © APA (dpa)

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Schweizer Forscher stellten neuen Therapieansatz bei Diabetes vor

16.10.2019

Die Insulintherapie ist das Mittel der Wahl bei Diabetes, birgt aber Risiken und Nebenwirkungen. Schweizer Forscher der Uni Genf haben durch Versuche mit Mäusen ein Molekül identifiziert, das den Weg zu einer neuen Kombitherapie ebnen soll. Sie beruht auf niedrig dosiertem Insulin und dem Protein S100A9, um so die Blutzuckerregulation zu verbessern und Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren.

Wer an Diabetes Typ 1 oder einer schweren Form des "Alterszuckers" Typ 2 leidet, hat die Insulin-Spritze als ständigen Begleiter. Die Therapie ist jedoch nicht ohne Risiken: Überdosis kann zu gefährlicher Unterzuckerung, eine zu geringe Dosis zu schädlicher Hyperglykämie führen. Ohne ausreichenden Zuckervorrat baut die Leber Fette ab und produziert dabei Stoffwechselprodukte namens Ketone, die in großer Menge schädlich werden können. Zudem erhöht die Langzeittherapie das Risiko für Herzkreislauferkrankungen, weil Fett- und Cholesterolgehalt im Blut steigen.

Forscher um Roberto Coppari von der Universität Genf fokussieren daher bereits seit fast zehn Jahren auf ein anderes Hormon, das ebenfalls Blutzucker und Blutfettgehalt regulieren könnte. Dieses Hormon namens "Leptin" spielt eine Rolle bei der Regulierung des Hungergefühls, ist aber als Therapeutikum schwierig einzusetzen, wie die Universität in einer Mitteilung festhielt. Damit behandelte Personen entwickeln eine Leptin-Resistenz.

Hochdosiertes Protein S100A9 verbessert Blutzuckerregulation

Deshalb untersuchten die Genfer Forschenden, welche Mechanismen durch Leptin angestoßen werden, um neue Möglichkeiten der Blutzuckerregulation aufzutun. Fündig wurden sie bei Untersuchungen mit Mäusen, die selbst kein Insulin produzieren konnten und mit Leptin behandelt wurden. Bei ihnen fand sich eine große Menge eines Proteins namens S100A9 im Blut.

Auf den ersten Blick kein besonders vielversprechender Kandidat. Zusammen mit seinem Partnerprotein S100A8 bildet S100A9 einen Komplex namens Calprotectin, der Symptome von Entzündungs- oder Autoimmunerkrankungen auslöst. Die Versuche mit Mäusen zeigten jedoch, dass große Mengen des S100A9 dieses Problem beheben: Das Überangebot dieses Proteins scheint die Bildung des schädlichen Calprotectin zu unterdrücken, wie die Wissenschafter im Fachblatt "Nature Communications" berichten.

Hochdosiertes S100A9 verbesserte zudem die Blutzuckerregulation der Insulin-losen Mäuse, sowie eine bessere Regulation von Blutfetten und Stoffwechselprodukten, die unter Insulin-Dauertherapie problematisch werden können.

Derzeit seien klinische Abklärungen im Gange, ob sich dieser Therapieansatz auch auf menschliche Patienten übertragen lässt, schrieb die Uni Genf. Darauf deuten auch Ergebnisse aus früheren Studien hin, die einen Zusammenhang zwischen erhöhten S100A9-Mengen im Blut und einem geringeren Diabetesrisiko festgestellt hätten, erklärte Coppari gemäss der Mitteilung.

Service: Fachartikelnummer - DOI: 10.1038/s41467-019-11498-x

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