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Kompetenzzentrum "Virtual Vehicle" holt neue Anteilseigner an Bord

17.10.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 37/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Das Grazer Kompetenzzentrum "Virtual Vehicle" will mit modernsten Modellierungs- und Simulationsmethoden die Fahrzeugentwicklung zeitlich beschleunigen und wirtschaftlicher machen. Mit dem Halbleiter-Konzern Infineon und dem Stahlkonzern voestalpine verbreitert das COMET-finanzierte Forschungszentrum seine industrielle Trägerschaft mit zwei globalen Playern, hieß es kürzlich vor Medien.

Das am Campus Inffeld der TU-Graz angesiedelte "Virtual Vehicle" konzentriert sich seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten auf die Virtualisierung der Fahrzeugentwicklung. In den vergangenen 15 Jahren ist es von anfänglich rund 30 auf aktuell beinahe 300 Mitarbeiter angewachsen und hat zuletzt rund vier Millionen EU-Fördermittel eingeworben, berichtete Aufsichtsratvorsitzender und TU-Rektor Harald Krainz.

Neben der TU Graz zählen AVL List, Magna, Siemens und Joanneum Research zu den Gesellschaftern. Die Eigentümerebene wird nunmehr durch eine jeweils achtprozentige Beteiligung von Infineon und voestalpine ausgeweitet. "Wir gewinnen heute zwei ganz starke Partner, die national und international ganz hohes Ansehen genießen. Dadurch wird die Sichtbarkeit noch stärker zunehmen", zeigte sich Kainz im Pressegespräch in Graz überzeugt.

Internationales Forschungsnetzwerk verstärkt

Mit Infineon und voestalpine als neue, in Österreich verankerte Anteilseigner verstärke "Virtual Vehicle" das internationale Forschungsnetzwerk und vertiefe die gemeinsame Expertise, führte Geschäftsführer Jost Bernasch aus. "Infineon spielt eine führende Rolle in den Bereichen Sensorik und innovative Rechenplattformen für automatisiert und autonom fahrende Fahrzeuge. voestalpine Railway Systems ist Marktführer im Bereich Systemlösungen für Bahninfrastruktur, mit einem einzigartigen Know-how in den Bereichen Material- und Prozessforschung", stellte Bernasch die beiden neuen Anteilseigentümer vor.

Gemeinsam wolle man Lösungen "für eine global zusammenwachsende Fahrzeug- und Digitalindustrie" erarbeiten. Die neuen Anteile gliedern sich in TU Graz (34 Prozent), AVL und Magna (jeweils 16 Prozent), Siemens (10 Prozent), sowie Infineon, voestalpine und Joanneum Research mit jeweils acht Prozent.

Der Technologiekonzern Infineon blickt auf eine lange Zusammenarbeit in Projekten mit "Virtual Vehicle" zurück. Stefan Rohringer, Leiter des Infineon-Entwicklungszentrums in Graz bezeichnete die Beteiligung als "wichtigen strategischen Schritt". Man arbeite intensiv an Mikroelektronik-Lösungen für die Mobilität der Zukunft: "Für Infineon sind Informationen auf der Ebene der Gesamtfahrzeug-Entwicklung daher ein enormer Mehrwert, den wir gemeinsam mit 'Virtual Vehicle' generieren wollen", hielt Rohringer fest. In Graz befindet sich mit aktuell an die 430 Mitarbeitern eines der größten Infineon-Entwicklungszentren.

Die voestalpine Railway Systems gilt nach eigenen Angaben als weltweiter Marktführer bei kompletten Bahninfrastruktursystemen samt "Premiumschienen", Weichensystemen und Signaltechnik. "Die Kombination aus bestehendem Bahn-Know-How mit modernen Methoden der Simulation sehen wir als Basis dafür, unsere Position in diesem anspruchsvollen Markt weiter zu stärken", betonte Günter Neureiter, Vorstandsmitglied der Metal Engineering Division des voestalpine-Konzerns. Man freue sich, über die Beteiligung am Forschungszentrum "die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Weiterentwicklung des Bahnfahrwegs nutzen zu können", führte Neureiter weiter aus.

"Virtual Vehicle" ist das größte COMET-finanzierte Forschungszentrum Österreichs. Andreas Wildberger von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG sah darin ein "besonders erfolgreiches Beispiel für ein COMET-Forschungszentrum" und hob die hohe Hebelwirkung der hier eingesetzten Fördermittel von eins zu fünf hervor. Unter allen österreichischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen landete das Zentrum mit einer knapp 70.000 Euro pro Mitarbeiter eingeworbenen europäischen F&E-Förderung aus Horizon2020 auf Platz eins, fügte Bernasch hinzu. Die Betriebsleistung lag laut eigenen Angaben zuletzt bei 22 Mio. Euro.

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