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Bildhauer, Maler und ehemaliger Angewandte-Rektor starb im Alter von 88 Jahren © APA
Bildhauer, Maler und ehemaliger Angewandte-Rektor starb im Alter von 88 Jahren © APA

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"Erbe lebendig halten": Große Trauer um Oswald Oberhuber

17.01.2020

Große Trauer von der Politik über Museen bis hin zur Universität für angewandte Kunst herrschte am Freitag nach dem Tod Oswald Oberhubers. Der Bildhauer, Maler, Kunsttheoretiker, Professor, Rektor, Poet, Galerieleiter und Ausstellungsmacher starb in der Nacht auf Freitag im Alter von 88 Jahren in Wien. Ö1 widmet dem Verstorbenen am morgigen Samstag um 9.05 Uhr in memoriam die "Hörbilder".

"Oswald Oberhubers Werk steht für permanente Veränderung, für ein stetes Wandeln künstlerischer Ausdrucksformen", so die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) am Freitag. Oberhuber habe "mit seinem einzigartigen Einfallsreichtum und seinem Schaffensdrang" die österreichische Kunst nach 1945 nachhaltig geprägt. Das Belvedere, in dessen Sammlung sich 74 Werke des Künstlers befinden und das dem Künstler zahlreiche Ausstellungen gewidmet hat, zeigte sich ebenfalls bestürzt. Viele davon seien persönliche Schenkungen des Künstlers. "Sie ermöglichen uns, das reichhaltige Erbe von Oswald Oberhuber lebendig zu halten und an viele Menschen weiterzugeben", so Generaldirektorin Stella Rollig. "In seiner Arbeit war er selbst immer am Puls der Zeit und wandelte die internationalen Tendenzen auf eine spielerisch persönliche Art und Weise um", so mumok-Direktorin Karola Kraus in ihrer Würdigung.

"Mit Bestürzung und tiefer Trauer" erfuhr auch die Universität für angewandte Kunst vom Tod ihres ehemaligen Rektors. "Gleichzeitig erfüllt uns sein Wirken, insbesondere an unserer Universität, stets mit großer Dankbarkeit. Ohne Ossi Oberhuber wäre die Angewandte nicht das, was sie heute ist", so Rektor Gerald Bast. Oberhuber leitete die damalige Hochschule für angewandte Kunst Wien von 1979 bis 1987 und von 1991 bis 1995. Er sei auch ein großer Mäzen der Universität gewesen: Er schenkte der Angewandten rund 1.200 Werke aus allen Bereichen der bildenden und angewandten Kunst, was im Herbst 2015 mit der Ausstellung "schenkt Oberhuber. Oberhuber schenkt" in der Universitätsgalerie im Heiligenkreuzerhof gewürdigt wurde.

"Tief betroffen" zeigte sich auch das MAK - Museum für Angewandte Kunst: "Mit ihm verlieren wir eine der vielseitigsten Künstlerpersönlichkeiten Österreichs der letzten Jahrzehnte. Oswald Oberhuber hat ein universelles Lebenswerk hinterlassen", so Christoph Thun-Hohenstein, Generaldirektor des MAK, in dem in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Ausstellungen des Künstlers zu sehen waren.

Radikaler Kunstbegriff

"Ein großer Künstler, ein kritischer Geist, ein bewunderter Lehrer" war Oberhuber auch für Bundespräsident Alexander Van der Bellen: "Österreich verliert mit Oswald Oberhuber einen außergewöhnlichen und wertvollen Künstler und Menschen." "Seine Stimme war nie parteipolitisch, sondern im Sinne der Demokratie und der künstlerischen Freiheit maßgeblich", so Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne). "Sein radikaler Kunstbegriff und der generalistische, internationale Ansatz seiner Arbeit machten Oberhuber zu einem wichtigen Künstler der Nachkriegszeit", zollte auch SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda dem Verstorbenen seinen Respekt. Eva Blimlinger, einstige Mitarbeiterin von Oberhuber an der Hochschule für angewandte Kunst und jetzige Vorsitzende des Kulturausschusses im Nationalrat, beschied indes: "Sein verschmitztes Lachen, seine Großzügigkeit, sein Kunstverständnis werden schmerzlich fehlen." NEOS-Kultursprecher Sepp Schellhorn zeigte sich persönlich betroffen: "Er war Sprachrohr der bildenden zeitgenössischen Kunst. Er hat mich auf den Weg zur zeitgenössischen Kunst gebracht."

Geboren am 1. Februar 1931 in Meran, wurde Oberhubers Familie 1940 im Zuge des Abkommens zwischen dem faschistischen Italien und NS-Deutschland nach Nordtirol ausgesiedelt. Von 1945 bis 1949 besuchte Oberhuber an der Gewerbeschule in Innsbruck die Abteilung Bildhauerei. 1950 lernte er bei Fritz Wotruba an der Meisterschule für Bildhauerei und an der Staatlichen Akademie in Stuttgart bei Willi Baumeister. Seit 1949 beschäftigte er sich mit informeller Malerei, kreierte die informelle Plastik und schuf "Gerümpelplastiken". 1954 wandte sich Oberhuber der gegenständlichen Malerei zu. Anfang der 60er-Jahre entstanden monumentale Selbstporträts und die Zeichenserie "Ich als Kind". Schrift- und Zeichenbilder ziehen sich durch sein gesamtes Oeuvre. In diese Zeit fällt auch sein legendäres Manifest "Permanente Veränderung in der Kunst" (1956), das die Ablehnung jeglicher Stilbildung postulierte.

1972 war Oberhuber gemeinsam mit Hans Hollein dann offizieller Vertreter Österreichs bei der Biennale von Venedig, 1977 und 1983 Teilnehmer an der documenta. Oberhuber war künstlerischer Berater der von Otto Mauer gegründeten Galerie nächst St. Stephan und wurde 1973 schließlich selbst künstlerischer Leiter. An der Hochschule für angewandte Kunst sorgte er für eine Serie bemerkenswerter Ausstellungen sowie die Einrichtung der Dependance Heiligenkreuzerhof. 2004 erhielt Oberhuber das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.

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