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Ethik als Element der Gestaltung verstehen

22.01.2020

"Der Digitale Wandel ist die zentrale Entwicklung, die unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten massiv verändern wird", so Markus Hengstschläger, stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung. Wie dieser Wandel zum Wohle der Gesellschaft gestaltet werden könnte, war Thema der gestrigen Podiumsdiskussion zum Thema "Ethische Herausforderungen im Digitalen Zeitalter", die vom Forschungsrat veranstaltet wurde.

Das hochkarätig besetzte Podium diskutierte dabei die aktuell größten Herausforderungen, die sich aus der Digitalisierung von immer mehr Lebens- und Arbeitsbereichen für jeden Bürger und jede Bürgerin sowie für unsere Gesellschaft als Ganzes ergeben. Dabei betonte Sarah Spiekermann-Hoff, Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, eindringlich die Notwendigkeit, das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie groß tatsächlich die Umwälzungen sind, die der Digitale Wandel bereits angestoßen hat. Sie verglich diese mit der neolithischen Revolution, als vor rund 10.000 Jahren die Menschen sesshaft wurden und damit fundamental ihre Lebensweise änderten.

Daran anschließend appellierte die Juristin Christiane Wendehorst, den interdisziplinären Dialog zu verstärken, denn "reine Ethik-Zirkel werden nichts bewirken." Das dabei vor allem auch die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) gefordert seien, die sich bisher zu wenig in die Diskussion zur Gestaltung des Digitalen Wandels eingebracht hätten, fand die Zustimmung aller Podiumsgäste. Zudem bemängelte Wendehorst das Vollzugsdefizit, denn schon jetzt gäbe es durchaus Möglichkeiten, sich gegen manche Fehlentwicklungen zu wehren. "Doch dazu braucht es Mut, und davon haben wir derzeit zu wenig."

Wichtiges Thema in der Diskussion war naturgemäß die Frage der Daten bzw. wer in welcher Form darüber verfügen soll. Unter Hinweis auf den Umstand, dass Online-Plattformen unkontrolliert riesige Mengen an privaten Daten verkaufen, zeigte sich Erich Prem, Lektor an der TU Wien und Geschäftsführer von eutema, besonders skeptisch hinsichtlich unserer Einflussmöglichkeiten: "Es ist alles viel schlimmer, als uns bewusst ist." Gleichzeitig sieht aber auch er noch Chancen für die Gestaltbarkeit, denn "wir wissen ja, welche Werte uns als Gesellschaft wichtig sind, nur spielen diese bei der Technologiegestaltung derzeit keine Rolle".

In einem Punkt waren sich alle Podiumsgäste einig: "Wir müssen Technologien nach menschlichen Werten und Bedürfnissen formen, anstatt nur zuzulassen, dass Technologien Menschen formen", formulierte Hannes Werthner, Professor an der Fakultät für Informatik der TU Wien, das zentrale Anliegen der DiskutantInnen. Als Co-Initiator des "Wiener Manifests für einen Digitalen Humanismus" forderte er von Wissenschaft und Forschung, dass diese das komplexe Zusammenspiel von Technologie und Menschheit analysiert und in Richtung einer besseren Gesellschaft und eines besseren Lebens unter voller Achtung universeller Menschenrechte beeinflusst. Von der Politik wiederum verlangte er die Zerschlagung der Großkonzerne, die durch ihre Monopolstellung inzwischen nahezu unangreifbar geworden seien.

Einig waren sich die Podiumsgäste auch über die zentrale Rolle der Bildung, um die "Bewertungskompetenz" hochzuhalten bzw. zu verbessern, sowie über die Notwendigkeit von mehr Geld für die Grundlagenforschung. Darüber hinaus diskutierte das Podium über die Möglichkeit eines europäischen Internets.

Hintergrund

Der durch den Digitalen Wandel – Stichwort Big Data und Künstliche Intelligenz – ausgelöste rasante Fortschritt in vielen wissenschaftlich-technischen Bereichen bietet enorme Chancen für den österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovationsstandort. Gleichzeitig bedeutet er aber auch massive Herausforderungen für nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche und wirft eine Reihe von neuen gesellschaftspolitischen und ethischen Fragen auf, die unser bisher bekanntes Wertegerüst grundlegend in Frage stellen.

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat daher bereits im Rahmen des Europäischen Forums Alpbach im August 2019 einen Diskussionsprozess initiiert. Mit der Präsentation seiner Broschüre "Digitaler Wandel & Ethik" https://www.rat-fte.at/newsreader/digitaler-wandel-und-ethik.html wurde ein erster Überblick zum Thema entlang konkreter Fragestellungen zu den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Robotik, Bio- und Neurotechnologie sowie Gesundheit skizziert. Daran anknüpfend veranstaltet der FTE-Rat im ersten Quartal 2020 eine dreiteilige Veranstaltungsreihe in Wien, Graz und Linz (Informationen dazu unter http://www.rat-fte.at. Im Rahmen von Podiumsdiskussionen werden die gesellschaftlichen und ethischen Herausforderungen des Digitalen Zeitalters für Wissenschaft und Technik thematisiert.

Podiumsdiskussion vom 21.1.2020 in Wien, veranstaltet vom Rat für Forschung und Technologieentwicklung:

"Ethische Herausforderungen im Digitalen Zeitalter: Auftrag für einen Digitalen Humanismus in Forschung und Technologieentwicklung"

Einführende Worte und Moderation:

*   Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Stv. Vorsitzender des
FTE-Rates, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der
Medizinischen Universität Wien)

Das Podium:

*   DDr. Erich Prem (Geschäftsführer eutema GmbH; u.a. Univ. Lektor
an der Technischen Universität Wien; Technologie- und
Forschungsberater mit Schwerpunkt auf Erkenntnistheorie und
Technologiephilosophie)
*   Univ.-Prof.in Dr.in Sarah Spiekermann-Hoff (Vorständin des
Instituts für Informationssysteme und Gesellschaft an der
Wirtschaftsuniversität Wien)
*   Univ.-Prof.in Dr.in Christiane Wendehorst, LL.M. (Stv. Vorständin
des Instituts für Innovation und Digitalisierung im Recht an der
Universität Wien, Präsidentin des European Law Institute (ELI) und
Co-Sprecherin der Datenethikkommission der deutschen
Bundesregierung")
*   Univ.-Prof. Dr. Hannes Werthner (Professor der Fakultät für
Informatik an der Technischen Universität Wien und Co-Initiator des
"Wiener Manifests für einen Digitalen Humanismus")
Rückfragehinweis:
   Rat für Forschung und Technologieentwicklung
   DI Dr. Ludovit Garzik
   Geschäftsführer des Rates für Forschung und Technologieentwicklung
   +43 (0)1 713 1414
   l.garzik@rat-fte.at
   www.rat-fte.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/6216/aom

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