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China stoppte alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt Wuhan © APA (AFP)
China stoppte alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt Wuhan © APA (AFP)

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Coronavirus - Erinnerungen an verheerende SARS-Epidemie

23.01.2020

Im Zuge der neuen Lungenkrankheit in China fällt häufig der Verweis auf die verheerende SARS-Epidemie vor mehr als 15 Jahren. 2002/2003 hatte diese massive Folgen - gesundheitlich und wirtschaftlich. Ob sich das aktuelle Coronavirus als so dramatisch herausstellt, wie das SARS-Virus in den Jahren 2002/2003, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Zwar gehört der neue Erreger derselben Virusart wie SARS an, er ist nach Untersuchungen des Berliner Virusforschers Christian Drosten aber eine andere Variante. Der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "neues Coronavirus" - 2019-nCoV - genannte Erreger scheint sowohl weniger ansteckend als auch weniger gefährlich zu sein.

Bei der Lungenkrankheit SARS wurden 2002/2003 insgesamt 8.000 Infektionen erfasst, von denen 800 tödlich verliefen. Es starb also etwa einer von zehn nachweislich Erkrankten. Bei dem neuen Virus wurden seit Dezember 2019 17 Todesfälle und mehr als 470 Infektionen nachgewiesen.

Vor- und Nachteile einer harmlosen Erkrankung

Möglicherweise ist 2019-nCoV also - abgesehen von einzelnen Todesfällen bei schon zuvor schwer erkrankten Menschen - eine eher harmlose Erkrankung ähnlich einer Erkältung. Das hätte aber auch einen Nachteil: Eine weltweit um sich greifende Infektionswelle ließe sich nicht so leicht eindämmen, Ansteckungen fielen kaum auf.

Die SARS-Epidemie vor mehr als 15 Jahren war die erste weltumspannende Seuche dieses Jahrhunderts. Im Februar 2003 brachte ein infizierter Arzt den Erreger aus der südchinesischen Provinz Guangdong, wo die Krankheit schon über Monate kursierte, in ein Hongkonger Hotel. Von dort breitete sich das Virus wohl international aus, nach Angaben des Europäischen Krankheitszentrums ECDC waren 33 Länder betroffen. Im März 2003 stufte die WHO das Schwere Akute Atemnotsyndrom (SARS) als weltweite Bedrohung ein.

Wandelbare Erreger könnten gefährlicher werden

Es muss beim neuen Virus nicht bei milden Verläufen bleiben: Erreger wie das neue 2019-nCoV und Sars-CoV sind wandelbar und anpassungsfähig - mit Änderungen in ihrem Erbgut könnten sie weitaus ansteckender und gefährlicher werden. Bei SARS zumindest war dem nicht so: Inzwischen ist das Virus wahrscheinlich nur noch in Tieren unterwegs.

Als Folge der Epidemie blieben damals Touristen fern, viele Hotels in Asien standen leer. Internationale Wissenschafter schätzten 2004, dass sich die weltweiten Kosten der Epidemie womöglich auf mehr als 40 Milliarden US-Dollar belaufen könnten.

Zug- und Flugverkehr in Wuhan gestoppt

China stoppte wegen des neuartigen Coronavirus alle Flüge und Züge aus der Millionenstadt Wuhan. Wie der staatliche Fernsehsender CCTV unter Berufung auf den Krisenstab in Wuhan berichtete, dürfen die Bewohner die Stadt, in der das Virus zuerst aufgetreten war, nur noch mit einer Sondergenehmigung verlassen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) entschied sich zunächst gegen die Ausrufung einer "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite". Der Notfallausschuss wollte aber am 23. Jänner erneut tagen. Allerdings waren sich die Mitglieder des Ausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig, sagte der Vorsitzende Didier Houssin. Etwa die Hälfte der Mitglieder sei für die Erklärung einer Notlage von internationaler Tragweite gewesen.

Erstmals Fall in den USA gemeldet

Am 21. Jänner war erstmals ein Nachweis des Virus in den USA gemeldet worden. Betroffen war nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde ein Mann, der nach einer Reise aus Wuhan in die Westküstenmetropole Seattle zurückgekehrt war. Nachgewiesene Fälle gibt es auch in Japan, Südkorea, Taiwan und Thailand.

In Europa gibt es bisher keine Nachweise. Die ECDC sprach von einem moderaten Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt wird. Mit dem erhöhten Reiseverkehr zum chinesischen Neujahr wachse die Wahrscheinlichkeit, dass Fälle in der EU auftauchen.

Service: European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC): http://go.apa.at/rkNr5GcB; WHO über SARS: http://go.apa.at/VTRzosuj

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