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Suchanfragen lassen tief in die Persönlichkeit blicken © APA (AFP)
Suchanfragen lassen tief in die Persönlichkeit blicken © APA (AFP)

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Studie: Keine Info zu Suizidprävention bei Google-Suche in Österreich

11.02.2020

Sucht ein Internetnutzer in der mit Abstand meistgenutzten Suchmaschine Google nach bestimmten Suizidmethoden, wird er mitunter automatisch auf hilfreiche Informationen etwa zur Telefonseelsorge hingewiesen. Setzt man aber in Österreich und Belgien derartige Anfragen ab, geschieht dies nicht, wie ein Team um österreichische Forscher in der Fachzeitschrift "Social Science & Medicine" zeigt.

Online-Suchanfragen lassen relativ tief in die Persönlichkeit blicken. Aus der Gesamtheit der eingegebenen Begriffe können Betreiber von Suchmaschinen ein detailliertes Bild des jeweiligen Nutzers zeichnen, was sie etwa im Zusammenhang mit personalisierter Werbung gewinnbringend nützen. Neben Informationen über Interessen und Vorlieben bringt das Einsichten in Gemütsverfassung, Gesundheitszustand oder sogar Suizidgefährdung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allgemein Medien, Hilfsangebote zur Suizid-Prävention zu kommunizieren. Studien weisen darauf hin, dass sich damit Suizide verhindern lassen und Hilfsangebote häufiger genützt werden.

Google hat hier reagiert und liefert bei bestimmten Suchen Verweise in einer eigenen Box mit Informationen zur Suizidprävention mit. Die Suchmaschine blendet bei manchen suizidbezogenen Anfragen ein sogenanntes "Suizid-Präventions-Resultat" (SPR) ein, wie es in einer Aussendung der Universität Wien heißt.

Unterschiede zwischen Ländern

Dass dies in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich gehandhabt wird, zeigte Florian Arendt von der Uni Wien, gemeinsam mit Mario Haim von der Uni Leipzig und Sebastian Scherr von der Katholischen Uni Leuven (Belgien) bereits im vergangenen Jahr im Fachjournal "New Media & Society". Google zeigte im Rahmen dieser Untersuchung etwa in Deutschland bei problematischen Suchbegriffen in rund 22 Prozent der Suchanfragen Hilfsangebote an. In den USA war das dagegen bei etwa 92 Prozent der Anfragen der Fall. Österreich wurde damals nicht untersucht.

In ihrer neuen Studie setzten die Forscher nun insgesamt 137.937 Suchanfragen mit "virtuellen Agenten" in Österreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz ab. Diese programmierten Online-Akteure simulierten suizidbezogenes Suchverhalten echter deutschsprachiger Nutzer. Während in Deutschland und der Schweiz erneut bei rund 20 Prozent der Fälle das SPR auftauchte, erschien diese Box in Österreich und Belgien nie.

Google stiehlt sich "aus der Verantwortung"

"Österreich scheint ein blinder Fleck zu sein", so Arendt, der Google aber attestiert, seine gesellschaftliche Verantwortung bereits wahrzunehmen und international in dem Bereich schon einiges zu tun. Für den Forscher vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft scheint es trotzdem, "als ob sich Google aus dieser Verantwortung stiehlt. Es ist unverständlich, warum in Ländern wie Österreich die Infobox mit Hilfsangeboten überhaupt nicht eingeblendet wird."

Beunruhigend sei auch, dass in Deutschland beispielsweise nach dem Suchbegriff "selbstmord" bei ungefähr der Hälfte der Anfragen das SPR gezeigt wurde. Enthielt die Eingabe aber außerdem noch den Namen eines prominenten Suizidenten suchte man das SPR aber vergeblich. Das sei problematisch, denn gerade der viel zitierte "Werther-Effekt" besagt, dass es nach Suiziden, die medial große Aufmerksamkeit erregen, größere Nachahmungsgefahr gibt.

Service: Link zur Studie: https://dx.doi.org/10.1177/1461444818801010; Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

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