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Der Exo-Planet umkreist seinen Mutterstern Proxima Centauri © APA (AFP)
Der Exo-Planet umkreist seinen Mutterstern Proxima Centauri © APA (AFP)

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UV-Strahlung ist für Leben auf Proxima Centauri b kein Hindernis

12.03.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 10/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Auf dem erdnächsten Exo-Planeten Proxima Centauri b könnte die Existenz von Leben wahrscheinlicher sein als bisher angenommen. Forscher aus Buenos Aires und Graz haben berechnet, dass zumindest die bisher vermutete atmosphärischen Zusammensetzung und mögliche Oberflächendrücke, ausreichend Schutz vor schädlicher UV-Strahlung bieten dürften.

Der Weg zum Planeten Proxima Centauri b ist lang: "Die Reise würde mit modernster Raumflugtechnik etwa 6.000 Jahre dauern", schilderte der Grazer Astrophysiker Arnold Hanslmeier vom Institut für Physik der Universität Graz gegenüber der APA. Dennoch ist der rund 4,2 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte Planet der erdnächste Planet jenseits unseres Sonnensystems. Forscher gehen davon aus, dass er mutmaßlich etwa 1,3 mal so schwer wie die Erde ist und vermutlich eine Gesteinsoberfläche hat. Seit seiner Entdeckung im Jahr 2016 wird spekuliert, ob auf dem Proxima Centauri b Bedingungen herrschen könnten, die Leben ermöglichen.

Strahlung als Faktor für Überleben

Der Exo-Planet umkreist den bisherigen Berechnungen zufolge in einem Abstand von sieben Millionen Kilometern seinen Mutterstern Proxima Centauri. Die Entfernung zwischen Erde und Sonne beträgt jedoch ungefähr 20 mal so viel. Trotz der relativen Nähe zu seinem Stern dürfte sich der Planet in der sogenannten habitablen Zone befinden, in der die Temperaturen die Existenz von flüssigem Wasser erlauben - was als Voraussetzung für Leben angesehen wird. Eine andere Voraussetzung ist, dass die ultraviolette (UV) Strahlung, wie sie auf dem Planeten herrschen dürfte, für mögliches Leben nicht tödlich ist.

"Diese Strahlung ist ein wesentlicher Faktor, der Leben, wie wir es kennen, auf der Oberfläche von Planeten beeinflusst", erklärte Hanslmeier. Er hat gemeinsam mit argentinischen Kollegen von u.a. der Universität von Buenos Aires berechnet, welche Werte die UV-Strahlung unter unterschiedlichen atmosphärischen Zusammensetzungen erreichen kann.

Auswirkungen der Strahlung an Bakterien getestet

Die Forscher haben die Auswirkungen von Strahlung unter mehreren Bedingungen berechnet und im Labor das Überleben von Archebakterien (Archaeen) und Bakterien unter diesen Bedingungen ausgetestet: "Wir nahmen planetare atmosphärische Zusammensetzungen an, die auf Kohlendioxid und Stickstoff und Oberflächendrücken von 100 bis 5.000 Millibar basieren", so die Autoren der Studie, die jüngst in den "Monthly Notices of the Royal Academy of Sciences" veröffentlicht wurde.

"Unsere Studie zeigt, dass bestimmte Organismen mit wesentlich extremeren Bedingungen zurechtkommen können, als wir sie auf der Erde finden", resümierte Hanslmeier. Selbst in einem "Worst-Case"-Szenario - ganz ohne UV-Schutz durch eine Atmosphäre und während einer starken Strahleneruption des zentralen Sterns - könnte demnach ein Teil der Mikroorganismen weiterhin existieren.

Service: X. C. Abrevaya, M. Leitzinger, O. J. Oppezzo, A. Hanslmeier et al. "The UV surface habitability of Proxima b: first experiments revealing probable life survival to stellar flares", https://doi.org/10.1093/mnrasl/slaa037

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