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Pollenfallen identifizierten 239 Pollentypen © APA (dpa)
Pollenfallen identifizierten 239 Pollentypen © APA (dpa)

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Bienen haben in Österreich hohe Pollenvielfalt - aber nur kurze Zeit

20.05.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 20/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Für Bienen in Österreich ist die Vielfalt an Pollenspendern hoch - im überwiegenden Teil des Jahres bezieht eine hohe Zahl der honigproduzierenden Hautflügler Pollen jedoch weitgehend von wenigen Pflanzenarten. Dies ergab eine Untersuchung, die Zoologen der Universität Graz gemeinsam mit österreichischen Imkern durchgeführt haben. Die Studienergebnisse sind in den "Scientific Reports" erschienen.

"In unserer Untersuchung haben wir in den aufgestellten Pollenfallen 239 Pollentypen identifiziert. Sie konnten zumindest 85 Pflanzenfamilien zugeordnet werden", schilderte der Grazer Zoologe und Projektleiter Robert Brodschneider vom Institut für Biologie der Universität Graz im Gespräch mit der APA. Damit zeige sich im internationalem Vergleich eine der höchsten Diversitäten an Pollenspendern, "wobei das sicherlich auf die nur durch die Kooperation mit Imkereien erreichte hohe Zahl an Proben zurückzuführen ist", wie Brodschneider relativierte.

Europaweite Studie

Die Grazer Zoologen haben mit Unterstützung der Imker aus allen Bundesländern an der europaweiten "C.C.I. Pollen"-Studie teilgenommen, welche erstmals die von den Honigbienen gesammelte Pollendiversität großflächig erhoben hat. Von den Imkern wurden die von den Bienen in eine bienenstockmontierte Falle eingetragenen Pollenhöschen der Bienen in regelmäßigen Abständen gesammelt. In den Monaten April bis September wurden an rund 40 Standorten in Österreich mehr als 1.600 Pollenproben gesammelt und danach mit Hilfe einer speziellen Lichtmikroskopie von Experten der AGES in Lunz am See taxonomisch analysiert.

Die höchste Pollenvielfalt wurden in den beiden Jahren (2014, 2015) der jüngst erschienenen Untersuchung in den Monaten Mai und Juni nachgewiesen, geringere Werten im April und im Spätsommer und Herbst. "Durchschnittlich fanden wir pro Messtermin zwischen 15 und 17 Pollentypen", berichtete Brodschneider. Im Vergleich zu in anderen Ländern durchgeführten Studien könnten somit Bienen in Österreich ein breiteres Spektrum an Pollenquellen nutzen, wie die Autoren festhielten.

"Im Frühjahr sind vor allem Bäume wichtige Pollenspender, während im Sommer krautige Pflanzen dominieren, und im Herbst etwa Efeu und wilder Wein wichtige Pollenquellen darstellen", wie Brodschneider ausführte. Auffällig sei, dass die Hälfte der gesammelten Proben zu wiederum mehr als 50 Prozent aus Pollen einer einzigen Pflanzenart bestand. Rund vier Prozent der Proben beinhalteten zu mehr als 90 Prozent den Blütenstaub von einer einzigen Pflanzenart. Solche Proben waren vor allem zu Beginn und am Ende der Saison zu finden.

Dies deute darauf hin, dass nur eine relativ kleine Menge der untersuchten Pollentypen wichtige Pollenquellen für die Ernährung von Honigbienen in Österreich sind. "Hier könnte es problematisch werden, wenn dann dieser Pollen Defizite in für Bienen essenziellen Bestandteilen hat, also keine gute Qualität hat", gab Brodschneider zu bedenken. Am heutigen Mittwoch wird der Tag der Biene begangen, der "World Bee Day" soll dabei die Bedeutung des Insekts zu vermitteln helfen.

Service: Brodschneider, Gratzer, Kalscher-Sommersguter, Moosbeckhofer & Crailsheim et al.: "A citizen science supported study on seasonal diversity and monoflorality of pollen collected by honey bees in Austria", Nature Scientific Reports, https://www.nature.com/articles/s41598-019-53016-5

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