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Gernot Grömer: Raumfahrtbranche befindet sich in einer Transformation © APA (EXPA/Groder)
Gernot Grömer: Raumfahrtbranche befindet sich in einer Transformation © APA (EXPA/Groder)

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Bemannter SpaceX-Flug - Für Grömer "symbolischer Charakter" und mehr

27.05.2020

Der für heute Abend, 22.32 Uhr (MESZ), anvisierte Start des ersten bemannten Raumfluges von US-amerikanischem Boden seit dem Ende des Space Shuttle-Programms 2011 hat für den Direktor des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) "stark symbolischen Charakter". Darüber hinaus markiere das vom privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX entwickelte "Crew Dragon"-System eine Art Zeitenwende in der Raumfahrt.

Der von dem von Elon Musk 2002 gegründeten Unternehmen gemeinsam mit der NASA durchgeführte Flug zur Internationalen Raumstation ISS ist hinsichtlich mehrerer Aspekte bemerkenswert. So waren die USA seit neun Jahren auf die russischen Sojuz-Raketen und der Startplattform am Weltraumbahnhof Baikonur (Kasachstan) angewiesen, um ihre Astronauten ins All zu bringen.

Die "Crew Demo-2"-Mission zeige auch, "dass sich die Raumfahrtbranche in einer Transformation befindet - staatlich-dominierte Programme werden durch agile und innovationsgetriebene Industrien unterstützt und zunehmend geprägt. Ein Prozess, der sich auch in Europa in Ansätzen abzuzeichnen beginnt", so Grömer in einer Aussendung. Man müsse sich vor Augen führen, dass zum erstem Mal seit 40 Jahren ein neues Raumschiff bereit stehe, das Menschen zur ISS bringen kann.

Wiederverwertbare erste Stufe

Der SpaceX-Ansatz mit der wiederverwertbaren ersten Stufe und der Crew Dragon-Kapsel, die an der ISS andocken und die Astronauten wieder zur Erde zurückbringen wird, gilt vielfach als zukunftsträchtig. Erstaunlich sei, dass es das Unternehmen um den als exzentrisch geltenden Musk innerhalb von rund zehn Jahren geschafft hat, "die großen Raumfahrt-Konzerne der USA (neben SpaceX entwickelt auch die Firma Boeing ein neues Raumschiff namens Starliner, Anm.)" zu überholen und "entgegen massiver industriepolitischer Widerstände den Raumfahrtsektor zu Innovationen bewegt hat, die vor SpaceX als undenkbar galten: wiederverwendbare Raketen-Unterstufen, die selbstständig landen können sowie eine drastische Senkung der Startkosten, die auch die europäischen Anbieter in Bedrängnis bringen könnte", sagte Grömer.

Nach Entwicklungskosten von rund 3,1 Mrd. Dollar (2,82 Mrd. Euro) koste ein "Crew Dragon"-Sitzplatz nun rund 55 Mio. Dollar (50,11 Mio. Euro). Bei der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos seien dies 85 Mio. Dollar, beim Boeing Starliner komme man auf rund 90 Mio. Dollar.

Platz für sieben Raumfahrer

Insgesamt bis zu sieben Raumfahrer haben in der SpaceX-Kapsel Platz. Der Jungfernflug wird von zwei erfahrenen Astronauten bestritten: So war etwa der 53-jährige Doug Hurley der Pilot der letzten Space Shuttle-Mission. Bob Behnken (49) ist der frühere Leiter des "NASA Astronaut Office". Gestartet wird von der geschichtsträchtigen Startrampe 39A am Kennedy Space Centers in Cape Canaveral (Florida). Die Plattform wurde SpaceX bereits vor einigen Jahren zur Verfügung gestellt und ist just jene, von der aus 1969 die Apollo 11-Mission abhob, in deren Rahmen der erste bemannte Mondflug gelang.

Geht bei der nunmehrigen Mission alles gut, wird die erste Stufe der Falcon 9-Rakete nach dem Abkoppeln vom Drohnenschiff namens "Of course I Still Love you" aus dem Atlantik geholt und wäre dann wieder einsetzbar. Die zweite Stufe soll die Kapsel mit einer sechsminütigen Zündung ihres Triebwerkes in die notwendige höhere Umlaufbahn hieven. Nach rund 19 Stunden soll das automatische Andocken der Kapsel an der ISS erfolgen, wo sie 30 bis 119 Tage bleiben wird, teilte das ÖWF mit. "Nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre wird sie mittels vier Fallschirmen vor der Küste Floridas im Atlantik landen."

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