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Weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur wäre hilfreich © APA (dpa)
Weiterer Ausbau der Ladeinfrastruktur wäre hilfreich © APA (dpa)

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E-Auto-Umstieg: Information und Gratisparken würde Firmen motivieren

29.05.2020

Nach welchen Kriterien Firmen entscheiden, ihre Fahrzeugflotte auf Elektroautos umzustellen, haben Technikfolgenforscher in einer Studie unter Wiener Unternehmen erhoben. Dabei zeigte sich, dass viele vor dem vermeintlich komplizierten Umstieg zurückschrecken. Mehr Informationen und Gratisparken für E-Autos wären der Untersuchung zufolge gute Anreize, um E-Mobilität in die Breite zu bringen.

Von den jährlich in der Bundeshauptstadt neu zugelassenen rund 60.000 gewerblich genutzten PKW und etwa 8.000 Kleintransportern werden aktuell nur rund zwei Prozent elektrisch betrieben. Auf dem Sektor habe sich also noch nicht viel getan, obwohl in Wien die Rahmenbedingungen dafür vielfach bereits vorhanden wären, heißt es seitens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). "Es gibt Förderungen, die Kosten sind konkurrenzfähig und die Zahl an Ladestationen wächst beständig", so der Leiter der Studie, Michael Ornetzeder, vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der ÖAW.

Reichweite weiterhin großes Thema

Die Forscher befragten für ihre von der für Kultur, Wissenschafts- und Forschungsförderung zuständigen Magistratsabteilung der Stadt Wien beauftragte Untersuchung mehrere Firmen, darunter mit der Österreichischen Post, dem ÖAMTC und TÜV Austria auch drei Unternehmen, die bereits E-Fahrzeugflotten unterhalten. Dabei stellte sich etwa heraus, dass die Frage der Reichweite noch immer ein großes Thema ist. Gerade für "ein Unternehmen wie die Post, das Routen im Vorhinein relativ genau planen kann", sei es mittlerweile "kein Risiko mehr, Wege mit E-Autos zurückzulegen", so die Koautorin der Studie, Anna Pavlicek.

Den Hauptgrund dafür, dass bisher wenige E-Autos von Firmen eingesetzt werden, sehen die Forscher in der Umstellung selbst. "Man tauscht hier nicht nur die Fahrzeuge aus, wir sprechen von einem ganzen System, das sich gerade in Entwicklung befindet: Es braucht dafür Hersteller, die Fahrzeuge und Ersatzteile liefern, Mechaniker, die auf E-Autos spezialisiert sind, die Ladeinfrastruktur muss stimmen", so Ornetzeder. All das gebe es in Wien zwar schon, es brauche aber einen weiteren Ausbau. Vielfach würden Firmen auch die nötigen Informationen fehlen, um abschätzen zu können, ob sich ein Umstieg auszahlt.

Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft

Bisher setzen eher Firmen E-Fahrzeuge ein, die schon im Bereich Mobilität oder Logistik tätig sind, oder die sich von dem Einsatz solcher Fahrzeuge einen Wettbewerbs- oder Imagevorteil erwarten. Auch in dieser Zielgruppe sei das Potenzial aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. In einigen Firmen hänge die Nutzung stark mit dem Engagement einzelner Mitarbeiter zusammen. Vielfach habe sich in der Untersuchung auch gezeigt, dass Frauen hier die treibenden Kräfte seien. Nicht zuletzt sollte auch die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen und E-Flotten aufbauen.

Damit sich in dem Bereich mehr tut, könnten laut den Wissenschaftern etwa Modelle erarbeitet werden, die es Firmen erlauben, den Umstieg in Richtung E-Mobilität probeweise durchzuführen, indem etwa einzelne Mitarbeiter testweise umsteigen, heißt es in dem Papier. "Stärkere Maßnahmen" wären hingegen "Zulassungsverbote für Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor", Erleichterungen für E-Fahrzeuge wie etwa eine Befreiung von Parkgebühren bzw. "rechtliche Vereinfachung für die Installation von Ladepunkten".

Service: https://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/Bericht_EF_FINAL.pdf

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