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Tests fanden in zwei verschiedenen Wochen statt © APA (dpa)
Tests fanden in zwei verschiedenen Wochen statt © APA (dpa)

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Coronavirus - Kaum Fälle bei Wiener Schulstudien

07.07.2020

Kaum Infektionsfälle hat es bei zwei großen Studien zur Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus an Wiener Schulen gegeben. Nur einen einzigen positiven Test bei einer Lehrerin verzeichnete man bei zu zwei verschiedenen Messzeitpunkten genommenen 5.100 Gurgelproben von Schülern und Pädagogen. Bei einer anderen, zweiten Studie per Nasen-Rachen-Abstrich wurden zwei Fälle bei 2.100 Proben registriert.

Bei der ersten Erhebung setzten die Forscher um den Molekularbiologen Michael Wagner (Universität Wien), Manuela Födinger und Andre van Egmond Fröhlich (beide Wiener Gesundheitsverbund) nicht auf den ansonsten üblichen Nasen-Rachen-Abstrich zum Nachweis des Erbguts des Virus, sondern auf einen einfachen Gurgeltest. Vorteil: Diese Methode, die sie im Rahmen der "Vienna COVID-19 Diagnostics Initiative" (VCDI) - einem Zusammenschluss von 21 Wiener Forschungsinstituten - vorantreiben, ist vor allem für Kinder wesentlich weniger unangenehm und kann in Zukunft auch daheim durchgeführt werden.

Für ihre Studie testeten die Forscher in zwei verschiedenen Erhebungswochen (15. bis 19. Juni sowie in der letzten Schulwoche von 29. Juni bis 3. Juli) vor Schulen. Die Teilnahme war freiwillig. Um eine gültige Probe zu erhalten, musste eine Minute gegurgelt werden. "Die Hauptfrage war: Können Kinder gut gurgeln? Und das ist überraschend gut gegangen. Es hat sogar bei Erstklässlern in über 80 Prozent der Fälle gut funktioniert", so Wagner zur APA. "Das Gurgelwasser ist harmlos, man kann es auch verschlucken. Aber man muss eben eine Minute gurgeln."

Wichtig ist das vor allem deshalb, weil so in Zukunft relativ einfach viele Schüler ohne großen logistischen Aufwand getestet werden könnten. "In Zukunft könnte man Schulen auch dadurch testen, dass Lehrer das Gurgelwasser ausgeben, die Kinder daheim gurgeln und am nächsten Tag die Proben wieder in die Schule mitnehmen", meinte Wagner.

Schnelle Ergebnisse

Sobald die Proben am Institut seien, habe man die Ergebnisse am nächsten Werktag. Aufgrund des derzeit niedrigen Infektionsstands haben die Wissenschafter für die Studie jeweils sechs Tests zu einem Pool zusammengefasst. Ist das Ergebnis dieses Pools negativ, bedeutet das, dass alle Testpersonen nicht mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert sind. Bei einem positiven Ergebnis müssen die einzelnen Proben des Pools noch einmal nachanalysiert werden, um die infizierte Person bzw. die infizierten Personen herauszufinden.

Der Einsatz dieser Methode hänge von der Prävalenz des Virus in der Bevölkerung ab. "Wenn wie derzeit in Florida 20 Prozent der Tests positiv sind, ist es besser, wenn ich gleich jede Probe einzeln auswerte", betonte Wagner.

Bei einer gemeinsam mit dem Wiener Gesundheitsverbund durchgeführten Evaluierung haben die Forscher außerdem festgestellt, dass die Ergebnisse der Gurgelmethode mit jenen des Nasen-Rachen-Abstrichs vergleichbar sind - "man muss aber fairerweise sagen, dass das bei Erwachsenen analysiert wurde", meinte Wagner. Allerdings sei in wiederum anderen Studien bereits festgestellt worden, dass Kinder vergleichbare Titer im Rachen haben.

Auch in der zweiten Studie einer Initiative von Kinderärzten um Zsolt Szepfalusi von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Medizinischen Universität (MedUni) Wien und Thomas Frischer von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde des Wilhelminenspitals kam es laut ORF zu einem ähnlichen Ergebnis. Mittels Nasen-Rachenabstrich wurden ab Mitte Mai rund 2.100 Schulkinder getestet - in diesem Fall mit zwei positiven Ergebnissen.

Im Rahmen dieser Untersuchung fanden auch Blutabnahmen für Antikörpertestungen statt. Diese Ergebnisse, anhand derer auf die bisherige Durchseuchung innerhalb der untersuchten Gruppe geschlossen werden kann, werden voraussichtlich erst Ende des Sommers vorliegen,

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