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Technische Unis sehen sich als Wirtschaftsmotor mit Spritbedarf

11.09.2020

Vor zehn Jahren haben sich die Technischen Universitäten (TU Graz, TU Wien, Montanuniversität Leoben) zum Verbund "TU Austria" zusammengeschlossenen. Zum Jubiläum attestiert ihnen eine Studie eine stattliche volkswirtschaftliche Bedeutung. Für zusätzliches Wachstum brauche es aber auch zusätzliche Mittel. Der Idee einer TU Linz stehe man pragmatisch gegenüber, hieß es vor Journalisten.

"Technik und Naturwissenschaften stehen für Wohlstand", betonte die Rektorin der TU Wien und TU Austria-Vizepräsidentin, Sabine Seidler. Das zeige sich relativ eindrücklich anhand der Coronakrise. Denn laut Studienautor Christian Helmenstein vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung zeichne sich in Österreich bereits messbar ab, dass Regionen mit stärkerer Technologieorientierung geringere ökonomische Schäden hinnehmen müssten als stark touristische Gegenden. Das liege auch daran, dass stärker wissens- und technologiebasierte Regionen das Ergebnis "systematischer Aufbauarbeit" seien und dementsprechend gut ausgebildete Personen anziehen.

Das gelte auch für die drei bisher bestehenden TUs, die aktuell zusammen rund 14.700 Beschäftigte auf sich vereinen. Laut TU Austria-Präsident und Rektor der TU Graz, Harald Kainz, kamen im Zehn-Jahres-Vergleich rund 5.000 neue Arbeitsplätze in und um die Hochschulen dazu. Gemeinsam stand der Uni-Verbund im vergangenen Jahr für einen direkten Wertschöpfungsbeitrag von 493,8 Mio. Euro, was jenen des Luftverkehrs (482 Mio. Euro) oder der Tankstellen (466 Mio. Euro) übertreffe, heißt es in der Studie.

Zusätzliche Mittel für höhere Investitionstätigkeit benötigt

Um jedoch etwa die Investitionstätigkeit u.a. in universitäre Ausgründungen (Spin-offs) zu erhöhen oder mehr Beschäftigten Vollzeitstellen zu ermöglichen, brauche es mehr Treibstoff in Form von zusätzlichen Mitteln, so Helmenstein. Gerade der relativ geringe Anteil an Vollzeitstellen von 64 Prozent - der Österreich-Schnitt liegt bei 81 Vollzeit-Stellen pro 100 Mitarbeitern - zeige, "dass die Mittel so knapp sind, dass Vollzeit oft nicht möglich ist". Immerhin stehe hierzulande in etwa jeder 300. Arbeitsplatz in Verbindung mit den drei Unis, so der Wirtschaftsforscher, der hier die öffentliche Hand gefordert sieht.

Um das Ausbildungsangebot in Technik- und Naturwissenschaften (die sogenannten MINT-Fächer), sowie die angewandte- und Grundlagenforschung in diesen Gebieten auszubauen, müsse die Politik den dreistufigen Plan zur kapazitätsorientierten Universitätenfinanzierung weiter umsetzen. Dieser sieht für die Jahre 2022 bis 2024 insgesamt 2,1 Milliarden Euro mehr für alle 22 heimischen Unis vor. Darauf dürfe Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) "nicht vergessen", betonte Kainz.

TU Linz könnte aus Trio ein Quartett machen

Nachdem vor zwei Wochen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) die gemeinsamen Pläne mit der oberösterreichischen Landesregierung für eine neue TU Linz verkündete, könnte freilich in wenigen Jahren eine weitere Hochschule dazu kommen, die der Finanzierung harrt. Das TU Austria-Trio sei von der Ankündigung "überrascht" gewesen und hielt auch nicht mit Kritik an der Idee hinter dem Berg. Man sei mittlerweile mit Faßmann im Gespräch in der Causa und unterstütze, dass offenbar zusätzliche Mittel in den "MINT-Bereich" fließen sollen, so Seidler und Kainz.

Bei der Umsetzung eines solchen Vorhabens, könne man sich etwa an jenem Weg orientieren, den die Uni Innsbruck gegangen ist: Dort wurden viele technisch-naturwissenschaftlichen Bereiche derart ausgebaut, dass man mittlerweile quasi von einer vierten TU in Österreich sprechen könne. "Möglicherweise ist das Innsbrucker Modell auch ein Ansatzpunkt, den man sich in Linz anschauen kann. Hier sind aber andere am Zug und wir werden versuchen, unterstützend zu wirken", betonte der TU Austria-Präsident.

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