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Baltic Health Index soll Zustand des Meeres vermitteln © APA (dpa)
Baltic Health Index soll Zustand des Meeres vermitteln © APA (dpa)

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Forscher bescheinigen Ostsee durchwachsenen Zustand

21.09.2020

Die Ostsee befindet sich internationalen Experten zufolge in durchwachsenem Zustand. Im Rahmen eines erstmals auf das Binnenmeer angewandten Indexes erhält sie 76 von 100 Punkten, wie die Wissenschafter des Stockholm Resilience Centre (SRC) mitteilten. Das entspreche in etwa einer 3+ im Schulzeugnis, sagte der deutsche Hauptautor der Untersuchung, Thorsten Blenckner in Skandinavien.

Bei dem Projekt haben Blenckner und seine Mitstreiter den seit 2012 berechneten Ocean Health Index (OHI) kalifornischer Forscher zum ersten Mal auf die Ostsee angewandt. Mit dem Baltic Health Index (BHI) wollen sie ein umfassendes Bild vermitteln, wie es um den Zustand des Meeres bestellt ist. Gleichzeitig soll besser zu erkennen sein, welche Auswirkungen das Verstellen einer Stellschraube für andere Teilaspekte des Meeres hat.

"Oft wird diskutiert, dass wir Nährstoffe reduzieren oder weniger fischen müssen. Man stellt aber oft keine Verbindung zwischen den einzelnen Komponenten her", erklärte Blenckner. Dabei könne es enorm wichtig sein, sich etwa anzuschauen, welche Vorteile ein Schutzgebiet für die Artenvielfalt oder eine Veränderung der Nährstoffe für die Fischerei habe. "Dieser Index gibt das Gesamtbild, wie man das gesamte System - in diesem Fall die Ostsee - managen und messen soll." Ein zentrales Ziel ist, aus Hunderttausenden Daten berechnen zu können, wie sich der Zustand über die Jahre verändert - und wie man frühzeitig zum Positiven steuern kann.

Guter Fischbestand, aber viele Verunreinigungen mit Schadstoffen

Derzeit schneidet die Ostsee recht gut beim küstennahen Fischbestand sowie bei den Lebensgrundlagen und wirtschaftlichen Bedingungen der Anrainer ab. Schlechter sieht es bei der Verunreinigung mit Schadstoffen, den Schutzgebieten, der Eutrophierung sowie Biodiversität und Kohlenstoffsenken aus.

Nachbesserungsbedarf sieht Blenckner vor allem bei neuen Giftstoffen. Während die Situation bei alten Schadstoffen wie etwa Dioxin langsam besser werde, würden neuere teils noch gar nicht gemessen. Dazu zählten unter anderem Substanzen, die bestimmte Jacken atmungsaktiver machten, aber eben auch sehr giftig seien. "Das ist ein klares Gefahrenpotenzial", sagte Blenckner.

Ein zweites Problemfeld seien die Schutzgebiete, die zwar ausgewiesen seien, aber oft über keinen Managementplan verfügten. "Ich kann also mit meinem Boot in dieses Gebiet hineinfahren und es wird nicht richtig kontrolliert. Das gilt auch für Deutschland." Wie in der gesamten Region gebe es lokal teils sehr deutliche Unterschiede.

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