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Manche Krebsmedikamente bei Nierenproblemen bedenklich

22.09.2020

Bei akuter Nierenschädigung werden gut Tausend "Genverstärker" aktiv und treiben die Reparatur in dem Organ voran, berichten österreichische Forscherinnen kürzlich im Fachjournal "Nature Communications". Mit einem Krebswirkstoff (BET-Hemmer) steckt man sie quasi vom Reparaturprogramm ab und stört dadurch die Genesung. Bei Krebspatienten sollte man diese Medikamente deshalb bei Nierenproblemen absetzen.

Wenn Genverstärker (Enhancer) aufgedreht sind, sorgen sie dafür, dass Gene öfter abgelesen werden. Manchmal sind sie sogar hintereinander in Batterien als "Superenhancer" angeordnet, um ihnen zugeordneten Genen mehr Gehör zu verschaffen. Sie bestimmen zum Beispiel, ob in einer das Nieren-, Leber- oder Gehirnzellenprogramm aktiv ist und legen somit ihre Entwicklung und Funktion fest, erklärte die Julia Wilflingseder im Gespräch mit der APA. Die Österreicherin führte die Studie an der Harvard Medical School in Boston (USA) durch.

"Während eines akuten Nierenversagens, wenn sich die überlebenden Zellen vermehren und das Organ reparieren müssen, werden dazu auch spezielle Enhancerelemente eingeschaltet", so Wilflingseder. Sie identifizierte gemeinsam mit der Österreicherin Michaela Willi, die an den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda (USA) arbeitete, 1076 Enhancer und Superenhancer, die verstärkt aktiv wurden und insgesamt 1716 Gene hochregelten.

BET-Eiweißstoffe nötig

Damit aktive Enhancer nicht ungehört bleiben, braucht es sogenannte BET-Eiweißstoffe. Sie verkabeln sie quasi mit jener Maschine (DNA-Polymerase II), die zugehörige Gene ablesen. Das passiert auch oft bei Krebstreiber-Genen (Driver Genes), weshalb BET-Eiweißstoff-Hemmer bei Krebs helfen können, sagte die Forscherin: "Aber bei akutem Nierenversagen sollte man diese eine Zeit lang nicht geben, weil sie auch diesen Reparaturmechanismus hemmen können". Bei Mäusen mit Nierenschädigung wurde die Genesung jedenfalls durch solch einen Wirkstoff massiv gestört und ihre Sterblichkeit stieg.

Unter akuter Nierenschädigung versteht man den schnellen Verlust der Nierenfunktion innerhalb von Tagen oder Wochen. Sie passiert bei bis zu zehn Prozent der Krankenhauspatienten, bei Krebspatienten mit bis zu 17,5 Prozent besonders oft.

Service: https://doi.org/10.1038/s41467-020-17205-5

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