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Loidl: "Reine Onlinelehre in der Medizin ist tödlich" © APA (dpa)
Loidl: "Reine Onlinelehre in der Medizin ist tödlich" © APA (dpa)

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Uneinigkeit bei Präsenzlehre an Innsbrucker Med-Uni

30.10.2020

Uneinigkeit herrscht an der Med-Uni Innsbruck beim Thema Präsenzlehre: Während die Studierenden Online-Streaming aller Vorlesungen fordern, argumentiert das Rektorat dagegen. Das habe nicht nur pragmatische Gründe, sagte Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten Peter Loidl im APA-Gespräch. Präsenzlehre sei "die bestmögliche Form der Lehre", die essenzielle Werte vermittle. Präsenzveranstaltungen fänden nur unter Einhaltung strengster Sicherheitsvorkehrungen statt.

Derzeit finden an der MUI alle Vorlesungen der ersten drei Studienjahre online statt. Grund dafür sei, so Loidl, dass die Sicherheitsvorkehrungen für die große Anzahl Studierender in diesen Jahren nicht gewährleistet werden könne. In den ersten Jahren besuchen Human- und Zahnmedizinstudenten sowie Bachelorstudenten des Faches "Molekulare Medizin" dieselben Lehrveranstaltungen.

Sicherheitsmaßnahmen und "großzügigste Abstände"

Danach würden sich die Wege trennen, und bei durchschnittlich 70 Vorlesungsbesuchern im siebenten, und 40 im neunten Semester könnten Sicherheitsmaßnahmen und "großzügigste Abstände" eingehalten werden. Die Frequentierung von Vorlesungen werde "seit 2015 lückenlos dokumentiert" und zeige, dass in den späteren Semestern die Vorlesungen nicht mehr so gut besucht seien. Warum Studierende nun auf die Barrikaden gingen und vehement Online-Streams aller Vorlesungen forderten, sei für ihn wenig verständlich, äußerte sich Loidl.

Man habe sich aus mehreren Gründen ganz bewusst gegen Onlineveranstaltungen entschieden. Zunächst könne die Sicherheit aller Studierenden durch Platzzuweisung, Abstand, lückenloses Contact-Tracing und Maskenpflicht gewährleistet werden. In einem Hörsaal mit einer Kapazität von 340 Plätzen habe man derzeit 90 Plätze gekennzeichnet, sagte Loidl, sollte diese Kapazität nicht ausreichen, gäbe es Ausweichmöglichkeiten und eine Übertragung via Live-Stream in einen anderen Hörsaal.

Präferenz für Präsenz und online

Genau hier setzen die Studenten an. Die technischen Voraussetzungen seien gegeben, man verstehe nicht, warum "Studierende, die aus verschiedenen Gründen in Zeiten dieser globalen Pandemie nicht an der Präsenzveranstaltung teilnehmen wollen oder können, keine Gelegenheit haben die Lehre auch weiterhin qualitativ wahrzunehmen". In der Stellungnahme der Studierendenvertretung für Humanmedizin der ÖH Innsbruck verwies man weiter auf eine Umfrage unter 400 Studierenden, von denen 80 Prozent Präsenzlehre und gleichzeitige Online-Übertragung fordern würden.

Gründe für diese Forderung gäbe es viele, erklärte Lorenz Ponnath von der Studienvertretung, sei es "die Tatsache, dass man in Quarantäne ist, ob als Kontaktperson oder Erkrankter, dass man Personen aus der Risikogruppe zuhause hat oder selbst einer solchen Gruppe angehört, oder dass man nur leichte Erkältungssymptome zeigt und daher verantwortungsvollerweise lieber zuhause bleibt."

"Reine Onlinelehre in der Medizin ist tödlich", entgegnete der Vizerektor, nur die Präsenzlehre könne die für den Mediziner essenziellen Werte wie Haltung und Empathie vermitteln. Außerdem könne man nur so garantieren, dass jede Veranstaltung stattfindet, ansonsten drohe ein "Fleckerlteppich". Er könne niemanden zur Onlinelehre zwingen, sagt Loidl.

Bisher noch keine Ansteckung

Die Sorge der Studierenden vor einer Ansteckung könne er nicht verstehen, bisher sei es noch zu keiner Ansteckung bei Lehrveranstaltungen gekommen, betonte Loidl. Bei Verdachtsfällen können sich die Studenten gratis testen lassen. An die 100 Tests seien bisher durchgeführt worden, das Ergebnis läge binnen weniger Stunden vor.

"In vernünftigen Dosen" wolle er Onlinelehre einsetzen, sagte Loidl. Dort, wo es sinnvoll ist, wolle man sie perfektionieren. "Die Krise hat uns im Sommersemester am falschen Fuß erwischt" räumte er ein, ein "komplettes Neuland" sei die Onlinelehre gewesen, aber es sei gut, dass man "gezwungen war, rasch Strukturen zu etablieren und umzudenken". Nun gäbe es sogar professionelle Aufnahmestudios und technische Unterstützung durch Tutoren. Dass man zur reinen Online-Uni wird wolle man jedoch weiterhin "tunlichst vermeiden", machte Loidl klar. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie an der Medizinischen Universität Innsbruck seien im Einklang mit den Empfehlungen des Bundesministeriums, auch die aktuelle Entwicklung würden beobachtet. "Wir sind vorbereitet bei weiteren bundesweiten Verschärfungen entsprechend zu reagieren."

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