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Research Frontier: Finanzwissen und Finanzbildung

06.12.2018

Fast jeden Tag treffen wir finanzielle Entscheidungen. Manche haben Folgen für viele Jahre. Wie legen wir die hart erarbeiteten Ersparnisse an? Wie finanzieren wir ein Eigenheim? Wie sorgen wir am besten für das Alter und für unsere Kinder vor? Kluge Finanzentscheidungen mehren den Wohlstand, Fehlentscheidungen sind kostspielig. Wie gut sind die Österreicherinnen und Österreicher vorbereitet? Wie steht es um Ihr Finanzwissen?

Wer wichtige finanzielle Entscheidungen treffen will, kann mit gutem Finanz wissen mehr erreichen. Wer in der Vermögensanlage und in der Altersvorsorge bessere Ergebnisse erzielen will, und bei der Aufnahme einer Hypothek für das Eigenheim oder in der Autofinanzierung Geld sparen will, sollte über Zinseszinsen, Risiko, Diversifikation und Inflation gut Bescheid wissen.

Fehlentscheidungen sind kostspielig, kluge Entscheidungen können noch mehr Wohlstand aus dem Ersparten herausholen oder die Finanzierungskosten senken. Wie steht es mit der Finanzbildung der Österreicherinnen und Österreicher? Die Forschung zeigt, dass auch in Österreich wie im übrigen Europa erhebliche Wissenslücken bestehen.

Dabei gibt es Unterschiede in der Bevölkerung. Männer schneiden besser ab wie Frauen. Personen mittleren Alters erzielen bessere Resultate als jüngere oder ältere Personengruppen. Den jüngeren Menschen mag teilweise noch die Erfahrung im Umgang mit Finanzprodukten fehlen, während es bei älteren Personen häufiger an digitale n Kompetenzen mangeln dürfte, wie z.B. beim Umgang mit mobilen Bezahlsystemen oder Kreditkarten.

Trotz gravierender Wissenslücken schneidet Österreich im Ländervergleich der OECD noch relativ gut ab. Österreich erreicht 14.2 von 21 Punkten, während der OECD Durchschnitt bei lediglich 13.7 liegt. In Europa ist die Finanzbildung nur in Belgien, den skandinavischen Ländern Norwegen und Finnland, und in Frankreich besser (Cupak et a l., 2018, S. 17). Ein ähnliches Bild zeigt eine Studie der Allianz. Demnach ist die finanzielle Bildung in Österreich und Deutschland die höchste, gefolgt von der Schweiz. Jedoch schnitten die Österreicher über 50 auch in dieser Studie ungünstig ab (Allianz, 2017). Es besteht Handlungsbedarf. Der finanzielle Bildungsstand ist erschreckend niedrig, auch wenn die Situation in Deutschland, Österreich und Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sich eher günstiger darstellt. Die Digitalisierung von Finanzprodukten stellt neue Herausforderungen.

Das Finanz- und Wirtschaftssystem wird zunehmend komplexer. Umso mehr gehören das Erkennen von Risiko und das Treffen von fundierten Finanzentscheidungen mit langfristigen Folgen zu den zentralen Kompetenzen der Zukunft. Indem sie klügere Finanzentscheidungen begünstigt, kann die Verbesserung der Finanzbildung mehr Wohlstand und mehr wirtschaftliche Sicherheit für die österreichische Bevölkerung schaffen.

(Zusammenfassung. Originalartikel auf Englisch: http://go.apa.at/wjTzMj3t)

Die Autorin:

Prof. Dr. Annamaria Lusardi ist Professor of Accountancy, Denit Trust Chair of Economics & Accountancy, George Washington University, und eine weltweit führende Forscherin zu Finanzwissen und Finanzbildung.

Service: Mit der Initiative Research Frontier arbeitet das Wirtschaftspolitische Zentrum (WPZ) mit international renommierten Forschern zusammen, um die Erkenntnisse der modernen Volkswirtschaftslehre für die wirtschaftspolitische Praxis zu erschließen und die Diskussion mit sachlichen Argumenten zu unterstützen. Weitere Beiträge in der Reihe Research Frontier finden Sie hier.

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