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Filzmaier brachte Kernergebnisse des "Wissenschaftsmonitors" auf den Punkt © APA (Thaler)
Filzmaier brachte Kernergebnisse des "Wissenschaftsmonitors" auf den Punkt © APA (Thaler)

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Politologe Filzmaier: "Mit Forschungspolitik kann man punkten"

13.09.2019

"Forschung und Wissenschaft sind viel mehr ein öffentliches Thema, als man glaubt", sagte der Politikwissenschafter Peter Filzmaier bei einer Veranstaltung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in Wien. Sie sollten daher viel stärker auf der politischen Agenda stehen, nicht nur, aber auch in Zeiten des Wahlkampfs, riet der Experte politischen Entscheidungsträgern.

"Hey, liebe Politiker, gut 95 Prozent sehen Forschung als Mittel zur Bewältigung aktueller Probleme", brachte Filzmaier Kernergebnisse des 2015 für das Wissenschaftsministerium erstellten "Wissenschaftsmonitors" auf den Punkt. Der Querschnitt der Bevölkerung interessiere sich "genauso für Forschung und Wissenschaft wie für Sport, ähnlich wie für Wirtschaft, etwas mehr als für Politik und viel mehr als für Kunst und Kultur", so Filzmaier: "Vielleicht sollten das auch die Politiker lernen, dass man demzufolge mit Forschungs- und Wissenschaftspolitik durchaus punkten kann." Dahinter lägen aber auch handfeste wirtschaftliche Gründe, denn Forschung und Entwicklung seien für ein exportorientiertes Land wie Österreich das "Eintrittsticket in die Exportmärkte".

In der Pflicht stünden zudem die Medien, mehr über Wissenschaftsthemen zu berichten, sagte der Politikwissenschafter: "Für drei Viertel der Österreicher ist es wichtig, sich über Wissenschaft und Forschung auf dem Laufenden zu halten." Unterstützt wurde Filzmaiers Anliegen von der stellvertretenden Chefredakteurin des "Standard", Nana Siebert, die die Pressearbeit der Forschungseinrichtungen lobend hervorhob. Die Bringschuld von Qualitätsmedien sei es, wissenschaftliche Themen nicht zu trivialisieren und sich für eine gründliche Berichterstattung auch Zeit zu nehmen, anstatt dem Diktat schneller und reißerischer Schlagzeilen zu folgen, die sich dann womöglich als nicht korrekt herausstellen: "Wir können es uns nicht leisten, zu schlampen."

Stärkung des Forschungsbudgets gefordert

Seitens der FFG sprach sich Aufsichtsratspräsidentin Gertrude Tumpel-Gugerell für eine Stärkung der Forschungsförderung aus, speziell einen mehrjährigen budgetären Horizont. In dieselbe Kerbe schlug auch FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth: "Wir brauchen mehr Geld, mehr Autonomie und langfristige Planungssicherheit." Laut FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner habe man im vergangenen Jahr "gute Projekte" im Wert von 180 Mio. Euro nicht fördern können. Dennoch hob er in Richtung der Forschung die "hohe Berechenbarkeit" der FFG hervor, auch in Zeiten einer Übergangsregierung: "Sie kommen zu uns und wir lösen einen Teil ihres F&E-Problems." Infrastrukturminister Andreas Reichhardt drückte hinsichtlich einer mehrjährigen Planbarkeit des Budgets für Forschungseinrichtungen und Förderagenturen die Hoffnung aus, "dass aus einem Forschungsrahmengesetz auch ein Forschungsfinanzierungsgesetz wird".

Bei der Veranstaltung, die im Zeichen des 15. "Geburtstags" der FFG und des Themas "Best of Future" stand, wurden auf drei verschiedenen Bühnen österreichische Forschungsprojekte präsentiert. Thematisch unterteilten sich die Bühnen auf "Digitale Zukunft in Österreich", "Missions-Auftrag für die Forschung" und "KI in der Forschung: Mit Ethik?". Zu sehen gab es etwa ein Verfahren, bei dem Arzneistoffe über einen Tintenstrahldrucker auf papierdünne Streifen ausgedruckt werden; eine Methode, die präventiv Stürze erkennen kann oder ein neuartiges Operationsmikroskop, das Chirurgen entlastet.

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