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Das Thema Wasserstoff müsse "europäisch" gedacht werden, so Strugl © APA (Punz)
Das Thema Wasserstoff müsse "europäisch" gedacht werden, so Strugl © APA (Punz)

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Strugl: Grünen Wasserstoff bevorzugen - Mellach wird Innovations-Hub

17.02.2020

Verbund-Vizevorstandschef Michael Strugl macht sich für eine Bevorzugung von "grünem Wasserstoff" stark, der nicht fossil, sondern mit Hilfe von Überschussstrom aus Erneuerbaren Energien gewonnen wird. Hier sollten "Hebel" überlegt werden, um diesen Wasserstoff in den Markt zu bringen - etwa eine steuerliche und regulatorische Incentivierung, sagte Strugl im APA-Interview.

Grüner Wasserstoff werde für die Energiewende eine große Rolle spielen, Stichwort Sektorkopplung. Sinnvoll zum Einsatz kommen könne dieser Rohstoff sowohl in der Industrie als auch im Bereich der Mobilität, auch könne er gut gespeichert werden. Das Thema Wasserstoff müsse aber "mindestens europäisch" gedacht werden, sagte Strugl: "Denn die Mengen, die man braucht, können in Österreich gar nicht erzeugt werden." Zu denken sei da beispielsweise an eine Produktion mithilfe von Solar- oder Windstrom. Die frühere Regierung habe im März 2019 ja eine Wasserstoff-Initiative gestartet, "ich gehe nach wie vor davon aus, dass das ein wichtiges Anliegen der Politik ist".

Gerade weil grüner Wasserstoff bei der Energiewende in der Sektorkopplung eine große Rolle spielen werde, wolle Verbund in diesem Bereich ein Vorreiter sein, betonte Strugl. Beim Stahl- und Technologiekonzern voestalpine in Linz läuft ja seit geraumer Zeit unter Einbindung von Verbund ein 6-Megawatt-Elektrolyse-Pilotprojekt, das größte Europas. Dort wolle man vorführen, wie die Dekarbonisierung im industriellen Bereich funktionieren könne.

Wasserstoff-Elektrolyse in Mellach

Auch am Verbund-Standort Mellach in der Steiermark, der zum zentralen Innovations-Hub des Stromkonzerns werden solle, wird Wasserstoff-Elektrolyse Strugl zufolge eine wichtige Rolle spielen - sowohl im Bereich der Hochtemperatur-Elektrolyse als auch in der klassischen PEM-Elektrolyse (Proton Exchange Membrane). Dort könne Verbund Demonstrations- und Probeanlagen in Kooperation mit Forschungsinstituten und Unternehmenspartnern durchführen, sagte der im Konzern unter anderem für Innovationen zuständige stellvertretende Vorstandschef.

In Mellach verfüge man über ein 12 Hektar großes Areal, die nötige Strom-, Gas- und Verkehrsinfrastruktur, das technische Personal und das Know-how. Nach der Kohleverfeuerung in Mellach, die mit Ende dieser Heizsaison auslaufen soll - derzeit wird noch Fernwärme für die Stadt Graz erzeugt -, solle der "Old-Economy-Standort" zu einem "New-Economy-Standort" werden. Dort werde man sich auch mit Speicher- und Batterie-Lösungen sowie digitalen Anwendungen befassen. Das Gaskraftwerk Mellach bleibt weiter zur Netzstabilisierung tätig.

Strugl fordert Ausbau erneuerbarer Energien

Für einen zügigeren Ausbau von Wasserkraft und erneuerbaren Energien sowie die nötigen Stromnetze sollte es rascher grünes Licht geben, fordert der Verbund-Vizechef: "Die Genehmigungsverfahren sind ja nicht unbedingt ein Beschleuniger." Wolle Österreich wie geplant die 100-prozentige Deckung des Strombedarfs mit Erneuerbaren erreichen - bilanziell über ein Jahr gerechnet -, was ohnedies schon schwer genug sei, müsse man sich etwas einfallen lassen, wie man Erzeugungsanlagen, Speicher und die Netzinfrastruktur in vernünftiger Zeit errichten könne.

Verbund selbst möchte laut Strugl seine Wasser- sowie Solar- und Wind-Erzeugungskapazität ausweiten, vom Zubau soll gemessen in der erzeugbaren Menge etwa ein Drittel auf Wasserkraft entfallen. Das bezieht sich aber nicht nur auf Österreich, sondern etwa bei der Wasserkraft auch auf Anlagenertüchtigungen in Deutschland, wo der Verbund in Bayern über entsprechende Kraftwerke verfügt. Bei Sonne und Wind seien, über diese beiden Länder hinaus, auch Zukäufe denkbar, gab Strugl zu verstehen, der von "anorganischen Überlegungen" sprach. Das hänge von jeweils gegebenen Opportunitäten ab, derzeit gebe es diesbezüglich aber nichts Konkretes.

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