Politik & Wirtschaft

Joanneum Research nimmt Förderungs-Vergabekriterien unter die Lupe © APA (dpa)
Joanneum Research nimmt Förderungs-Vergabekriterien unter die Lupe © APA (dpa)

APA

Garantiert gendergerecht: Konferenz zu chancengleicher Forschungsförderung

20.02.2020

Eine Forschungsförderung kommt selten allein, weiß Helene Schiffbänker. Wer einmal einen Grant bekommen hat, bekommt leichter einen zweiten. Deshalb sei es wichtig, eine gerechte Vergabe sicherzustellen. Schiffbänker und ihr Team untersuchen deshalb eine mögliche geschlechtsbezogene Verzerrung in Hinblick auf Erfolgs- und Bewilligungsraten. Das "Horizon2020"-Projekt wird am 24. Februar in Wien bei der GRANteD Stakeholder Konferenz vorgestellt.

"Im internationalen Vergleich gibt es ausreichend Daten dafür, dass Frauen niedrigere Erfolgsraten haben", erklärt die Projektkoordinatorin vom Institut für Wirtschafts- und Innovationsforschung von Joanneum Research im Gespräch mit APA-Science. Der Unterschied sei nicht wahnsinnig groß, aber trotzdem wichtig, "weil die Grants eine wichtige Entscheidung für den Karriereprozess sind". Die niedrigeren Erfolgsraten müssten aber nicht unbedingt eine geschlechterbezogene Ungerechtigkeit bedeuten, sondern könnten auch an schlechteren Performances der Bewerberinnen liegen - "denn in manchen Disziplinen kriegen sie auch mehr Grants. Deswegen müssen wir uns die Prozesse genau ansehen und auch, was die Indikatoren sind, mit denen wir die Leistung messen."

Zusammenarbeit mit fünf Forschungsförderern

Zurzeit arbeiten die Wissenschafter noch an der Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens, mit der Feldforschung wollen sie in der zweiten Jahreshälfte beginnen. Für das vierjährige Projekt möchte Schiffbänker mit fünf Forschungsförder-Institutionen unterschiedlicher Länder zusammenarbeiten. Neben dem österreichischen Wissenschaftsfonds FWF sowie Förderorganisationen aus Schweden und Irland (beides Länder mit einer diesbezüglich langen Tradition) stehen aktuell mit Tschechien und Portugal zwei potenzielle Kooperationspartner im Raum, die in diesem Bereich noch über weniger Erfahrung verfügen.

In laufenden Ausschreibungen sollen dann die Prozesse untersucht und analysiert, Bewerber befragt, Vergabeentscheidungen und Auswahlprozesse analysiert werden. "Uns ist dabei die Co-Kreation mit den Forschungsförderern wichtig", betont Schiffbänker. "Wir wissen, dass die Leute, die in diesen Einrichtungen arbeiten, viel Erfahrung haben damit, was am besten funktioniert. Wir wollen sie abholen und miteinbeziehen, statt im Elfenbeinturm zu arbeiten."

Die Unsicherheit bleibt

In einer früheren Studie für den Europäischen Forschungsrat (ERC) sind die Forscher bereits der Frage nachgegangen, warum Frauen geringere Erfolgsraten haben. Die Wissenschafter konnten damals feststellen, dass auf gewisse Faktoren wie beispielsweise Mobilität bei Frauen mehr geachtet wird als bei Männern. Persönlich habe Schiffbänker noch keine genderbezogene Ungerechtigkeit erfahren, aber die Unsicherheit bleibt: "Es werden oft Artikel abgelehnt, wo man sich dann fragt, woran es liegt", so Schiffbänker.

"Beginnend mit unserer ersten Konferenz laden wir Forschungsförderinnen und -förderer, Gender-Expertinnen und -Experten, Forscherinnen und Forscher, politische Entscheidungsträgerinnen und -träger und all jene, die an einer fairen Forschungsförderung interessiert sind, zu einem engagierten Diskurs ein. Wir wollen Erfahrungen und Tools zur Verbesserung der Fördermittelvergabe austauschen und aus der Förderpraxis heraus vertiefende Fragen für das Forschungsprojekt formulieren."

Service: Anmeldung zur Konferenz unter: https://www.granted-project.eu/stakeholder-conference/registration/

STICHWÖRTER
Gesellschaft  | Forschung  | Wien  | Wissenschaft  |
Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung