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Interaktives Tastrelief öffnet Kunst für beeinträchtigte Menschen

04.07.2019

Barrierefreie Kunstvermittlung ist das Hauptanliegen des von der EU geförderten Forschungsprojekts "ARCHES". In Zusammenarbeit mit rund 20 beeinträchtigten Personen entstanden u.a. ein neues interaktives Tastrelief und eine App. Vorgestellt wurden die Ergebnisse des Projekts bei der Abschlusspräsentation am Kunsthistorischen Museum (KHM) Wien.

Kultur sollte für alle "möglichst selbstbestimmt erlebbar werden", sagte Rotraut Krall, Leiterin des Projekts im KHM. Insgesamt zwölf internationale Partner arbeiteten ab Oktober 2016 in dem im Rahmen des EU-Forschungsförderungsprogramms Horizon 2020 finanzierten Vorhabens mit dem Titel "Barrierefreie Informationsträger zur Vermittlung kulturellen Erbes" zusammen. Koordiniert wurde es vom Wiener Zentrum für Virtual Reality und Visualisierung (VRVis).

Ab Anfang 2018 traf sich die aus Seh- oder Hörbeeinträchtigten oder Teilnehmern mit Lernschwierigkeiten bestehende Gruppe regelmäßig zu insgesamt 30 Workshops im KHM. Ziel war es, eine App und ein Tastrelief zu gestalten. Die Inhalte wurden von der Gruppe erarbeitet, betonte Krall.

20 barrierefreie Kunstwerke

In der noch nicht ganz fertiggestellten App finden sich barrierefreie Text-, Bild-, Audio- und Videoinformation zu 20 Kunstwerken aus dem KHM. Die Videos in Gebärdensprache stammen von der Wiener Firma Sign Time. Darüber hinaus haben die Teilnehmer virtuelle "Museumsrundgänge" erarbeitet, die in der App umgesetzt wurden.

Für das von VRVis-Experten um Andreas Reichinger erstellte neue Tastrelief entschloss sich die Gruppe für die Umsetzung des Gemäldes "Der Vogeldieb" (1568) von Pieter Bruegel dem Älteren. Bewegungen mit den Fingern auf dem Relief werden mit einem Computersystem registriert. So lassen sich dem Bild spielerisch Informationen oder auch Geräusche entlocken, die die Wiener Gruppe erarbeitet hat.

Neben dem neuen Relief, das ab Herbst auch in der Gemäldegalerie in der Nähe des Bruegel-Gemäldes aufgestellt sein soll, haben auch die fünf weiteren Museen, die an dem Projekt beteiligt waren, je ein solches System konstruiert. Alle teilnehmenden Institutionen werden im November in Madrid ihre Projektergebnisse präsentieren.

Am KHM selbst habe "ARCHES" einiges bewirkt, so Krall, die ab Oktober verstärkt barrierefreie Führungen ankündigte. Außerdem habe die enge Zusammenarbeit mit beeinträchtigten Personen im Museum das Nachdenken über bauliche Anpassungen verstärkt.

Service: https://www.arches-project.eu/de

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