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Politik soll für eine entsprechende Dotierung zu sorgen © APA (dpa)
Politik soll für eine entsprechende Dotierung zu sorgen © APA (dpa)

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Klinische Forschung: Innsbrucks Med-Uni sieht mangelnde Unterstützung

07.11.2019

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 40/2019 und nicht zwingend tagesaktuell

Die Med-Uni Innsbruck sieht Österreich aufgrund mangelnder Unterstützung der Politik im Bereich der Klinischen Forschung im Hintertreffen. "Österreich ist im Vergleich zu anderen Ländern nicht besonders gut aufgestellt", kritisierte Vizerektorin Christine Bandtlow bei einer Pressekonferenz.

Den Entschluss der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), keine Klinische Forschung mehr zu fördern, nannte sie "höchst bedauerlich". Jungen Menschen werde damit die Möglichkeit genommen, entsprechende Anträge zu stellen. Die Nationalbank hatte anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens 1966 eingerichteten Jubiläumsfonds inhaltlich neu ausgerichtet. Aus Mitteln des Fonds werden künftig nur Forschungsprojekte zu notenbankrelevanten Themen gefördert.

Die Medizinische Universität Innsbruck falle damit um rund zwei Millionen Euro pro Jahr an Mitteln für die klinische Forschung um, so Bandtlow. Dies könne man aus eigener Kraft "nicht auffangen". Zudem sei auch das beim Wissenschaftsfonds (FWF) angesiedelte Programm für die Klinische Forschung "unterdotiert". Es sei Aufgabe der Politik, für eine entsprechende Dotierung zu sorgen und damit sicherzustellen, dass das Land im internationalen Wettbewerb bestehen könne, erklärte die Vizerektorin für Forschung und Internationales. In hiesigen Gefilden verwechsle man offenbar immer noch von der Pharmaindustrie unterstützte Klinische Forschung mit der akademischen Forschung, die von der Pharmaindustrie unabhängig sei. Letztere könnten die Med-Unis nicht alleine finanzieren, hier brauche es die Unterstützung des Bundes.

Andere Staaten breiter aufgestellt

"Das ist sehr demotivierend für junge Leute. Forschung muss finanziert werden", betonte Bandtlow. In Österreich gebe es darüber hinaus nur ein, zwei Förderorganisationen, andere Staaten seien dahin gehend wesentlich breiter aufgestellt.

Mit Kritik wartete das Rektorenteam der Innsbrucker Med-Uni anlässlich des Pressegespräches bei ihrer "Halbzeitbilanz" zwei Jahre nach ihrem Amtsantritt auch an der Forderung nach mehr Medizin-Studienplätzen auf, nunmehr wieder aufs Tapet gebracht von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). Sie hatte eine deutliche Erhöhung auf etwa 3.000 Studienplätze gefordert. "Das macht absolut keinen Sinn. Eine solche Erhöhung stellt die Quotenregelung infrage. Das Argument für die Quote fällt dann weg", zeigte der Vizerektor für Lehre und Studienangelegenheiten, Peter Loidl, sein Unverständnis. "Wir brauchen nicht mehr Studienplätze", machte Loidl klar. Diese würden nicht dazu beitragen, dem Ärztemangel etwa in peripheren Regionen zu begegnen. Es brauche hier Maßnahmen seitens der Politik, die Universitäten könnten de facto wenig beitragen.

Wenig begeistert zeigte man sich übrigens auch von der vom Land Tirol geplanten "Medical School". "Wir haben ein ausgezeichnetes Angebot. Das ist ausreichend", so Rektor Wolfgang Fleischhacker.

Positive Bilanz der Med-Uni Innsbruck

Fleischhacker zog indes eine "höchst positive Bilanz" seiner beiden ersten Jahre an der Spitze der Med-Uni Innsbruck mit ihren 3.000 Studierenden und 2.000 Mitarbeitern. Zahlreiche Neuerungen habe man auf den Weg bringen können. Ein sichtbares Zeichen dafür sei etwa die "aktive Berufungspolitik". 19 neue Professoren seien berufen worden, 14 Verfahren würden derzeit laufen.

Durch die Ende 2018 abgeschlossenen Leistungsvereinbarungen habe zudem eine Steigerung des Budgets um 12,23 Prozent erreicht werden können. Zudem sei unter seiner Ägide auch die Zusammenarbeit mit den tirol kliniken und der Leopold-Franzens-Universität intensiviert worden.

Auch die Eifrigkeit der hiesigen Studenten wurde hervorgestrichen. Man könne auf "90 Prozent prüfungsaktive Studierende" verweisen, ein "Höchststand" bzw. Bestwert in Österreich, so Vizerektor Loidl. Auch bei den sogenannten "Turbostudenten" und der Drop-out-Quote liege man in Innsbruck bestens.

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