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IMBA-Chef Knoblich für Moratorium für Keimbahnveränderungen

03.12.2019

Für ein Moratorium für Keimbahnveränderungen spricht sich der Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), Jürgen Knoblich, aus. Designer-Babys mit Methoden wie der Genschere Crispr/Cas9 zu schaffen, sei "nicht vertretbar, weil wir letztendlich nicht die Sicherheit haben, was wir neben dem potenziellen Nutzen dem Kind an Schaden zufügen", sagte kürzlich in Wien.

Vor einem Jahr gab der chinesische Wissenschafter He Jiankui die Geburt zweier Mädchen bekannt. Er hatte das Erbgut der mit künstlicher Befruchtung gezeugten Kinder mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 so manipuliert, dass sie vor einer Ansteckung mit HIV geschützt sind. Erst vor kurzem hat der russische Wissenschafter Denis Rebrikow ankündigt, per vorgeburtlicher genetischer Manipulation erblich bedingte Taubheit heilen zu wollen.

Knoblich glaubt nicht, dass das so einfach funktioniere. Es werde sich erst herausstellen, welche weiteren Konsequenzen die Behandlung bei diesen Kindern habe, sagte er im Rahmen einer "Wiener Vorlesung" zum Thema "Mensch der Zukunft: Selbst gemacht?". Die Frage sei auch, wer dafür hafte, wenn irgendetwas schief gehe. "Ich habe ein Riesenproblem mit diesen Wissenschaftern, die aus der Tiefe des wissenschaftlichen Sumpfes versuchen hervorzusteigen und sich zu profilieren, durch irgendwelche skandalösen Aussagen und Experimente. Unter ernst zu nehmenden Wissenschaftern ist das im Augenblick kein ernsthafte Diskussion", so der Chef des IMBA, ein Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Der Molekularbiologe betonte, dass man sich im Klaren sein müsse, dass es andere Kulturkreise mit anderer Meinung gebe. Für ihn braucht es aber "globale ethische Ansätze in der Wissenschaft". Er sei in einem Komitee der "International Society for Stem Cell Research", "in dem wir Regeln definieren, wie wir mit Organoiden umgehen". Dabei handelt es sich um dreidimensionale, aus induzierten pluripotenten Stammzellen hergestellte Zellkulturen verschiedener Organe. "Da muss man sich im Klaren sein, dass es da nur einen Minimalkonsens geben wird", sagte Knoblich.

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