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Schulkritisches Musiktheater von Peter Androsch in Linz

20.01.2020

Unter dem vielsagenden Titel "Die Schule oder das Alphabet der Welt" erlebte ein "Musiktheater" des Linzer Komponisten Peter Androsch am 19. Jänner die Uraufführung im Linzer Musiktheater. Obwohl das Werk dem Opernspielplan zugeordnet ist, handelt es sich gleichermaßen um ein beklemmendes Stück Sprechtheater. Mit Androsch forschten dafür Silke Dörner und Bernhard Doppler als Autoren im Schularchiv.

Die Schule - das ist konkret das Linzer Akademische Gymnasium. Am Beispiel dieser auch heute noch angesehenen Institution entsteht in 25 Szenen ein Kaleidoskop aus Erinnerungen früherer Schüler, aber auch über die Entwicklung des Bildungssystems in den vergangenen hundert Jahren. Diese Bestandsaufnahme erweist sich als durchaus kritisch - bis in die Gegenwart unseres Schulsystems.

Spaß nur in der Pause

Die Szenenüberschriften machen dies deutlich: "Die Zerstörung der Welt durch Unterricht", "Die Herrschaft des Wahnsinns", "Der Stotterer" (der acht Jahre gequält wird und täglich drankommt). Spaß haben die Jugendlichen nur in der Unterrichtspause. Zeitgeschichtliche Bedeutung hat "das Akademische" nicht nur durch später prominente Absolventen, sondern auch durch spätere "Großverbrecher" wie Adolf Hitler, Adolf Eichmann oder August Eigruber - die zwar nicht Schüler des Gymnasiums waren, jedoch im Nahbereich aufwuchsen.

Manches an den Texten ist freilich langatmig - wie etwa das "Journal der 7. Klasse" über jeden Tag des Monats November 2017, mit den 30-mal gleichen Fragen: Wer fehlt, was schreibt die Zeitung, was spielen die Theater?, oder der Sprechchor über die "Leistungsbeurteilungsverordnung" - anderes wieder klingt ein wenig banal, wie die Arie über den Kürnberger Wald oder die Schwärmerei des jungen Alfred Maleta aus dem Maturajahrgang 1927 für seine Mitschülerin Geli Raubal, die Nichte Hitlers.

Andere Szenen wiederum bleiben länger in Erinnerung, etwa die Mitleid erregende Szene des Stotterers, der kaum die Anfangsbuchstaben eines Wortes herausbringt (großartig Jakob Kajetan Hofbauer) und die Choreografie der "Kunst des Aufzeigens", der stumme Chor, der zur Musik nur die Lippen bewegt, oder die Sprechchöre. Trotz mehrerer noch kurzfristig vorgenommener Striche ziehen sich die knapp über zwei Stunden der pausenlosen Aufführung doch in die Länge.

Musikalisch bunt

Peter Androschs Komposition ist gekennzeichnet von zumeist Stakkato-Akkorden, die unzählige Male wiederholt werden. Dabei sind sie aber durchaus tonal und farbig instrumentiert, mit hörbarer Vorliebe für die Bläser und das Vibraphon. Lyrische Melodien verbreiten nur gelegentliche Arien und Duette. Die Mitglieder des Bruckner Orchesters Linz werden rhythmisch durchaus gefordert, bewältigen aber ihre Aufgaben bravourös. Jinie Ka am Pult sorgt für die kompakte Wiedergabe.

Die Damen und Herren des Linzer Opernstudios (Svenja Isabella Kallweit, Etelka Sellei, Florence Losseau, Rafael Helbig-Kostka, Timothy Connor, Philipp Kranjc) und der Extrachor des Landestheaters sowie Schauspielstudierende der Bruckner Universität bilden stimmsicher und textdeutlich die fiktive Maturaklasse. Die Schauspieler Eva Maria Aichner und Horst Heiss schlüpfen in die Sprechrollen einstiger Professoren und Gymnasiasten.

Auf der von Renate Schuler im Stil eines Hörsaales gestalteten Bühne der Blackbox bändigt Regisseur Andreas von Studnitz die temperamentvolle Klasse mit ihren überdimensionalen, aber nicht zum Gymnasium gehörenden Schultüten. Anerkennender Beifall für alle Autoren und Interpreten. Ergänzend zur Aufführung gibt es in Linz ein vielfältiges Rahmenprogramm.

Service: "Die Schule oder das Alphabet der Welt", Musiktheater von Peter Androsch, mit Texten von Silke Dörner und Bernhard Doppler. Musikalische Leitung: Jinie Ka, Inszenierung: Andreas von Studnitz, Dramaturgie: Katharina John, Ira Goldbecher, Andreas Erdmann. Uraufführung Sonntag,19. Jänner, 20 Uhr, Musiktheater am Volksgarten, BlackBox. Weitere Vorstellungen: 23., 26., und 29. Jänner jeweils 17 Uhr, 4., 6., und 9. Februar jeweils 17 Uhr, 11. und 13. Februar jeweils 11 Uhr. Weitere Infos zum Projekt und Rahmenprogramm unter www.die-schule.at

Von Wolfgang Katzböck/APA

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