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Imamin Ates: Kopftuch mache "Mädchen zu Sexualobjekten." © APA (dpa)
Imamin Ates: Kopftuch mache "Mädchen zu Sexualobjekten." © APA (dpa)

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Säkulare Muslime in Deutschland und Schweiz für Kopftuchverbot

20.01.2020

Säkulare Muslime in Deutschland und der Schweiz unterstützen laut dem Linzer "Oö. Volksblatt" das von der ÖVP forcierte Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen. Die Berliner Imamin Seyran Ates sieht Kritiker wie den Wiener Theologen Paul Zulehner in einem "extremen Widerspruch", weil dessen Liberalismus die Fraktion der illiberalen Muslime stütze.

"Genau die, die wie Grüne und Linke für mehr Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen, unterstützen in einer anderen Religion die Orthodoxie", sagte die Initiatorin Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, wo sie - wegen vieler Morddrohungen unter permanentem Polizeischutz - einen säkularen Islam predigt, dem "Volksblatt". In Sachen Kopftuch sei ihre Position klar, so die ÖVP-nahe Regionalzeitung: "Wie können wir als offene Zivilgesellschaft akzeptieren, dass eine Religionsgemeinschaft sagt, sobald unsere weiblichen Mitglieder geschlechtsreif werden, müssen sie sich verhüllen? Das macht die Mädchen zu Sexualobjekten." Abgesehen davon sei das Kopftuch "absolut nicht religiös verankert". Denn der Islam kenne keine Symbolik, lehne Symbole sogar ab.

Schule müsse Schutzraum sein

Die Position der Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), wonach das Kopftuch eine freie Entscheidung der Trägerin sei, wies Ates im "Volksblatt"-Gespräch als "Scheinargument" zurück. "Weil die Heranwachsenden in der Machtsphäre der Eltern und Familienclans sind". Deshalb sei es "so wichtig, dass diese Mädchen wenigstens einen Raum haben, nämlich die Schule, wo sie ausprobieren können, wie es ist, nicht verhüllt zu sein".

Diesen Schutzraum hält auch die Schweizer Menschenrechtsaktivistin Saida Keller-Messahli für unerlässlich: "Die öffentliche Schule ist möglicherweise der einzige Ort wo ein muslimisches Mädchen die Erfahrung von Freiheit und Gleichberechtigung machen kann. Diesen Raum gilt es vor religiösen Begehrlichkeiten zu schützen", so die aus Tunesien stammende Mitunterzeichnerin der "Freiburger Deklaration säkularer Muslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz" (2016).

Auch ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen hielte sie wie Ates für richtig. "Eine Lehrperson vermittelt den Kindern ein lebendiges Beispiel dafür, dass Frau und Mann gleichwertig sind, während ein Kopftuch für das Gegenteil steht, nämlich, dass die Frau dem Mann nicht ebenbürtig ist". Das Vorgehen der IGGÖ gegen das bestehende Verbot offenbart für Keller-Messahli "die Verbissenheit, mit der Repräsentanten des politischen Islams kämpfen, wenn es um Mädchen und Frauen geht". Die Klage betrachtet sie daher als "schamlosen Übergriff."

Kopftuch nicht religiös verankert

Auch der aus Algerien stammende Islamwissenschafter Abdel-Hakim Ourghi findet: "Religiöse Symbole haben in der Schule nichts zu suchen". Der Leiter des Fachbereich Islamische Theologie/Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg habe ein Buch mit dem unzweideutigen Titel "Ihr müsst kein Kopftuch tragen" verfasst (erschienen im Claudius-Verlag, ISBN 978-3-532-62821-8), wie das "Volksblatt" festhielt. Auch er verwies darauf, dass das Kopftuch "keine religiöse Vorschrift ist, sondern eine kulturelle und gesellschaftliche Vorschrift, die männliche Herrschaft, unterstützt von Vertretern des politischen und konservativen Islam, realisieren will".

Ourghi zum "Volksblatt": "Es ist wirklich traurig: Im Iran und einigen nordafrikanischen Ländern demonstrieren Frauen gegen das Kopftuch als Symbol der Unterwerfung und gegen die Herrschaftsstrukturen der Männerwelt und hier bei uns wird im Namen einer missverstandenen Toleranz die Freiheit mit Unterdrückung verwechselt".

Ausweitung auf bis zu 14-Jährige geplant

Seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 ist an Volksschulen "Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist", verboten. Die Regierung will dies auf bis zu 14-jährige Mädchen ausweiten.

Die neue Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP) sieht zudem ein ebensolches für Lehrerinnen an öffentlichen Schulen als "möglichen nächsten Schritt". Während sie im "Ö1-Morgenjournal" in der türkis-grünen Regierung einen "breiten Konsens" dafür ortete, bezeichnete Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) dies kurz darauf als "nicht vorstellbar".

IGGÖ brachte Beschwerde ein

Die Islamische Glaubensgemeinschaft brachte laut "Kurier" Beschwerde gegen das Kopftuchverbot beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) ein. Die IGGÖ sieht durch das bereits unter Türkis-Blau beschlossene Verbot in Volksschulen Grundrechte wie Religionsfreiheit und das Vorrecht der Eltern auf die Erziehung verletzt. Der Beschwerde liegen zwei Fälle aus Wien zugrunde.

Der Theologe Zulehner hatte argumentiert, die von der neuen Regierung fortgesetzte "Kopftuchkränkung" gegenüber Muslimen in Österreich sei "kein Dienst am religiösen Frieden" in Österreich. Mit der Ausweitung des Kopftuchverbots würden "rassistische Vorurteile bestärkt, die bei einem Teil der Bevölkerung ausgeprägt vorhanden sind", so der Werteforscher.

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