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Corona: Verlass auf Wiener Forschung

05.04.2020

Neben Maßnahmen der medizinischen und psychosozialen Krisenstäbe zur Unterstützung aller Wienerinnen und Wiener sind die Bestrebungen der Stadt Wien in allen Lebensbereichen groß. Exemplarisch genannt seien die zehn Millionen Euro Home Office-Förderung für Kleinbetriebe, die Sonderprämie für 24-Stunden-Betreuerinnen, der sofort verhängte Delogierungstopp bei Wiener Wohnen sowie die Förderung für Kultureinrichtungen und freischaffende KünstlerInnen.

"Gerade die Corona-Krise verdeutlicht, wie bedeutend die Wissenschaft für unsere Gesellschaft ist. So wie uns Wissenschaftler*innen tagtäglich beim richtigen Umgang mit der aktuellen Situation unterstützen, müssen wir unsererseits dafür sorgen, dass diese Expert*innen weiterhin unbehindert arbeiten und forschen können", erklärt Wiens Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

Eine Million für 24 Forschungsprojekte

Fieberhaft wird derzeit in allen namhaften Wiener Universitäten und Forschungseinrichtungen verschiedener Disziplinen – von Natur- über Bildungs- bis Wirtschaftswissenschaft - nach Lösungen in allen Bereichen geforscht. Sechs Kategorien stehen dabei im Fokus: Das Virus verstehen und bekämpfen; Ausbau der Testkapazitäten; Epidemiologie und Public Health; Gesellschaft in der Krise; Bildung und Schule sowie Wirtschaft und Logistik.

Der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) stellt insgesamt eine Millionen Euro zur Verfügung und unterstützt damit 24 Projekte mit je maximal 50.000 Euro. Mit dieser "COVID-19 Rapid Response Förderung" kann zeitnah potenziell lebensrettende Forschung betrieben und wertvolle Daten gesammelt werden. Der WWTF-Geschäftsführer, Michael Stampfer sagte dazu: "Die Wissenschaft hat die Aufgabe, Daten in dieser Ausnahmesituation zu erheben und daraus wichtige Lektionen abzuleiten. Wien und Österreich können sich auf ihre Forscher-Community verlassen!"

Mehr Infos: www.wwtf.at/covid

Spitzenmedizin in Wien

Eines der geförderten Projekte starteten das CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und die Medizinischen Universität Wien (MedUni) gemeinsam mit Partnern. Mittels modernster Sequenzier- und Analysemethoden sollen wertvolle Erkenntnisse über die Genomentwicklung und den Mutationsverlauf des Virus gewonnen werden. Den Ausgang nahm Corona vermutlich im November 2019 in China und wurde vonWildtieren auf Menschen übertragen. Bis Ende März hat es sich in 180 Ländern verbreitet. Diese Fortentwicklung in der menschlichen Bevölkerung zu analysieren, erfordert es, die Genome der zirkulierenden Viren in vielen Teilen der Welt zu sammeln und in frei zugänglichen Datenbanken zu veröffentlichen.

Die Wiener Forscher ergänzen nun die bisher fehlenden Virusgenome aus Österreich. "Unsere Analysen adressieren wichtige Themen, wie die Verfolgung von Infektionsketten, sowie ein besseres molekulares Verständnis über die Entstehung von Virus-Mutationen und deren möglichen Einfluss auf den Verlauf der Pandemie und der akuten Atemwegserkrankung, die durch Sars-CoV-2 verursacht wird", sagt Andreas Bergthaler, Projektkoordinator und Forschungsgruppenleiter am CeMM. Am Freitag, 3. April wurden 21 Virengenome von gestrebten 1.000 in der Datenbank veröffentlicht. Diese Informationen sollen ein klares Bild der Virus-Evolution in Österreich liefern und vergleichende Analysen weltweit ermöglichen.

Mehr Infos: www.cemm.at, www.meduniwien.ac.at

Auch der neue Zusammenschluss von 20 Wiener Forschungsinstitute zur "Vienna COVID-19 Diagnostics Initiative" (VCDI) wird vom WWTF gefördert. Ziel ist es, eine neue Diagnose-Pipeline einzurichten und eine Reihe von Hoch-Durchsatz-Tests zu entwickeln. Eine automatisierte Pipeline wurde mit vereinten Kräften bereits am Vienna BioCenter geschaffen. Da weltweit die gleichen Reagenzien für Tests erforderlich sind, kommt es langsam zu Engpässen. Wiener ForscherInnen haben sie nun selbst entwickelt, was sie von externen Lieferungen unabhängig macht. Ihr Wissen und Forschungsergebnisse stellen sie auch anderen Labors und Unis zur Verfügung.

Mehr Infos: www.vcdi.net

Wirkstoff aus Wien zeigt Wirkung gegen Virus

Große Hoffnungen in der Suche nach einem Heilmittel trägt das internationale Forschungsteam rund um den Wiener Genetiker Josef Penninger. Der Gründungsdirektor des IMBA (Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) forscht derzeit in Kanada und hat bereits 2005 beeindruckende Erkenntnisse über ein verwandtes Coronavirus, das 2003 für den Ausbruch der Lungenkrankheit SARS sorgte, erforscht. Auf dieser Forschung wurde nun rasch aufgebaut, denn das neue SARS-CoV-2 Virus gelangt über denselben Mechanismus in die Zelle. Auch mit der Methode ist das IMBA seit 2018 vertraut. Dabei werden Organoide, also winzige, organähnliche Strukturen, eine Art Mini-Organe aus menschlichen Stammzellen entwickelt. Wie das Virus das Gewebe befällt und sich vervielfältig liefert wichtige Informationen. "Unsere früheren Arbeiten am IMBA haben dazu beigetragen, ACE2 schnell als Eintrittspforte für SARS-CoV-2 identifizieren zu können, was viel über die Krankheit erklärt", sagt Josef Penninger, "Ein Organoid ist zwar kein Patient, allerdings erlaubt es uns, gezielt und unter kontrollierten Bedingungen zu studieren, wie das Virus menschliches Gewebe befällt und wie man es dabei stoppen kann."

Das Forschungsteam hat herausgefunden, dass ein von der Wiener Biotechfirma Apeiron als Medikamentenkandidat entwickelte Wirkstoff die Infektion in diesen künstlich hergestellten menschlichen Geweben reduzieren kann. "Das motiviert uns natürlich umso mehr, im Rahmen von kontrollierten klinischen Studien die Wirksamkeit zu erproben", sagt Peter Llewellyn-Davies, CEO der Apeiron Biologics AG über die erfolgreiche Zusammenarbeit. Apeiron bereitet derzeit eine klinische Phase 2-Studie in Europa bei COVID-19 und prüft Optionen für die weitere klinische Entwicklung, z. B. in China.

Mehr Infos: www.imba.oeaw.ac.at, www.apeiron-biologics.com/

Erfolgreiche Life Sciences in Wien und der Welt

Unter der Leitung der Universität für Bodenkultur (BOKU) und der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) startete ein Projekt, das sich der Dunkelziffer an Covid19-Erkrankten widmet. Denn auch wenn diese Gruppe keine Symptome zeigt, entwickelt sie eine schützende Immunantwort. Für den Nachweis soll das Protokoll des ersten nicht-kommerziellen Antikörpertests genutzt werden, das von einem Österreicher in New York entwickelt wurde. Beteiligt sind weiters MedUni Wien und Uni Salzburg sowie weitere Forschungseinrichtungen, die Geräte und Expertise zur Verfügung stellen.

Bildgebende Verfahren ermöglichen Radiologen die Untersuchung von Auswirkungen der Infektion und von therapeutischen Maßnahmen auf die Lunge. Beim MedUni Wien Spin-off contextflow setzt man derzeit alles daran den Nutzen zu erhöhen, indem über spezialisierte Bild- und Textsuchen rasch vergleichbare Fälle gefunden werden. Die Software wurde nun speziell für die raschere Bewertung der Corona Scans optimiert. Und die Österreichische Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Klinische Chemie (ÖGLMKC) publiziert ab sofort die Standards für Labordiagnostik zu COVID-19: www.oeglmkc.at/corona.html

Die Anstrengungen auch an außeruniversitären Forschungseinrichtungen wie Institute der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das Institut für Höhere Studien, die St. Anna Kinderkrebsforschung, aber auch der Complexity Sience Hub, die Ludwig Boltzmann Gesellschaft und viele weitere Organisationen sind enorm.

Das Forschungszentrum Complexity Science Hub Vienna CSH wiederum hat die verschiedenen Maßnahmen aus 41 Ländern gesammelt, in Kategorien eingeteilt und in einer Datenbank veröffentlicht. Auf diese Weise lassen sich Ausgangsbeschränkungen, Sperren von Plätzen und Schutzmaskenpflicht in Beziehung mit Zuwachsraten setzen und länderweise vergleichen. Damit kann letztendlich die Wirksamkeit von Maßnahmen an der Realität geprüft werden. Wissenschafter können diese "CSH Covid-19 Control Strategies List (CCCSL) herunterladen und für eigene Analysen verwenden.

Mehr Infos: www.csh.ac.at

Ebenso liefert die Datenaufbereitung wichtige Beiträge, um das Virus und seine Entwicklung zu verstehen und letztendlich besiegen zu können. So hat der Wiener Kommunikationsspezialist Biolution ein gut verständliches Video zur Erklärung des Virus erstellt. Das Wiener Unternehmen dwh GmbH - Simulation Services und Technical Solutions hat gemeinsam mit der TU Wien eine Modellrechnung zur Epidemieausbreitung erstellt.

Mehr Infos: http://www.dwh.at/de/

Mehr Informationen über Life Sciences in Wien finden Sie zudem gesammelt unter: www.lisavienna.at/de/life-sciences-in-wien/covid-19

Rückfragehinweis:
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Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien (MA 53)
Stadtredaktion, Diensthabende/r Redakteur/in
01 4000-81081
dr@ma53.wien.gv.at
www.wien.gv.at/presse

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