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Am 11. April 1970 ist die "Apollo 13" von Cape Canaveral gestartet © APA (AFP)
Am 11. April 1970 ist die "Apollo 13" von Cape Canaveral gestartet © APA (AFP)

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"Erfolgreiches Scheitern": Das Drama der "Apollo 13" vor 50 Jahren

09.04.2020

Von der Situation an Bord der "Apollo 13" erfährt Frances Northcutt durch den Anruf eines Journalisten. In einem Sauerstofftank der Weltraumkapsel hat es eine Explosion gegeben, die Werte sinken dramatisch. Die drei Astronauten John Swigert, Fred Haise und James Lovell sind zu diesem Zeitpunkt mehr als 300.000 Kilometer von der Erde entfernt - und in akuter Lebensgefahr.

Northcutt, damals eine der wenigen Frauen im Dienst der US-Raumfahrtbehörde NASA, macht sich schnellstmöglich auf den Weg ins Kontrollzentrum in Houston im US-Bundesstaat Texas. Zwei Tage vorher, am Samstag (11. April) vor 50 Jahren, war die "Apollo 13" an Bord einer "Saturn V"-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet. Die erste bemannte Mondlandung war da erst wenige Monate her, eine zweite hatte es auch schon gegeben und zwei Astronauten der "Apollo 13" sollen nun ebenfalls über den Mond spazieren. Kommandant der Mission ist Jim Lovell (heute 92 Jahre alt), mit ihm sind Fred Haise (86) und - wegen eines Krankheitsfalls kurzfristig eingetauscht - Jack Swigert (1931-1982) an Bord.

NASA-Mondmissionen scheinen zu diesem Zeitpunkt fast schon routiniert - bis es rund 56 Stunden nach dem Start von "Apollo 13" zur Explosion im Sauerstofftank kommt. Die Astronauten hören einen Knall und bemerken eine Vibration, ein Warnlämpchen geht an. Swigert informiert das Kontrollzentrum in Houston, sein Satz geht in die Geschichte ein: "Houston, we've had a problem here."

"Alles bis zum Erbrechen simuliert"

Mathematikerin Northcutt hatte genau für diesen Fall Computerprogramme geschrieben, wie sie bei einer Veranstaltung der "New York Times" in New York erzählt. "Wir haben dann das gemacht, wofür die Programme entworfen worden waren. Die Menschen denken, dass wir da irgendwelche dramatischen Dinge gemacht haben müssen, aber ich hatte ja an einem Abbruchprogramm gearbeitet und wir hatten diese Dinge alle bis zum Erbrechen simuliert. Also haben wir einfach das gemacht, was für diesen Fall vorgesehen war, wir haben die Rückkehr zur Erde berechnet."

Die vorgesehene Mondlandung wird sofort abgebrochen. Das Kontrollzentrum bittet die Astronauten, in die an das Mutterraumschiff angedockte spinnenbeinige Mondlandefähre "Aquarius" umzusteigen, wo es noch genug Sauerstoff gibt. Währenddessen wird im Kontrollzentrum gerechnet: Die Mondlandefähre ist erst einmal ein Rettungsboot, würde aber den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht überstehen, dafür müssen die Astronauten zurück ins Mutterraumschiff. Wie viel Strom bleibt dafür nach der Explosion noch, wie viel Sauerstoff und wie viel Wasser?

Große Gefahr durch Kohlendioxid

"Wir hatten plötzlich jede Menge Probleme, aber das herausragendste war die Gefahr des Kohlendioxids", erinnert sich Kommandant Lovell später. "Wir atmen Kohlendioxid aus und wenn es nicht aus der Kabinenluft entfernt wird, dann wird es in hohen Konzentrationen giftig und wir waren auf dem Weg dahin. Aber wir konnten nichts machen. Das hätte uns umbringen können." Das Kontrollzentrum gibt eine improvisierte Lösung durch: "Sie haben uns gesagt, wie wir die Mondfähre mit Klebeband, Plastik und Pappe abdichten können."

Der defekte Teil des Raumschiffs wird abgesprengt, dann wechseln die Astronauten zurück in die Kapsel und navigieren mit einem komplizierten Manöver zurück zur Erde. Am 17. April 1970 - nach vier bangen Tagen - landet das Team in der Nähe von Amerikanisch-Samoa im Pazifischen Ozean.

"Echtes Vertrauen in die Software"

"Dank des Kontrollzentrums und unserer eigenen Anstrengungen haben wir es geschafft", so Lovell. "Es war vor allem großartiges Teamwork." Sie habe immer "echtes Vertrauen in die Software" gehabt, sagt die heute 76 Jahre alte NASA-Mathematikerin Northcutt. "Aber die große Frage war: Wie beschädigt ist das Raumschiff? Und das wusste keiner."

Das Rettungsmanöver verlief so knapp und spektakulär, dass Regisseur Ron Howard daraus 25 Jahre später einen erfolgreichen Hollywood-Film macht - mit Tom Hanks als Kommandant Lovell, der ihn "rundherum ziemlich gelungen" fand.

Vier weitere "Apollo"-Missionen bringen im Anschluss an "Apollo 13" noch erfolgreich US-Astronauten auf den Mond. Heutzutage plädiert Lovell dafür, wieder zum Mond zurückzukehren, wie die NASA das mit ihrem "Artemis"-Programm auch vorhat. "Der Mond ist nur 240.000 Meilen weit weg, aber der Mars Millionen. Es ist zu riskant, dorthin zu fliegen, ohne vorher mehr Zeit damit verbracht zu haben, zum Mond zu fliegen."

Raumfahrt ist immer gefährlich

Dass er selbst nicht auf dem Mond gelandet sei, habe ihn damals frustriert und enttäuscht, sagt Lovell. "Aber über die Jahre bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass dieser Unfall das Beste war, was der NASA je passieren konnte. Nach dem frühen Erfolg der Apollo-Missionen war man dort selbstgefällig geworden. Und dann gab es auf einmal eine mögliche Katastrophe, die unterstrichen hat, dass Raumfahrt einfach immer gefährlich ist."

Die NASA spricht inzwischen von einem "erfolgreichen Scheitern" - und Mathematikerin Northcutt ist sogar überzeugt davon, dass "Apollo 13" die erfolgreichste aller "Apollo"-Missionen war - noch vor der ersten Mondumrundung von "Apollo 8" und der ersten bemannten Mondlandung von "Apollo 11".

"Da habe ich keinen Zweifel dran. "Apollo 8" war die herausforderndste Mission, "Apollo 11" war die dankbarste Mission und "Apollo 13" war die erfolgreichste Mission, denn sie hat deutlich gemacht, dass wir einen verheerenden Notfall überstehen können", sagt sie. "Auch wenn wir nicht alle Ziele der Mission erfüllt haben, haben wir trotz einer echten Katastrophe an Bord das ultimative Ziel erreicht und das lautet: die Astronauten gesund nach Hause bringen. Denn der wichtigste Schritt ist nicht der auf einem anderen Planeten, sondern der, den die Astronauten wieder auf der Erde machen."

Von Christina Horsten/dpa

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