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Fernlehre bleibt bis Semesterende die Normalform © APA (dpa)
Fernlehre bleibt bis Semesterende die Normalform © APA (dpa)

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Von Vorlesung bis Prüfungen - Unis planen Rest des Semesters

09.04.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 14/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

An den Hochschulen wird der Betrieb wie angekündigt stufenweise wieder hochgefahren. Zwar wird der Vorlesungsbetrieb bis Ende Juni nur online stattfinden. Die Durchführung von Prüfungen solle aber gewährleistet werden, so Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einer Pressekonferenz. Auch der Forschungs- und Bibliotheksbetrieb soll wieder langsam anlaufen.

Er habe die Rektoren der Unis bzw. die Geschäftsführer der Fachhochschulen (FH) um eine Konzeption des weiteren Vorgehens ersucht, so Faßmann. Mündliche Prüfungen könnten etwa mit kleineren Kommissionen stattfinden, auch für schriftliche Klausuren werde es unter Einhaltung der Hygieneauflagen Lösungen geben. Die Universitäten seien auch zu einer Öffnung in den Sommermonaten bereit.

Demnächst sollen auch die Uni-Bibliotheken wieder geöffnet werden. Dies betrifft aber nur das Ausleihen von Büchern, nicht die Lesesäle.

Großteil über Distance Learning

Die Hochschulen planen derzeit den Ablauf des restlichen Sommersemesters. Klar dürfte jetzt schon sein, dass ein Großteil des Vorlesungsbetriebs bis Ende Juni im Distance Learning abgehalten wird. Noch nicht so weit ist man bei den Prüfungen: Für die schriftlichen Klausuren soll es in den nächsten Tagen Lösungen geben - etwa andere Prüfungsformate.

Laut der Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Sabine Seidler, haben sich viele Hochschulen bereits dazu entschlossen, alle Lehrveranstaltungen, die via Distance Learning abgehalten werden können, bis Semesterende auch so anzubieten. Dazu zählen etwa die Technische Universität (TU) Wien, die Wirtschaftsuniversität (WU) oder die Universität für Bodenkultur (Boku). An vielen anderen wird dies derzeit überlegt, zeigt ein Rundruf der APA.

Die Universität Wien hat etwa ihre Lehrenden aufgefordert, "Lehrveranstaltungen bis Ende des Semesters im home-learning zu planen, sofern dies möglich ist". Auch an der Uni Linz geht man davon aus, "dass Distance Learning bis Ende Juni die Normalform sein wird". In Bereichen wie Praktikaplätzen oder Labors brauche es aber noch tragfähige Lösungen. Einige andere Unis planen ähnlich, wollen dies aber erst in den kommenden Tagen bekanntgeben.

Keine baldige Öffnung der Hochschulen

Hintergrund der Maßnahmen ist, dass die Hochschulen nicht von einer baldigen Öffnung ausgehen. Selbst wenn die Regierung die diversen Beschränkungen schrittweise lockere, würden die Universitäten wohl erst relativ am Schluss "drankommen". Außerdem will man Studenten wie Lehrenden Planungssicherheit geben und Ressourcen für notwendige Übungen und schriftliche Prüfungen haben.

Auch über Unterricht und Prüfungen in der vorlesungsfreien Zeit wird nachgedacht. Die Boku hat etwa ihren Studenten schon mitgeteilt, dass für Juli und September 2020 die prüfungs- und lehrveranstaltungsfreie Zeit ausgesetzt wird. Lehrveranstaltungen wie Laborübungen, die nicht auf die digitale Form umgestellt und nicht ersetzt werden können, können daher auch in dieser Zeit absolviert werden. Auch der Senat der Technischen Universität (TU) Graz hat schon beschlossen, dass auch zwischen Juli und September Prüfungen und Lehrveranstaltungen gestattet werden - allerdings will man noch eine mindestens dreiwöchige lehrveranstaltungsfreie Zeit, voraussichtlich im August, festlegen.

Frage der schriftlichen Prüfungen

Bis nach Ostern soll auch feststehen, wie es mit schriftlichen Prüfungen weitergeht. Mündlich geprüft wird derzeit schon großteils. Klausuren sind aufgrund des Zusammentreffens vieler Menschen aber ein Problem. Hier gehen die Überlegungen etwa in Richtung anderer Prüfungsformate: So könnten z.B. schriftliche Prüfungen durch Heimarbeiten ersetzt werden bzw. auch Online-Prüfungen stattfinden, bei denen nicht reines Wissen abgefragt wird, sondern etwa Überlegungen zu komplexeren Fragestellungen angestellt werden müssen. Vereinzelt überlegt wird auch die Abhaltung von Prüfungen auf Freiflächen.

Vor den gleichen Problemen stehen viele Fachhochschulen (FH). Auch hier haben bereits einige Einrichtungen angekündigt, bis Ende des Semesters beim Distance Learning bleiben zu wollen, etwa die FHWien der Wirtschaftskammer oder die IMC FH Krems.

Uniko begrüßt Rückkehr zur Normalität

Trotz der Hürden begrüßt die Universitätenkonferenz (uniko) die stufenweise Rückkehr aus dem derzeitigen Notfallmodus. Den Unis sei es dabei besonders wichtig, dass sie weiter den Lehrbetrieb in ihrer Autonomie gestalten können, so Präsidentin Sabine Seidler gegenüber der APA. Dabei werde auch die Möglichkeit der Ausdehnung der Lehre auf die Sommermonate eine Rolle spielen. "Die Universitäten werden selbstverständlich die Einhaltung der Verhaltensregeln und Sicherheitsbestimmungen, angepasst an die Notwendigkeiten des Lehrbetriebs, beachten", betont Seidler. Auch bei der Abhaltung der Prüfungen würden die Auflagen für nichtdigitale Formate dementsprechend umgesetzt.

ÖH-Appell für Erlass der Studiengebühren

Nicht zufrieden ist dagegen die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH). "Es braucht endlich große Lösungen", so Vorsitzende Adrijana Novakovic in einer Aussendung. Erste kleine Lockerungen seien zwar schön und gut. "Die wichtigen Antworten ist uns das Ministerium aber immer noch schuldig. Wo bleibt die Regelung zur Rückerstattung der Studiengebühren? Die Studierenden können nicht länger warten."

Die ÖH appelliert an den Bildungsminister, für das Sommersemester die Studiengebühren zu erlassen bzw. rückzuerstatten. Der Nationalrat hat den Minister dazu ermächtigt, diesen Schritt per Verordnung zu setzen. Die uniko sieht die ÖH-Forderung allerdings "derzeit nicht gerechtfertigt".

Studienfortschritt durch Krise beschränkt

Die derzeitige Krise treffe Studierende in besonderem Ausmaß, heißt es in einem Offenen Brief der ÖH an Faßmann. "Viele von ihnen sehen sich derzeit gezwungen, aufgrund der fehlenden Möglichkeit auf Kurzarbeit für geringfügige Arbeitsverhältnisse sowohl einen Verlust der Erwerbstätigkeit als auch eine Beschränkung des Studienfortschritts hinzunehmen." Studenten aus Drittstaaten müssten ohne Einkommen sogar für die doppelten Studiengebühren aufkommen.

Nach derzeitiger Gesetzeslage können Hochschulen autonom entscheiden, die Studiengebühren für einzelne Gruppen zu erlassen. "Die momentane Situation erfordert aber jedenfalls eine zentrale Entscheidung durch Gesetze und Verordnungen und eine Finanzierung durch den Staat", so die ÖH.

Seidler plädiert dagegen dafür, mit einer Entscheidung über den generellen Erlass von Studiengebühren bis Ende Juni zuzuwarten. Mit der geplanten Einführung eines "neutralen Semesters" für die Beihilfen, der erwarteten Verlängerung der Nachfrist für das Wintersemester 2019/20 bis zum 30. Juni und der Option, auch im Sommer Lehrveranstaltungen zu absolvieren, könnten Studierende auch im "Notbetrieb" das Studium unter erschwerten Bedingungen fortsetzen, so Seidler in einer Aussendung. Kurzfristige soziale Bedürftigkeit sollte über eine weitere Aufstockung des Härtefallfonds der ÖH abgefangen werden.

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