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Experte fordert rasches Handeln bezüglich Erderwärmung © APA (AFP/Archivbild)
Experte fordert rasches Handeln bezüglich Erderwärmung © APA (AFP/Archivbild)

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Deutscher Klimaforscher und PIK-Gründer Schellnhuber wird 70

01.06.2020

Der deutsche Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber wurde mit seinen Forschungen zu "Tipping Points", den Kippelementen, bekannt. Er war zudem Gründer und bis 2018 Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in Deutschland, ist langjähriges Mitglied des Weltklimarats (IPCC) und der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Am 7. Juni wird der Klimaforscher 70 Jahre alt.

"Das war vermutlich meine größte Lebensleistung", sagt Schellnhuber über das Königlich-Preußische Observatorium, das er in knapp dreißig Jahren zum weltweit anerkannten PIK formte. Der damalige deutsche Forschungsminister Heinz Riesenhuber (CDU) hatte den Physiker 1992 von der Universität Oldenburg als Gründungsdirektor des PIK nach Potsdam geholt. In Niedersachsen hatte Schellnhuber ein Forschungsprojekt zur Auswirkung des steigenden Meeresspiegels auf das Watt geleitet. "Damals war der menschengemachte Klimawandel noch ein recht exotisches Thema", so der Wissenschafter. "Aber mir war schnell klar, dass es ein Jahrhundertthema werden kann."

Konzept der Kippelemente eingeführt

Der Physiker brachte das Konzept der Kippelemente beziehungsweise Kipppunkte in die Klimaforschung ein. Zuvor war man davon ausgegangen, dass die Veränderungen im Erdsystem sich mit allmählicher Erwärmung langsam und stetig entwickeln. "Es gibt aber Kippelemente, bei denen sich der Wechsel ab einer bestimmten Temperatur abrupt und unumkehrbar vollzieht", erläutert Schellnhuber. Dazu gehöre das Abschmelzen der Eisschilde, das Versiegen des Golfstroms oder das Entgleisen des indischen Sommermonsuns. Auch das heute völkerrechtlich anerkannte und auf der Pariser Klimakonferenz von fast allen Staaten der Welt beschlossene Ziel, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten, geht auf Schellnhuber zurück.

"Wir haben damals mit rund 20 Mitarbeitern in Büros der ehemaligen Stasi-Zentrale an der Berliner Normannenstraße angefangen", erinnert sich Schellnhuber an die Anfänge des PIK. 1994 nutzte er die Chance zum Umzug in die historischen Gebäude auf dem Potsdamer Telegrafenberg, in denen schon Albert Einstein seine Relativitätstheorie weiterentwickelt hatte. Sein wachsendes wissenschaftliches Renommee sorgte dafür, dass er das PIK stetig ausbauen konnte. "Ich hatte hochkarätige Angebote aus Großbritannien und den USA", sagt Schellnhuber. "Und in den "Bleibe-Verhandlungen" mit den zuständigen Ministerien konnte ich stets Mittel für die Gebäudesanierung und den Ausbau des Instituts herausschlagen." Inzwischen arbeiten am PIK 300 feste Mitarbeiter und bis zu 100 Gastforscher in fünf Häusern.

Wissenschaftliche Arbeit fortgesetzt

Der 69-Jährige hat im September 2018 die Leitung des PIK abgegeben. Seine wissenschaftliche Arbeit setzt er fort. "Ich stehe jeden Morgen um 5.15 Uhr auf und gehe um Mitternacht zu Bett", beschreibt Schellnhuber seinen Alltag. Für dieses Jahr habe er sich sieben bis acht Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vorgenommen. Er ist weiter Mitglied in wissenschaftlichen Akademien weltweit und Berater von Papst Franziskus, dessen Umweltenzyklika er 2015 mit vorgestellt hatte.

Doch sein Ziel, dass die Erderwärmung durch eine spürbare Reduktion der Verbrennung fossiler Energie auf maximal zwei Grad begrenzt wird, hat Schellnhuber noch nicht erreicht. "Der Politik fällt es schwer, langfristige Ziele zu verwirklichen, sie sucht stets kurzfristige Lösungen", urteilt der Wissenschafter. Für geeignete Maßnahmen gebe es aber nur noch einen Zeitraum von etwa zehn Jahren. "Technisch, physikalisch und selbst wirtschaftlich können wir die Begrenzung noch erreichen", sagt Schellnhuber. "Wenn wir noch eine Dekade verlieren, dann ist der Zug wahrscheinlich abgefahren."

Frühere Reaktion in Corona-Krise empfohlen

Dies sei ähnlich wie in der derzeitigen Corona-Krise, meint er. "Hätte man eine Woche früher reagiert, wären Zehntausende Menschen gerettet worden." Und am härtesten seien Länder wie die USA, Russland, Großbritannien und Brasilien getroffen. "Weil sie die Wissenschaft nicht ernst genommen haben."

"Wenn nichts geschieht, wird die Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts vier bis fünf Grad betragen", mahnt der Wissenschafter. "Erdgeschichtlich gesehen wäre das eine Zeitreise von 30 Millionen Jahren zurück, mit verheerenden Wetter-Extremen und Meeresspiegel-Anstieg."

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