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Es wird noch immer weniger Holz genutzt als zuwächst, trotz Borkenkäfer © APA (dpa/Karmann)
Es wird noch immer weniger Holz genutzt als zuwächst, trotz Borkenkäfer © APA (dpa/Karmann)

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TU-Studie prüfte Erzeugung von Gas und Diesel aus Schadholz

05.08.2020

Nachdem die Forstwirtschaft seit einigen Jahren mit dem Problem der Borkenkäfer-Plage zu kämpfen hat, könnte in der Zukunft das von ihm verursachte Schadholz den Weg zur Klimaneutralität dieses Wirtschaftssektors ebnen. Mit dem Rohstoff soll in Zukunft Holzgas und Treibstoff hergestellt werden. Eine Studie der Technischen Universität (TU) Wien empfiehlt den Bau eines Reallabors als Zwischenschritt.

Die Machbarkeitsstudie wurde von Landwirtschaftsministerium in Auftrag gegeben, die das Reallabor im Maßstab 1:20 auch mit 30 Millionen aus dem 350 Millionen Euro schweren Waldfonds zu finanzieren gedenkt. Würde man dann eine 100 Megawatt (MW) starke Anlage realisieren würden die Holzdiesel-Produktionskosten von 1,15 bis 1,40 Euro pro Liter ergeben, die 90 Prozent weniger Treibhausgase als herkömmlicher Diesel zu verantworten hätten.

Elisabeth Köstinger (ÖVP) nannte in einem Statement dabei den Wald Lösung für das Problem Klimawandel, da so eine Alternative zu den fossilen Energieträgern geschaffen werde. Es gebe nicht nur Biomasse in Heizungen oder Fernwärme, sondern mit "Holzgas und Holzdiesel weitere nachhaltige Alternativen mit viel Potenzial im Bereich der Erneuerbaren Energie. Darum widmen wir eine der zehn Maßnahmen in unserem Waldfonds-Paket dem Forschungsschwerpunkt zur Erzeugung von Holzgas und Treibstoffen aus Holz".

Flüssige Kohlenwasserstoffe mit "Diesel"-Eigenschaften

Die nun vorliegende TU-Studie hat einerseits die Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Synthese) zur Herstellung von Holzdiesel untersucht, ein bereits seit rund 100 Jahren bekanntes Verfahren mit dem flüssige Kohlenwasserstoffe mit "Diesel"-Eigenschaften hergestellt werden können, sowie die Methan-Synthese zur Herstellung von Holzgas in den Fokus gestellt. Beides seien einander sehr ähnliche Prozesse, hieß es im Endbericht. Einer der wichtigsten Feststellungen lautet, dass hier "hochwertige Bio-Kraftstoffe, die zu 100 Prozent in der bestehenden Infrastruktur eingesetzt werden können (Drop-in-Fuels) und um 90 Prozent niedrigere Treibhausgas-Emissionen aufweisen als herkömmlicher fossiler Diesel" hergestellt werden können. Drop-in-Fuels bedeutet die Möglichkeit herkömmliche Dieselmotoren ohne Umrüsten mit diesem Treibstoff betreiben zu können.

Im Falle der FT-Synthese wurde vonseiten der TU das besagte Reallabor vorgeschlagen, da hier die Erzeugung noch optimiert werden müsse. Investitionskosten zwischen 18,5 und 31,5 Mio. Euro wurden berechnet, um die Erzeugung industrieller Kraftstoffe mit dem Rohstoff Biomasse auszutesten. Erst durch die Forschung im praxisnahen Anlagenbetrieb sollen dann letztendlich Großanlagen errichtet werden.

Erdölausstieg auf Basis heimischer Technologie

"Bis 2040 will Österreich aus Erdöl, Erdgas und Kohle aussteigen. Mit Holzdiesel und Holzgas können wir Bereiche defossilisieren, für die es aktuell keine brauchbaren Alternativen gibt. In der Land- und Forstwirtschaft können wir den Erdölausstieg auf Basis heimischer Technologie und heimischer Rohstoffe bis 2035 erreichen", erinnert Biomasseverband-Präsident Franz Titschenbacher in diesem Kontext an die Klimaziele Österreichs.

Das Holz sollte jedenfalls nicht ausgehen, denn laut Informationen aus dem Landwirtschaftsministerium ist das Holzvolumen in Österreichs Wäldern seit 1970 um über 40 Prozent angewachsen. Es wird noch immer weniger Holz genutzt als zuwächst, trotz Borkenkäfer. Nicht geklärt wurde jedoch die Frage, wo das Reallabor und infolge die großtechnischen Anlagen stehen sollen, auch die konkreten Leistungsgrößen gilt es noch festzulegen. Die wirtschaftliche Bewertung für die Ausrollung der Technologie im Maßstab einer 100 Megawatt (MW) starke Anlage ergab Holzdiesel-Produktionskosten von 1,15 bis 1,40 Euro pro Liter und Holzgas-Produktionskosten von 65 bis 80 Euro pro MWH.

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