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Nagetier kann sich laut Analyse noch weit großflächiger verbreiten © APA (dpa)
Nagetier kann sich laut Analyse noch weit großflächiger verbreiten © APA (dpa)

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Klimawandel spielt der eingeschleppten Nutria in Europa in die Karten

06.08.2020

Optisch zwischen Biber und Ratte angesiedelt, hat die aus Südamerika stammende Nutria auch den selbsterklärenden Beinamen "Biberratte" erhalten. Mittlerweile ist das einst zahlreich in Pelztierfarmen gehaltene Tier in weiten Teilen Europas zuhause. Auch durch den Klimawandel sind die Tiere in unseren Breiten aber noch nicht am Verbreitungs-Plafond angekommen, wie Wiener Forscher berechneten.

Seit 2015 findet sich das Nagetier auf der EU-Liste jener eingeschleppten Arten, deren Ausbreitung in Europa verhindert werden soll. Nutrias wurden vor allem im Zuge des weitgehenden Zusammenbruchs des Pelztiermarkes in Europa oft ausgesetzt. Das hatte zur Folge, dass das anpassungsfähige Tier mit etwas kleineren Maßen als ein Biber in vielen Teilen des Kontinents mittlerweile gehäuft auftritt. So habe man beispielsweise entlang von Leitha, March und Mur oder am Neusiedler See schon Chancen, einem Vertreter der invasiven Spezies zu begegnen. Auch in Deutschland, Frankreich, Italien oder Tschechien nimmt der Bestand mancherorts schon schädliche Ausmaße an, heißt es in einer Aussendung der Universität Wien.

Im Fachmagazin "NeoBiota" ging ein Forschungsteam um Anna Schertler und Franz Essl der Frage nach, in wieweit Nutrias sich in Europa noch vermehren könnten. Die auf Basis von Verbreitungsdaten der Tiere über den ganzen Kontinent hinweg und Klimaprognosen getroffene Antwort ist demnach, dass Nutrias noch viel Luft nach oben haben. "Es zeigte sich, dass die derzeit bekannten Vorkommen nicht einmal die Hälfte der potenziell geeigneten Fläche in Europa abdecken", es sei daher mit einer deutlichen weiteren Ausbreitung zu rechnen, so Essl. Dazu komme, dass auch durch die klimatische Erwärmung "nördlichere Regionen zunehmend nutriafreundlicher" würden. "Wie die Art auf trockenere und heißere Bedingungen im Süden reagieren wird, sollte aber noch genauer erforscht werden", sagte Schertler.

Da die Tiere in der Landwirtschaft oder durch ihre Höhlensysteme in Uferbereichen Schäden anrichten können, mitunter seltene Pflanzenarten vertilgen oder Krankheiten übertragen können, brauche es gezielte Maßnahmen, um sie in ihrer Ausbreitung einzuhegen. So sollten etwa in urbanen Räumen Bewohner die Nutrias nicht füttern. Hier brauche es Aufklärungsarbeit, so die Forscher, die die Bevölkerung auch darauf hinweisen, Sichtungen der Tiere etwa auf der Online-Forschungsplattform "NaturaList" zu melden.

Service: Die Arbeit in "NeoBiota": https://doi.org/10.3897/neobiota.58.33118; Plattform "NaturaList": http://go.apa.at/GuD0qRRF

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