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2019 übernahm Ehrenfreund als erste Frau die Präsidentschaft der IAF © APA-SCIENCE
2019 übernahm Ehrenfreund als erste Frau die Präsidentschaft der IAF © APA-SCIENCE

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Pascale Ehrenfreund wechselt vom DLR "zurück in die Raumfahrtpolitik"

03.09.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 31/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Nach fünf "spannenden und erfolgreichen" Jahren an der Spitze des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wechselt die österreichische Astrobiologin Pascale Ehrenfreund in die Raumfahrtpolitik. Als Präsidentin der International Astronautical Federation (IAF) will sie die Weltraum-Gemeinschaft in Zeiten der Pandemie virtuell zusammenbringen und sich Raumfahrt-Trends wie "New Space" widmen.

Ihr Resümee über die Zeit als Vorstandsvorsitzende des DLR fällt überaus positiv aus, wie Ehrenfreund der APA kürzlich am Rande der Alpbacher Technologiegespräche erzählte. "Das DLR hat jetzt über 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an 30 Standorten in 51 Instituten in 13 Bundesländern in Deutschland an wirklich spannenden Themen arbeiten - in Luftfahrt, Raumfahrt, Verkehr, Energie und Sicherheit", sagte Ehrenfreund. "Signifikant war, dass wir seit 2017 20 neue Institute gegründet haben. Das ist schon ein bisschen disruptiv, ein extrem rasantes Wachstum."

"Für die Zukunft sehr gut aufgestellt"

Die neuen Institute widmen sich etwa der Digitalisierung in der Luftfahrt, der Quantentechnologie, der Sicherheit von terrestrischen und maritimen Infrastrukturen, Energiespeichersystemen, vernetzten Systemen, Smart Mobility, der Weltraumwetterüberwachung oder elektrischem und unbemanntem Fliegen. In der 2017 beschlossenen "Strategie 2030" wurde der Schwerpunkt auf Interdisziplinarität gelegt. Mit diesen Themen und Maßnahmen sieht die Wissenschafterin, die 2015 nach zwei Jahren als Präsidentin des Wissenschaftsfonds (FWF) zum DLR gewechselt war, die Organisation "für die Zukunft sehr gut aufgestellt".

Im Zuge der Coronakrise wurden die 9.000 DLR-Mitarbeiter Mitte März unter dem Motto "Maximale Leistungsfähigkeit, physische Distanz" ins Homeoffice geschickt und ein kontinuierlich tagendes Krisenteam gegründet. "Langsam kommen die Leute zurück, aber für alle Organisationen wird sich eine Transformation ergeben", spricht Ehrenfreund die längerfristigen Folgen der Pandemie an, die sie auch in ihrer künftigen Rolle beschäftigen werden. "Ich bin ein Raumfahrer. Ich gehe jetzt in die Raumfahrtpolitik zurück", beschreibt sie ihre nächste Karrierestufe, die ihr aber nicht unbekannt ist. Bereits seit 2008 ist sie Professorin für Space Policy and International Affairs am Space Policy Institute der George Washington University sowie Lead Investigator am NASA Astrobiology Institute.

IAF "fest in österreichischer Hand"

Im Oktober 2019 übernahm sie als erste Frau die Präsidentschaft der 1951 gegründeten International Astronautical Federation. "Das ist das größte Gremium der Raumfahrt weltweit mit 400 Mitgliedern aus 70 Ländern. Da sitzen alle Stakeholder drin, die sich mit Raumfahrt beschäftigen - Raumfahrtagenturen, Industrie, Universitäten", so Ehrenfreund, die am 24. Juni ihren 60. Geburtstag gefeiert hat. Das IAF sei nun "fest in österreichischer Hand", wie sie schmunzelnd feststellt, denn auch der Executive Director Christian Feichtinger ist Österreicher. "Wir bemühen uns, weltweit vor allem in dieser Coronazeit die Leute zusammenzubringen, weil es gibt nun auch die Chance, eine größere Gemeinschaft anzusprechen." So wird der alljährlich üblicherweise mit gut 6.000 Besuchern stattfindende International Astronautical Congress diesmal als "Cyberspace Edition" organisiert.

In der Welt der Raumfahrt sieht Ehrenfreund mit dem Aufkommen des "New Space"-Sektors einen Paradigmenwechsel angebrochen: "Das Spannendste im Moment ist wirklich New Space und dass Firmen wie Space X oder Blue Origin hier mitmischen und Geschäftsmodelle aufbauen, die risikoreich sind und Dinge enorm beschleunigen in der Raumfahrt." Diese von der NASA initiierte Kommerzialisierung - indem etwa der Bau von Raketen und Raumfähren oder Versorgungsflüge zur Raumstation ISS an private Anbieter ausgelagert werden - habe einen enormen Impuls gebracht, der in Europa noch etwas zu zaghaft aufgegriffen werde. Diese Dynamik will die Expertin jedenfalls auch in der IAF nützen und New Space-Plattformen und Start-ups aus diesem Bereich fördern und unterstützen.

Argumenten, wonach die Investitionen in Weltraummissionen besser auf der Erde angelegt wären, kann sie wenig abgewinnen. "Die Weltwirtschaft ist wirklich abhängig von der Raumfahrt", gibt sie mit Blick auf Erdbeobachtungs-, Wetter-, Navigations- oder Telekommunikationssatelliten zu bedenken. Bemannte Raumfahrtmissionen wiederum könnten etwa dazu dienen, junge Menschen für die MINT-Fächer zu interessieren und ihnen näherzubringen, "wie alles zusammenhängt und wie wichtig und einzigartig unser Planet ist". "Ich muss ehrlich sagen, ich habe keinen Rechtfertigungsdruck für die Raumfahrt, weil sie so viel leistet."

Service: Sämtliche Meldungen zu den Alpbacher Technologiegesprächen finden Sie hier: http://science.apa.at/koop/alpbach2020

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