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Wettlauf um neue Universität zwischen Linz, Wels und Leonding

24.09.2020

Knapp vier Wochen ist es her, dass Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit Plänen für die Errichtung einer neuen Technischen Universität (TU) in Oberösterreich bis 2024, mit dem Schwerpunkt Digitalisierung, die Mitglieder seiner Regierung, die Universitäten und die Scientific Community überrascht hat. Seither zeigen in unterschiedlichen Intervallen politisch Verantwortliche auf, um ihre Städte als Standort anzupreisen. Nach der Landeshauptstadt Linz (206.000 Einwohner) und der zweitgrößten Statutarstadt Wels (62.000) meldete diese Woche auch die Bürgermeisterin von Leonding, Oberösterreichs viertgrößter Stadt (31.000), angesiedelt im westlichen Linzer Speckgürtel, ihre Bewerbung gegenüber der KRONE an.

Eine "Realisierung in dieser Legislaturperiode" bedeute, dass die neue TU "im neuen Universitätsbudget mitgedacht werden muss", und dieses sei bis 31. Oktober gesetzlich zu fixieren, erklärte die Rektorin der TU Wien, uniko-Präsidentin Sabine Seidler, in ihrer Reaktion am Tag der Verkündung gegenüber der APA. Sie spielte damit auf den Zeitrahmen für die neue Periode der Leistungsvereinbarungen für die Universitäten 2022 bis 2024 an, die auch das letzte Jahr der Gesetzgebungsperiode einschließt. Erfreut vernommen hat Seidler die Aussage von Kurz, dass es mehr Mittel für Wissenschaft und Forschung geben soll: "Die optimistische Interpretation wäre jetzt, dass unsere Forderung nach zusätzlichen 2,1 Milliarden Euro für die kommende Leistungsvereinbarungsperiode umgesetzt wird." Den Plan zur Einrichtung einer zusätzlichen TU in Linz hält die Rektorin der TU Wien allerdings nicht für sinnvoll - auch nicht gegenüber der Universität Linz (JKU) mit ihrer Technik-Fakultät.

Gute Versorgung. Tags zuvor, als die Pläne erstmals medial veröffentlicht wurden, räumte Seidler auf APA-Anfrage ein: "Ich musste einmal tief Luft holen. Ich bin da immer hin- und hergerissen." Einerseits sei es gut, wenn mehr Geld ins System komme. Andererseits dürfe das "nicht zulasten des bestehenden Systems gehen - und letzteres wird in der Regel nie eingehalten". Keinen Bedarf an einer weiteren TU ortete der Präsident der TU Austria, des Zusammenschlusses von TU Wien, TU Graz, Montanuni Leoben, und Rektor der TU Graz, Harald Kainz: "Österreich ist mit drei technischen Universitäten schon sehr gut versorgt. In Bayern und Baden-Württemberg gibt es je zwei, in Hessen eine, und das sind Länder in der Größenordnung Österreichs bzw. größer."

Zuletzt kündigte der Rektor der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, Meinhard Lukas an, der Campus der JKU werde erweitert, in der sogenannten House of Schools könnte die neue Technische Universität für Digitalisierung einziehen. Bei einer Verschränkung der TU mit der JKU ließe sich die bestehende Lehr- und Verwaltungsinfrastruktur gemeinsam nutzen - gemäß der Formel "zwei Universitäten, ein Campus, eine Verwaltung".

Quelle: uniko

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