Politik & Wirtschaft

Bisherige Behandlungsoptionen sind begrenzt © APA (AFP)
Bisherige Behandlungsoptionen sind begrenzt © APA (AFP)

APA

Innsbrucker Forscher zeigen Wirkung von Cannabinoid bei Parkinson

24.09.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 34/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Neben motorischen Auswirkungen haben Parkinson-Patienten auch mit nichtmotorischen Symptomen (NMS) wie etwa Funktionsstörungen des autonomen Nervensystems, Geruchsstörungen oder Wahrnehmungsstörungen zu kämpfen. Forscher der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie erbrachten nun den Nachweis, dass ein Cannabinoid diese Auswirkungen lindern kann. Erstmals wurde im Fachjournal "Annals of Neurology" eine randomisiert kontrollierte Studie veröffentlicht.

Diese nichtmotorischen Auswirkungen "können die typischen motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit um Jahre oder sogar Jahrzehnte vorwegnehmen", erklärte Klaus Seppi, korrespondierender Autor der Studie, die Problematik in einer Aussendung der Medizinischen Universität Innsbruck. Die dadurch entstehenden Belastungen würden im Allgemeinen während des Krankheitsverlaufs zunehmen, jedoch seien die bisherigen Behandlungsoptionen begrenzt oder auch unzureichend.

Wirkung von Nabilon untersucht

"Die potenzielle therapeutische Wirkung von Cannabinoiden auf Motorik und NMS bei Parkinson ist ein wichtiges Thema und wird häufig von Patientinnen und Patienten im Behandlungsraum angesprochen", berichtete Studienautorin Marina Peball. Für die Studie habe man Nabilon - ein Cannabinoid, das gegen Chemotherapie-induzierte Übelkeit zugelassen ist - herangezogen.

"In unserer Studie haben wir die Wirkung von Nabilon auf die kontrollierte Behandlung von NMS bei Parkinson randomisiert und doppel-blind sowie Placebo-kontrolliert bei einer hohen Zahl an PatientInnen untersucht", sagte Seppi. Zu diesem Zweck wurde ein Entzugsdesign verwendet, nachdem alle an der Studie teilgenommenen Patienten auf Nabilon eingestellt wurden. Bei dem Präparat handelt es sich um ein synthetisches Analogon von Tetrahydrocannabinol, der psychoaktiven Komponente von Cannabis, mit ähnlichen pharmakologischen Eigenschaften.

Durch die Studie konnte gezeigt werden, dass die "gesamte NMS-Belastung" sich durch das Cannabinoid verbessert habe. Dies habe sich insbesondere in einer Verminderung der Angstzustände und Schlafstörungen" widergespiegelt, so die Studienautoren. Diese Ergebnisse könnten als Basis für eine größere kontrollierte Studie dienen, die eventuell zu einer Zulassung führen würde.

STICHWÖRTER
Medizin  | Krankheiten  | Publikationen  | Tirol  | Bez. Innsbruck  | Innsbruck  | Wissenschaft  | Forschung  | Gesundheit  |
Weitere Meldungen aus Politik & Wirtschaft
APA
Partnermeldung