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"Collective-Action" im Fokus der Wissenschaft © APA (dpa)
"Collective-Action" im Fokus der Wissenschaft © APA (dpa)

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Neues Ressel-Zentrum will Kooperationen von Unternehmen erforschen

22.10.2020

Diese Meldung ist Teil einer wöchentlichen Zusammenfassung für den APA-Science-Newsletter Nr. 38/2020 und nicht zwingend tagesaktuell

Nach dem Einsturz des Fabriksgebäudes Rana Plaza in Bangladesh, bei dem 2013 über 1.100 Menschen getötet wurden, schufen mehr als 200 Textilkonzerne gemeinsam mit Gewerkschaften und NGOs mit dem "Bangladesh Accord" ein Abkommen für höhere Sicherheit in Textilfabriken, das heute noch Bestand hat. Solche und andere Unternehmenskooperationen will ein neues Josef Ressel Zentrum erforschen, das an der Fachhochschule (FH) Wien der Wirtschaftskammer Wien eröffnet wurde.

Die Wissenschafter fassen innovative Managementkonzepte, die auf gemeinschaftlichen Initiativen beruhen, unter dem Begriff "Collective-Action" zusammen und unterscheiden dabei zwischen Regulierungs- und Umsetzungsinitiativen. "Regulierungsinitiativen zielen darauf ab, gesellschaftlich und ökologisch relevante Regulierungslücken zu schließen - beispielsweise durch die Schaffung von Branchenkodizes, zertifizierbaren Standards oder rechtlich bindenden Vereinbarungen", so der Leiter des Josef Ressel Zentrum für Collective Action und Responsible Partnerships (CARe), Markus Scholz, in einer Aussendung. Der "Bangladesh Accord" sei ein Beispiel dafür.

Verantwortungspartnerschaften

Zudem gibt es Umsetzungsinitiativen, die auch als Verantwortungspartnerschaften bezeichnet werden. Dabei schließen sich Unternehmen und weitere Akteure zusammen, um ein meist lokal begrenztes Problem von ökonomischer, gesellschaftlicher oder ökologischer Relevanz wie den Fachkräftemangel oder die Schaffung einer digitalen Infrastruktur gemeinsam zu lösen. Als Beispiel dafür nannte Scholz gegenüber der APA die "CoVIg-19 Plasma Alliance", in der Pharmaunternehmen mit dem Ziel kooperieren, möglichst schnell eine Therapie für Covid-19-Patienten zu entwickeln und auch Partner außerhalb der Pharmabranche wie Microsoft oder Google dabei logistisch unterstützen.

Gemeinsam mit den Unternehmenspartnern Josef Manner & Comp AG, Kapsch TrafficCom AG und Simacek Facility Management Group wollen die Wissenschafter u.a. untersuchen, wie Unternehmen große und komplexe Herausforderungen erfolgreich meistern können, welche Faktoren sie bei kollektiven Projekten unterstützen, wie die Zusammenarbeit gestaltet werden muss, um die gewünschten Ergebnisse zu erbringen, und wie der Erfolg von kollektiven Projekten gemessen werden kann.

Christian-Doppler-Labors als Vorbild

Vorbild für das auf Fachhochschulen zugeschnittene Josef-Ressel-Programm sind die Christian-Doppler-Labors, wo Universitäten mit Firmen zusammenarbeiten. Das Budget kommt dabei von der öffentlichen Hand über die Christian Doppler-Gesellschaft (CDG) und von den Unternehmenspartnern. Die Laufzeit der Ressel-Zentren sind fünf Jahre.

Service: https://www.fh-wien.ac.at/; https://www.cdg.ac.at/

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