Plastik hat die Welt in den vergangenen Jahrzehnten nachhaltig und in vielfältiger Weise verändert. Der multitalentierte Werkstoff bietet zahlreiche Vorteile, hat aber auch eine Schattenseite: In seiner kleinsten Form könnte er Mensch und Umwelt schaden. Egal, ob Luft, Wasser oder Nahrung: Mikroplastik ist inzwischen scheinbar überall und lange haltbar. Gefunden werden die winzigen Kunststoff-Partikel im Gehirn, auf Berggipfeln und am Grund des Ozeans.
Dabei ist das Thema erstaunlich jung: Der heute weit verbreitete Begriff „Mikroplastik“ wurde erst 2004 in Folge einer im Fachmagazin „Science“ erschienenen Studie von Richard Thompson, dem Leiter der International Marine Litter Research Unit an der Universität von Plymouth (Großbritannien), geprägt. Lange Zeit war das Phänomen kaum greifbar. Inzwischen zeigen Schätzungen, dass bis zum Jahr 2040 jährlich rund 40 Megatonnen an Mikroplastik in die Umwelt gelangen dürften. Tausende einschlägige wissenschaftliche Studien zeichnen das Bild, dass die Kunststoff-Partikel mittlerweile selbst in den entferntesten Winkeln der Erde zu finden sind. Zudem wurden sie in mehr als 1.300 Wasser- und Landtierarten nachgewiesen. Die Teilchen werden auch von Pflanzen aufgenommen.
Blut-Hirn-Schranke überwunden
Nicht zuletzt erkennt die Forschung immer klarer, dass Mikroplastik längst in menschlichem Gewebe angekommen ist. So zeigen mehrere Erhebungen, wie sich Plastikteilchen unter anderem im Gehirn und anderen Organen anreichern. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind noch weitgehend offen – allerdings gibt es zunehmende Hinweise auf negative Effekte, heißt es in einem im Jahr 2024 veröffentlichten Perspektivenartikel in „Science“ anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums der ersten Studie zu Mikroplastik.
Die beteiligten Wissenschafterinnen und Wissenschafter appellierten schon damals für ein globales Plastikabkommen, das mehr oder weniger den gesamten Zyklus, den ein Produkt durchläuft, umfasst. Vergessen werden dürfe nicht, dass die Plastikverschmutzung vollständig durch menschliches Handeln verursacht wird. Anlässlich neuer Verhandlungen für ein UNO-Abkommen zur Reduzierung von Plastikmüll hat sich APA-Science umgehört, welche Erkenntnisse aktuelle Forschungsergebnisse liefern und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Mikroplastik, das vor allem durch Alterungsprozesse, Verwitterung, oder mechanischen Abrieb entsteht, kann über Nahrung, Luft und zum Teil über die Haut in den menschlichen Körper gelangen. Auch Tiere und Pflanzen nehmen die kleinen Partikel auf. Was dann passiert, ist weitgehend unklar. Zwar gibt es starke Hinweise auf Effekte, ein kausaler Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten ist aktuell aber nicht nachweisbar.
- Globales Plastikabkommen (INC-5.2): https://go.apa.at/SPB2xBbC
- Aktionsplan Mikroplastik 2022-2025: https://go.apa.at/lfVzQ2qK
- Factsheet Mikroplastik des Umweltbundesamtes: https://go.apa.at/rrLXBgq1
- AGES zu Mikroplastik: https://go.apa.at/Sun951pg
- Wiener Umweltanwaltschaft zu Mikroplastik: https://go.apa.at/TvzmyWQQ
- Plastic Europe: https://go.apa.at/qTwvDvMS
- bündnis mikroplastikfrei: https://www.mikroplastikfrei.at/